29.11.2013

Von den anste­hen­den Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen von CDU und Bünd­nis 90/Die Grü­nen erwar­ten die Dia­ko­nie Hes­sen, PRO ASYL und der Hes­si­sche Flücht­lings­rat ein deut­li­ches Signal zur Inte­gra­ti­on von Flücht­lin­gen. „In der Flücht­lings­po­li­tik brau­chen wir einen Para­dig­men­wech­sel in Hes­sen. Flücht­lings­po­li­tik muss Inte­gra­ti­ons­po­li­tik sein und kei­ne Ord­nungs­po­li­tik. Wer Inte­gra­ti­on will, darf das The­ma Flücht­lin­ge nicht ein­fach dem Innen­mi­nis­te­ri­um  über­las­sen, beton­te Dr. Wolf­gang Gern, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Dia­ko­nie Hes­sen.

Statt des Abwehr­ge­dan­kens, der immer noch in vie­len Berei­chen der Asyl­po­li­tik vor­herr­sche, müs­se eine Will­kom­mens­kul­tur für Flücht­lin­ge geschaf­fen wer­den. Hier­zu  bedür­fe es eines Minis­te­ri­ums,  in dem Migra­ti­ons­po­li­tik gebün­delt und ver­netzt wird und das eine inter­mi­nis­te­ri­el­le Steue­rungs­kom­pe­tenz hat. Not­wen­dig sei außer­dem eine lan­des­ge­setz­li­che Grund­la­ge, die auch Asyl­su­chen­de und Gedul­de­te ein­schließt, „weil sie vom ers­ten Tag an Zugang zu Inte­gra­ti­ons­maß­nah­men brau­chen und nicht erst nach Abschluss des Asyl­ver­fah­rens, das sich in man­chen Fäl­len über Jah­re hin­zie­hen kann“, so Gern.

Im Blick auf die Unter­brin­gung von Flücht­lin­gen müss­ten Städ­te und Land­krei­se finan­zi­ell so aus­ge­stat­tet wer­den, dass eine men­schen­wür­di­ge und inte­gra­ti­ons­för­dern­de Wohn­si­tua­ti­on gewähr­leis­tet wird. Dazu bedür­fe es ver­bind­li­cher Vor­ga­ben, die auch die sozi­al­päd­ago­gi­sche Unter­stüt­zung von Flücht­lin­gen ein­schlie­ßen und die Unter­brin­gung in Gemein­schafts­un­ter­künf­ten zeit­lich begren­zen. „Wir haben in Hes­sen der­zeit eine sehr gro­ße Band­brei­te an Unter­brin­gungs­for­men. Für Flücht­lin­ge ist es eine Art Lot­te­rie, ob sie am Ende in einer Con­tai­ner­un­ter­kunft hin­ter dem Indus­trie­ge­biet lan­den oder in einer klei­ne­ren Unter­kunft in der Stadt oder gar in einer eige­nen Woh­nung leben kön­nen. Hier brau­chen wir drin­gend ein­heit­li­che und men­schen­wür­di­ge Stan­dards“, for­der­te Tim­mo Sche­ren­berg vom Hes­si­schen Flücht­lings­rat.

Ange­sichts der seit Jah­ren stei­gen­den Flücht­lings­zah­len for­dern Dia­ko­nie, PRO ASYL und Flücht­lings­rat die finan­zi­el­le För­de­rung unab­hän­gi­ger und pro­fes­sio­nel­ler Flücht­lings­be­ra­tung durch das Land Hes­sen, um die Flücht­lin­ge best­mög­lich in ihrem Ankom­mens­pro­zess zu unter­stüt­zen und sie zu befä­hi­gen, ein eigen­stän­di­ges Leben zu füh­ren. Inte­gra­ti­on gelin­ge dann am bes­ten, wenn Flücht­lin­ge von Anfang an auch Zugang zu Deutsch­kur­sen erhal­ten und mög­lichst schnell auf dem Arbeits­markt Fuß fas­sen kön­nen.

PRO ASYL erwar­tet, dass sich die hes­si­schen Grü­nen jetzt vehe­ment für die neue Flücht­lings­po­li­tik ein­set­zen, die die Par­tei wie­der­holt gefor­dert hat. „Dazu gehö­ren die gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be von Flücht­lin­gen und eine groß­zü­gi­ge Auf­nah­me­po­li­tik, zum Bei­spiel durch die Erleich­te­rung des Fami­li­en­nach­zugs. „Im hes­si­schen Koali­ti­ons­ver­trag möch­ten wir die von den Grü­nen ver­spro­che­nen Ände­run­gen in der Flücht­lings­po­li­tik deut­lich erken­nen“, sag­te der Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL, Gün­ter Burk­hardt.

„Von einer Migra­ti­ons­po­li­tik, die auch Flücht­lin­ge ein­schließt, pro­fi­tie­ren letzt­lich alle –  die Flücht­lin­ge und die gesam­te Gesell­schaft. Wir hof­fen, dass die­ser Gedan­ke in der Poli­tik der neu­en Lan­de­re­gie­rung kon­kret Gestalt gewinnt“, erklär­ten Gern, Burk­hardt und Sche­ren­berg  abschlie­ßend.

Die­se Pres­se­mit­tei­lung wird zeit­gleich her­aus­ge­ge­ben von

Dia­ko­nie Hes­sen

Hes­si­schem Flücht­lings­rat

PRO ASYL

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