17.03.2014

Das im Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um auf den Weg gebrach­te Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren, durch das Bal­kan­staa­ten zu siche­ren Her­kunfts­län­dern erklärt wer­den sol­len, ent­wi­ckelt sich zur Far­ce – for­mal wie inhalt­lich. Am 20. Febru­ar 2014 hat­te das BMI Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen und dem UNHCR den Refe­ren­ten­ent­wurf zuge­lei­tet mit der Bit­te um Stel­lung­nah­me bin­nen einer Woche. Wer eine wirk­li­che Betei­li­gung will und Argu­men­ten zugäng­lich ist, setzt kei­ne Wochen­frist für eine Fra­ge, die ver­fas­sungs­recht­lich und bezüg­lich der Situa­ti­on in den genann­ten Staa­ten schwie­rig ist.

Die Ver­bän­de, die den­noch bis zum 28. Febru­ar 2014 frist­ge­recht Stel­lung nah­men, sehen sich vom Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um hin­ters Licht geführt. Hat­te man ihnen noch einen Gesetz­ent­wurf vor­ge­legt, der der Ein­stu­fung der Staa­ten Maze­do­ni­en, Ser­bi­en sowie Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na als siche­re Her­kunfts­staa­ten die­nen soll­te, so müs­sen sie weni­ge Tage spä­ter den Medi­en ent­neh­men, dass nun auch Alba­ni­en und Mon­te­ne­gro nach den Vor­stel­lun­gen des Bun­des­in­nen­mi­nis­ters siche­re Her­kunfts­staa­ten sein sol­len.

Dabei war schon der auf Maze­do­ni­en, Ser­bi­en und Bos­ni­en beschränk­te Refe­ren­ten­ent­wurf ein unse­riö­ses Mach­werk, mit dem jeder gesetz­ge­be­ri­sche Min­dest­stan­dard an Begrün­dun­gen unter­schrit­ten wur­de. Ver­fas­sungs­recht­li­che Maß­stä­be wur­den außer Acht gelas­sen, als habe sich das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zum The­ma nie­mals geäu­ßert. Eine kon­kre­te Aus­ein­an­der­set­zung mit der Men­schen­rechts­la­ge in den drei Staa­ten fin­det sich eben­so­we­nig wie die Aus­wer­tung einer Viel­zahl von Berich­ten der Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen. Sie bele­gen ein Aus­maß an Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in den drei Staa­ten, die deren Ein­ord­nung als „siche­re Her­kunfts­staa­ten“ als völ­lig unmög­lich erschei­nen lässt.

Die gesetz­ge­be­ri­schen Haus­auf­ga­ben sind noch nicht gemacht, da will man das Geset­zes­vor­ha­ben auf Alba­ni­en und Mon­te­ne­gro erwei­tern. So wird Gesetz­ge­bung zur Far­ce, die Ver­bän­de­be­tei­li­gung zum Fei­gen­blatt. Wer Gesetz­ge­bung als popu­lis­ti­schen Schnell­schuss hin­nimmt, wenn es um das Asyl­recht geht, muss sich nicht wun­dern, wenn sol­che Metho­den mor­gen auf ande­re Berei­che der Gesetz­ge­bung über­grei­fen.

PRO ASYL: Stel­lung­nah­me zum Refe­ren­ten­ent­wurf „eines Geset­zes zur Ände­rung des Asyl­ver­fah­rens­ge­set­zes“

UNHCR: Stel­lung­nah­me zum Refe­ren­ten­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung „Ent­wurf eines Geset­zes zur Ände­rung des Asyl­ver­fah­rens­ge­set­zes“

Update: PRO ASYL-Stel­lung­nah­me zum Ent­wurf eines Geset­zes zur Ein­stu­fung wei­te­rer Staa­ten als siche­re Her­kunfts­staa­ten und zur Erleich­te­rung des Arbeits­markt­zu­gangs für Asyl­be­wer­ber und gedul­de­te Aus­län­der (vom 28.3.2014; löst den o.g. Refe­ren­ten­ent­wurf ab)

 Von wegen „siche­re Her­kunfts­staa­ten“ (04.06.14)

 Gesetz­ent­wurf erklärt Ser­bi­en, Maze­do­ni­en und Bos­ni­en zu siche­ren Her­kunfts­staa­ten (06.03.14)

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