30.09.2011

In den letz­ten fünf Jah­ren wur­den vier Anläu­fe für eine Blei­be­rechts­re­ge­lung genom­men. Doch noch immer leben 75.000 Men­schen seit sechs Jah­ren ohne Auf­ent­halts­recht in Deutsch­land. Hin­zu kommt: Tau­sen­de, die schon ein Blei­be­recht hat­ten, droht Ende des Jah­res der Rück­fall in die Dul­dung, zum Bei­spiel wenn sie arbeits­los wer­den. Gedul­det zu sein heißt, ein Leben auf Abruf zu füh­ren. Die Betrof­fe­nen kön­nen jeder­zeit abge­scho­ben wer­den.

„Die Bun­des­re­gie­rung hat im Früh­jahr ledig­lich ein Blei­be­recht für einen klei­nen Kreis von gut inte­grier­ten Jugend­li­chen beschlos­sen. Für das Gros der Betrof­fe­nen wur­de nichts erreicht“; erläu­ter­te Marei Pel­zer, Refe­ren­tin von PRO ASYL. Es brau­che drin­gend eine Blei­be­rechts­re­ge­lung, die auch huma­ni­tä­re Aspek­te berück­sich­ti­ge und den Gedul­de­ten eine siche­re Lebens­per­spek­ti­ve bie­te. PRO ASYL for­dert ein Ende der Halb­her­zig­keit im Umgang mit Gedul­de­ten.

PRO ASYL wen­det sich des­halb mit einer Brief­ak­ti­on an die Innen­mi­nis­ter, die am 8. und 9. Dezem­ber 2011 in Wies­ba­den tagen. PRO ASYL for­dert die Minis­ter dazu auf, das The­ma Blei­be­recht auf die Tages­ord­nung der Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz zu set­zen und sich für eine neue bun­des­ge­setz­li­che Blei­be­rechts­re­ge­lung ein­zu­set­zen, die anders als bis­he­ri­ge Rege­lun­gen nicht an einen Stich­tag geknüpft wer­den dür­fe. Eine neue Blei­be­rechts­re­ge­lung müs­se sich an der Auf­ent­halts­dau­er der Betrof­fe­nen und nicht an deren Alter oder deren Ein­rei­se­da­tum ori­en­tie­ren. Poli­tisch könn­te eine sol­che Rege­lung durch eine Bun­des­rats­in­itia­ti­ve auf den Weg gebracht wer­den.

Eine künf­ti­ge Blei­be­rechts­re­ge­lung dür­fe ins­be­son­de­re kei­ne über­zo­ge­nen Anfor­de­run­gen an die eigen­stän­di­ge Lebens­un­ter­halts­si­che­rung stel­len. „Die Betrof­fe­nen wur­den im Rah­men des soge­nann­ten Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­set­zes zum Teil jah­re­lang durch die Unter­brin­gung in Sam­mel­la­gern und ande­re dis­kri­mi­nie­ren­de Zumu­tun­gen sys­te­ma­tisch aus­ge­grenzt“, so Marei Pel­zer. Ihnen anschlie­ßend als Vor­aus­set­zung für ein Blei­be­recht die voll­stän­di­ge Siche­rung ihres Lebens­un­ter­halts abzu­ver­lan­gen, sei absurd.

Der Tag des Flücht­lings fin­det seit 25 Jah­ren immer frei­tags im Rah­men der bun­des­wei­ten Inter­kul­tu­rel­len Woche statt, an der sich rund 400 Kom­mu­nen und Gemein­den mir cir­ca 4.000 Ver­an­stal­tun­gen betei­li­gen.

Hin­weis: Detail­lier­te Ana­ly­sen und For­de­run­gen zum Blei­be­recht fin­den Sie in der von Cari­tas, Dia­ko­nie und PRO ASYL erar­bei­te­ten Bro­schü­re „Für ein neu­es Blei­be­recht“

 For­de­run­gen zur Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz in Han­no­ver (21.05.13)

 Ham­burg star­tet Bun­des­rats­in­itia­ti­ve für eine Blei­be­rechts­re­ge­lung (21.09.12)

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