08.12.2009

Bis­lang 2.000 Men­schen unter­stüt­zen gemein­sa­men Auf­ruf

Heu­te vor 71 Jah­ren erging der Rund­erlass von Hein­rich Himm­ler “zur Rege­lung der Zigeu­ner­fra­ge aus dem Wesen der Ras­se her­aus”. Aus die­sem Anlass über­rei­chen die Flücht­lings­rä­te gemein­sam mit PRO ASYL und der Ver­ei­ni­gung der Ver­folg­ten des Nazi­re­gimes / Bund der Anti­fa­schis­ten dem Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um die ers­ten 2000 Unter­schrif­ten unter den Auf­ruf „His­to­ri­sche Ver­ant­wor­tung wahr­neh­men: bedin­gungs­lo­ser Schutz für Roma“.

Über 500.000 Roma und Sin­ti wur­den unter der Nazi-Herr­schaft in Euro­pa ermor­det. Nach der Befrei­ung vom Faschis­mus muss­ten die als „Zigeu­ner“ dif­fa­mier­ten Men­schen lan­ge um ihre Aner­ken­nung als Ver­folg­te des Nazi-Regimes kämp­fen. Roma und Sin­ti, die die KZs über­lebt hat­ten, erhiel­ten im Nach­kriegs­deutsch­land lan­ge Zeit kei­ne oder nur gerin­ge Ent­schä­di­gun­gen. Erst 2008 wur­de in Ber­lin der ers­te Spa­ten­stich getan für ein Mahn­mal, das an die ermor­de­ten Roma und Sin­ti erin­nern soll.

Nun droht auf Grund­la­ge eines Abkom­mens der Bun­des­re­gie­rung mit der Repu­blik Koso­vo rund 10.000 Roma, die vor dem Bür­ger­krieg in Jugo­sla­wi­en nach Deutsch­land geflo­hen waren, die kurz­fris­ti­ge Abschie­bung in den Koso­vo, wo sie Elend und Dis­kri­mi­nie­rung bis hin zu offe­nen ras­sis­ti­schen Angrif­fen erwar­tet. Trotz der brei­ten Kri­tik an den Abschie­bungs­plä­nen haben die Innen­mi­nis­ter auf ihrer Kon­fe­renz am 3./4. Dezem­ber 2009 in Bre­men einen Abschie­bungs­stopp für Roma nicht auf die Tages­ord­nung gesetzt.

Der Auf­ruf der Ver­bän­de wur­de u.a. auch von Feli­cia Lan­ger (Trä­ge­rin des Alter­na­ti­ven Nobel­prei­ses), Roma­ni Rose (Vor­sit­zen­der des Zen­tral­rats deut­scher Sin­ti und Roma) sowie etli­chen Land­tags- und Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten unter­zeich­net. Er weist dar­auf hin, dass es unglaub­wür­dig wirkt, wenn einer­seits der Völ­ker­mord an Jüdin­nen und Juden sowie Roma und Sin­ti gebrand­markt und ver­ur­teilt, ande­rer­seits den Ange­hö­ri­gen die­ser bei­den Bevöl­ke­rungs­grup­pen ein vor­be­halt­lo­ser Schutz ver­wei­gert wird.

Die Unter­zeich­ne­rIn­nen des Auf­ru­fes ver­lan­gen von den staat­li­chen Ver­tre­te­rIn­nen auf allen Ebe­nen einen sen­si­ble­ren Umgang mit den Ange­hö­ri­gen von Grup­pen, die wäh­rend des Faschis­mus ver­folgt wur­den. Die Bun­des­re­pu­blik wird daher auf­ge­for­dert, ihre his­to­ri­sche Ver­ant­wor­tung als Nach­fol­ge­staat Nazi­deutsch­lands wahr zu neh­men und als Kon­se­quenz den Roma ein dau­er­haf­tes Auf­ent­halts­recht zu ertei­len, anstatt sie in den Koso­vo abschie­ben zu wol­len.

Die Initia­to­ren des Auf­ru­fes for­dern wei­ter­hin dazu auf, den Appell zu unter­stüt­zen (http://www.nds-fluerat.org/keine-abschiebung-von-roma-fluechtlingen/)

Kon­takt:

Tel.: 069 23 06 95

Email: presse@proasyl.de

Flücht­lings­rat Nie­der­sach­sen, Tel. 05121 – 15605, sw@nds-fluerat.org

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