21.05.2012

In Karls­ru­he stel­len heu­te acht Bür­ger- und Men­schen­rechts­grup­pen den Grund­rech­te-Report 2012 vor. Der jähr­lich erschei­nen­de Bericht zur Lage der Bür­ger- und Men­schen­rech­te wird in die­sem Jahr von der frü­he­ren Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin, Prof. Dr. Her­ta Däub­ler-Gme­lin, prä­sen­tiert. Sie zeig­te sich ange­sichts der zahl­reich doku­men­tier­ten Grund­rechts­ver­let­zun­gen besorgt über die Ver­fas­sungs- und Men­schen­rechts­wirk­lich­keit in Deutschland: 

„Der Gra­ben zwi­schen den Men­schen­rechts­ver­spre­chen und dem All­tag vie­ler Men­schen kann auch in Deutsch­land durch­aus breit sein, allen Ver­pflich­tun­gen aus dem Grund­ge­setz und allen Bemü­hun­gen von Gesetz­ge­ber, Behör­den und Gerich­ten zum Trotz. Der Grund­rech­te-Report der deut­schen Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen hilft nicht nur dabei, den Gra­ben zu ver­mes­sen, son­dern auch, ihn zu schlie­ßen. Das ist sein gro­ßes Verdienst.“

Als Betrof­fe­ne berich­te­te Julia Küm­mel. Sie hat­te vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erfolg­reich das Ver­samm­lungs­ver­bot ange­foch­ten, das die Frank­fur­ter Flug­ha­fen­ge­sell­schaft Fra­port qua Haus­ver­bot für den Flug­ha­fen „ver­ord­net“ hat­te. Im dies­jäh­ri­gen Report berich­tet Rai­ner Dep­pe dar­über. Der Grund­rech­te-Report 2012 zeigt ein­mal mehr: Das Grund­recht auf Ver­samm­lungs­frei­heit wird immer wie­der infra­ge gestellt – sei es durch die Pri­va­ti­sie­rung öffent­li­cher Räu­me, sei es durch sei­ne kom­plet­te Sus­pen­die­rung, wie aktu­ell von der Stadt Frank­furt in der letz­ten Woche prak­ti­ziert. Im Flug­ha­fen soll­te damals gegen Abschie­bun­gen pro­tes­tiert wer­den. Die skan­da­lö­se Abschieb­pra­xis, wie das Aus­län­der- und Asyl­recht über­haupt, sind – neben vie­len ande­ren – The­men des aktu­el­len Reports.

Mit Blick auf die über­ra­gen­de Bedeu­tung der grund­ge­setz­lich geschütz­ten Ver­samm­lungs­frei­heit brin­gen die Her­aus­ge­ber ihre Empö­rung über die Demons­tra­ti­ons­ver­bo­te gegen die „Block­upy-Bewe­gung“ zum Aus­druck. „Das unver­hält­nis­mä­ßi­ge Agie­ren der Behör­den – ins­be­son­de­re das tota­le Ver­samm­lungs­ver­bot bis ver­gan­ge­nen Sams­tag in Frank­furt – ist ein Keu­len­schlag gegen das Ver­samm­lungs­recht“, erklär­te Ulrich Engel­fried als Ver­tre­ter der Neu­en Rich­ter­ver­ei­ni­gung im Her­aus­ge­ber­gre­mi­um. „Das zeigt die Ten­denz staat­li­cher Stel­len, Men­schen- und Grund­rech­te zu igno­rie­ren, ja auch aggres­siv zu hintertreiben. 

Und dies gilt nicht nur für das Ver­samm­lungs­recht, son­dern bei­spiels­wei­se auch in vie­len Berei­chen der Leis­tungs­ver­wal­tung. Wir müs­sen heu­te eher eine Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­ver­wal­tung des Staa­tes gegen­über den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern kon­sta­tie­ren.“ Auch dazu fin­den sich im Report ein­drück­li­che Belege.

Der Grund­rech­te-Report wird ein­mal jähr­lich von der Huma­nis­ti­schen Uni­on, dem Komi­tee für Grund­rech­te und Demo­kra­tie, dem Bun­des­ar­beits­kreis Kri­ti­scher Jura­grup­pen, von Pro Asyl, dem Repu­bli­ka­ni­schen Anwäl­tin­nen- und Anwäl­te­ver­ein, der Ver­ei­ni­gung Demo­kra­ti­scher Juris­tin­nen und Juris­ten, der Inter­na­tio­na­len Liga für Men­schen­rech­te und der Neu­en Rich­ter­ver­ei­ni­gung her­aus­ge­ge­ben. Der Report erscheint in die­sem Jahr bereits in der 16. Ausgabe.

Grund­rech­te-Report 2012 – Zur Lage der Bür­ger- und Men­schen­rech­te in Deutsch­land. Her­aus­ge­ber: T. Mül­ler-Hei­del­berg, E. Ste­ven, M. Pel­zer, M. Heiming, H. Fech­ner, R. Göss­ner, U. Engel­fried und M. Küs­ter. Preis € 10,99; 234 Sei­ten; ISBN 978–3‑596–19422‑3 Fischer Taschen­buch Ver­lag; Juni 2012

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