15.04.2010

Fort­set­zung der unver­ant­wort­li­chen Abschie­bun­gen

PRO ASYL: Die his­to­ri­sche Ver­ant­wor­tung wird ver­drängt

Das ges­tern in Ber­lin unter­zeich­ne­te Rück­über­nah­me­ab­kom­men zwi­schen Deutsch­land und dem Koso­vo gießt in recht­li­che For­men, was jetzt schon unver­ant­wort­li­che Pra­xis ist – die Abschie­bung auch von Min­der­hei­ten­an­ge­hö­ri­gen (Roma, Ash­ka­li u.a.), die im Koso­vo mit extre­mer Dis­kri­mi­nie­rung und fak­tisch einem Leben am Ran­de der Müll­kip­pe rech­nen müs­sen.

Für unver­ant­wort­lich hält PRO ASYL die Roma-Abschie­bun­gen auch vor dem Hin­ter­grund der his­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung, in der Deutsch­land gegen­über den Roma steht. Hun­dert­tau­sen­de wur­den Opfer des Holo­caust, unter ihnen vie­le auf dem Bal­kan. Eine dar­aus resul­tie­ren­de mora­li­sche Ver­pflich­tung hat Deutsch­land nicht aner­kannt.

Nicht nur Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, son­dern auch hoch­ran­gi­ge Ver­tre­ter der koso­va­ri­schen Regie­rung haben des öfte­ren auf Schwie­rig­kei­ten hin­ge­wie­sen, die aus den Abschie­bun­gen in das Land ent­ste­hen. Der koso­va­ri­sche Minis­ter für Arbeit und Sozia­les Nen­ad Rasic hat­te in einem Inter­view mit dem ZDF im Janu­ar deut­lich gemacht, war­um Koso­vo sich den deut­schen Inter­es­sen beu­gen muss­te. Zuge­ständ­nis­se in Sachen Rück­über­nah­me waren „eine der Vor­aus­set­zun­gen, um über­haupt die ver­schie­de­nen Aspek­te der Zusam­men­ar­beit im Hin­blick auf eine wei­te­re Zukunft für den Koso­vo zu reden.“ Hilfs­an­ge­bo­te für die Ankom­men­den kön­ne man jedoch kaum machen.

Bereits seit Som­mer letz­ten Jah­res wer­den auch Ange­hö­ri­ge der Roma-Min­der­heit in den Koso­vo abge­scho­ben. Etwa 10.000 noch hier leben­den Koso­vo-Roma droht eben­falls die Abschie­bung. Es zeich­net sich ange­sichts der Beschrän­kung auf 2.500 Abschie­bun­gen pro Jahr ab, dass über meh­re­re Jah­re hin­weg das Damo­kles­schwert über den Koso­vo-Roma schwe­ben wird.

Mas­sen­ab­schie­bun­gen wer­de es nicht geben, so de Mai­ziè­re. Was man unter der von ihm pro­pa­gier­ten Poli­tik der schritt­wei­sen Rück­füh­rung zu ver­ste­hen hat, zeigt sich jeden Monat auf den Flug­hä­fen Düs­sel­dorf und Baden-Baden, wo die Flü­ge mit Ange­hö­ri­gen der Roma- und Ash­ka­limin­der­hei­ten, Fami­li­en mit Kin­dern, Alten und Kran­ken gefüllt wer­den.

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