03.09.2013
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Hoffnungsträger: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Bild: flickr/Dominik Kreutz

Niemand darf der Folter, der unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Wenn Europas Staaten gezwungen werden, die Menschenrechte einzelner zu achten, geschieht dies auf der Grundlage der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK).

Vor 60 Jah­ren, am 3. Sep­tem­ber 1953, trat die Kon­ven­ti­on  in Kraft, die von allen Mit­glied­staa­ten des Euro­pa­ra­tes unter­zeich­net wur­de und über des­sen Ein­hal­tung der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te in Straß­burg wacht. Auch die Rech­te von Flücht­lin­gen wur­den gestärkt, ins­be­son­de­re durch das Ver­bot der Fol­ter (Arti­kel 3 EMRK).

So war den Ver­ant­wort­li­chen der EU-Poli­tik zum Bei­spiel bekannt, dass Flücht­lin­ge unter dem Regime Gad­af­fis in Liby­en in Lagern inhaf­tiert und miss­han­delt wur­den. Den­noch brach­te die ita­lie­ni­sche Küs­ten­wa­che Flücht­lin­ge, dar­un­ter den Soma­li­er Sab­ir Jamaa Hirsi, nach Liby­en zurück und lie­fer­te sie den Schär­gen des Dik­ta­tors aus. Euro­pa nahm die­sen Völ­ker­rechts­bruch Ita­li­ens schwei­gend in Kauf.

Das Mit­tel­meer ist kei­ne men­schen­rechts­freie Zone

Hirsi klag­te, sei­ne Sache ging bis vor den Straß­bur­ger Gerichts­hof.  In einem weg­wei­sen­den Urteil ver­ur­teil­te der Straß­bur­ger Men­schen­rechts­ge­richts­hof im Febru­ar 2012 die ita­lie­ni­sche Zurück­wei­sungs­po­li­tik und damit die fata­le Koope­ra­ti­on der frü­he­ren Regie­rung Ber­lus­co­ni mit dem liby­schen Dik­ta­tor Gad­da­fi.

Der Gerichts­hof hat­te u.a. eine Ver­let­zung von Arti­kel 3 der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on fest­ge­stellt. Mit dem Straß­bur­ger Urteil stell­te der Gerichts­hof klar: Das Mit­tel­meer ist kei­ne men­schen­rechts­freie Zone. Die Ver­pflich­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on machen nicht an den euro­päi­schen Gren­zen Halt – Staa­ten dür­fen sich ihrer men­schen­recht­li­chen Ver­pflich­tung auch außer­halb ihrer Ter­ri­to­ri­en nicht ent­zie­hen.

Euro­pas Staa­ten regel­mä­ßig bla­miert

Dass ein ein­zel­ner Mensch wie Sab­ir Jamaa Hirsi einen Staat wegen der Ver­let­zung sei­ner Men­schen­rech­te zur Rechen­schaft zie­hen kann, ist ein­zig durch die EMRK und den EGMR mög­lich. Euro­pas Staa­ten sind durch die Urtei­le des EGMR regel­mä­ßig bla­miert. Noch immer ster­ben jedes Jahr tau­sen­de Boots­flücht­lin­ge auf dem Meer oder wer­den zurück­ge­wie­sen  und Ver­ant­wort­li­chen der EU reagie­ren mit Gleich­gül­tig­keit. An der Lage der Flücht­lin­ge, an der Ein­hal­tung der Men­schen­rech­te an den Außen­gren­zen müs­sen sie sich mes­sen las­sen. 

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