25.02.2016

Trotz der brei­ten Kri­tik aus der Zivil­ge­sell­schaft soll der Bun­des­tag heu­te das Asyl­pa­ket II beschlie­ßen. PRO ASYL, Kir­chen, Wohl­fahrts­ver­bän­de, Anwalts­ver­ei­ne, Rich­ter­ver­ei­ni­gun­gen, Ärz­te­kam­mern und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen üben fun­dier­te Kri­tik am Geset­zes­vor­ha­ben. PRO ASYL lehnt das Asyl­pa­ket II ab. Die Eil­ver­fah­ren in den beson­de­ren Auf­nah­me­zen­tren wer­den fai­re Asyl­ver­fah­ren und die Kor­rek­tur von Fehl­ent­schei­dun­gen durch die Arbeit von Rechts­an­wäl­ten und Gerich­ten beschrän­ken. Die neu­en gesetz­li­chen Grund­la­gen tren­nen Fami­li­en auf Jah­re. Abschie­bun­gen von Flücht­lin­gen trotz schwe­rer Trau­ma­ta in ihre Her­kunfts­staa­ten wer­den mög­lich. Die durch das Asyl­pa­ket II beschlos­se­nen Ände­run­gen ste­hen in kei­nem Zusam­men­hang mit dem aktu­el­len Zuzug von Flücht­lin­gen aus den Kriegs- und Kri­sen­re­gio­nen. Statt­des­sen legt der Gesetz­ge­ber Hand an das Asyl­recht in Deutsch­land.

Beson­ders scharf kri­ti­siert PRO ASYL die Aus­set­zung des Fami­li­en­nach­zugs für sub­si­di­är Schutz­be­rech­tig­te für zwei Jah­re. Die Bun­des­re­gie­rung spielt mit dem Leben der Men­schen. Noch mehr Fami­li­en und Kin­der wer­den auf die gefähr­li­chen Flucht­rou­ten gezwun­gen. Seit Anfang 2016 sind bereits über 400 Men­schen, dar­un­ter vie­le Frau­en und Kin­der, im Mit­tel­meer gestor­ben. Laut UNHCR machen Frau­en und Kin­der inzwi­schen mehr als die Hälf­te aller Ankom­men­den auf den grie­chi­schen Inseln aus. Ent­ge­gen der öffent­li­chen Wahr­neh­mung geht PRO ASYL davon aus, dass zahl­rei­chen Flücht­lin­gen im Unter­schied zur bis­he­ri­gen Pra­xis der Flücht­lings­sta­tus ver­wei­gert wer­den soll. Im Jahr 2015 hat­ten ledig­lich 1.707 Per­so­nen einen sub­si­diä­ren Schutz­sta­tus.

Gleich­sam gefähr­lich sind die neu­en Abschie­bungs­re­geln, die das Asyl­pa­ket II vor­sieht. Nur noch lebens­be­droh­li­che Erkran­kun­gen sol­len ein Abschie­be­hin­der­nis dar­stel­len, die Bun­des­re­gie­rung ver­weist Betrof­fe­ne auf sog. „inlän­di­sche Gesund­heits­al­ter­na­ti­ven“, die in den Her­kunfts­län­dern bestehen wür­den. Mit der Rea­li­tät hat dies nichts zu tun. In vie­len Staa­ten ist es nicht ein­fach so mög­lich von einem Gebiet in das nächs­te zu gelan­gen und dort medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung in Anspruch zu neh­men. Gera­de im durch Gewalt erschüt­ter­ten Afgha­ni­stan sind vie­le Wege unpas­sier­bar. Dass die Bun­des­re­gie­rung zugleich psy­cho­lo­gi­sche Gut­ach­ten nicht mehr aner­ken­nen will und Post­trau­ma­ti­sche Belas­tungs­stö­run­gen nicht als schwe­re Erkran­kung ansieht, ver­deut­licht die Här­te des Vor­ge­hens.

PRO ASYL appel­liert an alle Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­tags, die­sem Gesetz die Zustim­mung zu ver­wei­gern. Der Rück­tritt des Men­schen­rechts­be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung, den die­ser auch mit den aktu­el­len Asyl­rechts­ver­schär­fun­gen begrün­det hat, soll­te die Abge­ord­ne­ten zum Nach­den­ken brin­gen.  

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