31.05.2011

Pres­se­er­klä­rung

31.05.2011

Anläss­lich des Inter­na­tio­na­len Kin­der­ta­ges am 1. Juni star­ten über 40 Orga­ni­sa­tio­nen gemein­sam die Kam­pa­gne „Jetzt erst Recht(e) für Flücht­lings­kin­der!“.

Ziel der Kam­pa­gne „Jetzt erst Recht(e) für Flücht­lings­kin­der“ ist es, ein Jahr lang mit krea­ti­ven Aktio­nen, Öffent­lich­keits­ar­beit und poli­ti­schem Druck Geset­zes­än­de­run­gen und kon­kre­te Ver­bes­se­run­gen für Flücht­lings­kin­der in Deutsch­land zu errei­chen. Denn obwohl die Bun­des­re­gie­rung im Juli 2010 offi­zi­ell den seit 18 Jah­ren bestehen­den Vor­be­halt zur UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on zurück­ge­nom­men hat, wer­den Flücht­lings­kin­der im Ver­gleich zu Kin­dern mit deut­schem Pass wei­ter­hin mas­siv benach­tei­ligt, unter ande­rem in der Gesund­heits­ver­sor­gung, bei Schul- und Berufs­bil­dung, Arbeits­mög­lich­kei­ten, Bewe­gungs­frei­heit sowie der Mög­lich­keit mit ihrer Fami­lie oder Ver­wand­ten zusam­men zu woh­nen.

Der Schirm­herr der Kam­pa­gne, Prof. Dr. Lothar Krapp­mann, lang­jäh­ri­ges Mit­glied im UN-Aus­schuss für die Rech­te des Kin­des, betont: „Auch Flücht­lings-, Migran­ten–  sowie staa­ten­lo­se Kin­der sind im Besitz all der Rech­te, die die Kon­ven­ti­on Kin­dern als unver­lier­ba­re Men­schen­rech­te zusi­chert und dies unge­ach­tet der eth­ni­schen Zuge­hö­rig­keit, der sozia­len Her­kunft und ande­rer Merk­ma­le, wie der Natio­na­li­tät. Durch die Rück­nah­me der Vor­be­hal­te allein sind die über­gan­ge­nen oder miss­ach­te­ten Rech­te die­ser Kin­der noch nicht Wirk­lich­keit gewor­den.“

Moham­med Jouni, der mit 12 Jah­ren aus dem Liba­non nach Deutsch­land gekom­men ist, berich­tet von dem Schick­sal sei­ner Fami­lie und dem Leben in jah­re­lan­ger Unge­wiss­heit. „Gehol­fen hat mir ein Bera­tungs­zen­trum für jun­ge Flücht­lin­ge“, sagt Jouni, der heu­te selbst bei Jugend­li­che ohne Gren­zen (JOG) aktiv ist. Er stellt die Arbeit die­ser Orga­ni­sa­ti­on vor und for­dert: „Die UN-Kin­der­rech­te müs­sen vor­be­halt­los in der Pra­xis umge­setzt wer­den und nicht nur auf dem Papier.“ Jouni erklärt für JOG: “Wir ALLE sind Kin­der und Jugend­li­che die­ser Welt!“

Hei­ko Kauff­mann von PRO ASYL for­dert die Bun­des­re­gie­rung, den Bun­des­tag und die Län­der auf, nach dem Signal der Rück­nah­me nun auch die zwin­gen­den recht­li­chen Kon­se­quen­zen zu zie­hen und die vol­le Umset­zung der in der Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on garan­tier­ten Rech­te auch für die Flücht­lings­kin­der in die Wege zu lei­ten. „Deutsch­land muss nun bewei­sen, wie men­schen­rechts- und inte­gra­ti­ons­freund­lich es wirk­lich ist.“

Bar­ba­ra Dünn­wel­ler von der Kin­der­not­hil­fe hebt die Bedeu­tung der Kam­pa­gne „Jetzt erst Recht(e) für Flücht­lings­kin­der“ für die Sen­si­bi­li­sie­rung von Öffent­lich­keit und Medi­en als Druck­mit­tel auf die Poli­tik her­vor: „Wenn  sich mehr als 40 Ver­bän­de, Orga­ni­sa­tio­nen und Insti­tu­tio­nen aus dem Forum Men­schen­rech­te, der Natio­nal Coali­ti­on und PRO ASYL in die­ser Kam­pa­gne zusam­men­schlie­ßen, ist dies ein unüber­seh­ba­res und unüber­hör­ba­res Zei­chen für die Kin­der­rech­te!“

Jörg May­wald von der Natio­nal Coali­ti­on für die Umset­zung der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on in Deutsch­land erin­nert dar­an, dass der UN-Aus­schuss für die Rech­te des Kin­des Deutsch­land bereits zwei­mal, 1995 und 2004, wegen sei­ner Hal­tung gegen­über Flücht­lings­kin­dern kri­ti­siert hat und – wenn sich nichts ändert – auch erneut auf­for­dern muss, die Rech­te von Flücht­lings­kin­dern inner­staat­lich voll­um­fäng­lich umzu­set­zen. „So lan­ge kön­nen die betrof­fe­nen Kin­der nicht war­ten. Des­halb ist es beson­ders wich­tig, dass die Medi­en auf die men­schen­rechts­wid­ri­ge Situa­ti­on min­der­jäh­ri­ger Flücht­lin­ge in Deutsch­land immer wie­der auf­merk­sam machen.“
 
Das Posi­ti­ons­pa­pier der Kam­pa­gne und wei­te­re Infor­ma­tio­nen: www.jetzterstrechte.de

E-Mail: info@jetzterstrechte.de

Trä­ger der Kam­pa­gne:

Amnes­ty Inter­na­tio­nal, Arbei­ter­wohl­fahrt, Bun­des­wei­te Arbeits­ge­mein­schaft der Psy­cho­so­zia­len Zen­tren für Flücht­lin­ge und Fol­ter­op­fer, Bun­des­fach­ver­band Unbe­glei­te­te Min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge, Bund der Ale­vi­ti­schen Jugend­li­chen Deutsch­land, Cam­pact, DER PARITÄTISCHE – Gesamt­ver­band, Deut­scher Kin­der­schutz­bund, Deut­sches Kin­der­hilfs­werk,  Dia­ko­ni­sches Werk der EKD, Die Lan­des­flücht­lings­rä­te, Deut­sches Jugend­rot­kreuz, Deut­sches Rotes Kreuz, FORUM MENSCHENRECHTE, GRIPS Thea­ter Ber­lin, Jugend­li­che ohne Gren­zen, Jugend­werk der AWO, Kin­der­not­hil­fe, PRO ASYL, Sepa­ra­ted Child­ren Deutsch­land, SOS for Human Rights, Sozia­lis­ti­sche Jugend Deutsch­lands – Die Fal­ken, terre des hom­mes, UNICEF Deutsch­land, Ver­band bina­tio­na­ler Fami­li­en und Part­ner­schaf­ten, iaf.

In Koope­ra­ti­on mit der Natio­nal Coali­ti­on für die Umset­zung der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on in Deutsch­land (NC)

 20 Jah­re Rati­fi­zie­rung der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on: Kei­ne „Stern­stun­de für Flücht­lings­kin­der“ (04.04.12)

 Bes­ser wäre, Kla­gen wären nicht erfor­der­lich! (28.02.12)

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