10.12.2012

PRO ASYL appel­liert an die heu­te mit dem Frie­dens­no­bel­preis aus­ge­zeich­ne­te Euro­päi­sche Uni­on, an den Euro­päi­schen Außen­gren­zen abzu­rüs­ten. Die tech­no­lo­gi­sche Hoch­rüs­tung der Gren­zen Euro­pas führt in vie­len Fäl­len zu Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen. Ein Bericht des Guar­di­an vom 7. Dezem­ber 2012 zeigt, wie die von der euro­päi­schen Grenz­schutz­agen­tur Fron­tex durch­ge­führ­te Grenz­über­wa­chung in der grie­chi­schen EVROS-Regi­on zu ille­ga­len Zurück­wei­sun­gen von Flücht­lin­gen führt. PRO ASYL for­dert die Euro­päi­sche Uni­on auf, den Fron­tex-Ein­satz an der grie­chi­schen Gren­ze abzu­bre­chen.

Der Bericht des Guar­di­an schil­dert ein­drück­lich den Fall einer ille­ga­len Push-Back-Ope­ra­ti­on von über 100 haupt­säch­lich syri­schen Flücht­lin­gen von Grie­chen­land über die tür­ki­sche Gren­ze sowie die Stra­te­gie der grie­chi­schen Grenz­ein­hei­ten, Flücht­lin­ge an der Gren­ze zurück­zu­wei­sen. Bei­des ist mit Men­schen- und Flücht­lings­rech­ten nicht ver­ein­bar.

Pasxa­lis Syri­tou­dis, Poli­zei­chef der nörd­li­chen Evros-Regi­on, beschreibt die Grenz­si­che­rung auf dem Evros-Grenz­fluss in fol­gen­den Wor­ten: „We have ten boats patrol­ling the river all the time. The boats are used to block peop­le from crossing – to stop them get­ting to greek ter­rito­ry.”  […] “Using the ter­mo-visi­on vans and night came­ras, we try to see them befo­re they enter the river, when they are on the Tur­kish side to pre­vent them crossing.”

Nach Infor­ma­tio­nen von PRO ASYL gibt es eine Arbeits­tei­lung zwi­schen den grie­chi­schen Grenz­po­li­zei und den dort sta­tio­nier­ten Fron­tex-Ein­hei­ten: Fron­tex über­wacht die Gren­ze mit Nacht­sicht­ge­rä­ten und Wär­me­bild-Kame­ras und infor­miert die grie­chi­sche Gren­zer, die im Fol­gen­den ope­ra­tiv tätig wer­den – in der von Pasxa­lis Syri­tou­dis geschil­der­ten Form. Fron­tex-Ein­hei­ten ermög­li­chen somit ille­ga­le Zurück­wei­sun­gen.

Im Ver­gleich zum Vor­jahr ist die Zahl der Flücht­lin­ge, die die Gren­ze nach Grie­chen­land über­schrei­ten konn­ten, dras­tisch gesun­ken. Waren es 2011 noch rund 55.000, so wur­den in die­sem Jahr bis­lang  23.000 Flücht­lin­ge in  Grie­chen­land regis­triert und inhaf­tiert. Syri­sche Flücht­lin­ge waren unter ihnen die zweit­größ­te Grup­pe.

Auf Druck von Deutsch­land und ande­ren EU-Staa­ten hat­te Grie­chen­land im August 2012 die Grenz­si­che­rung dras­tisch ver­schärft. Wäh­rend im Juli noch 6.000 Men­schen in der Evros-Regi­on auf­ge­grif­fen wur­den, fiel die Zahl im August und Sep­tem­ber auf 1.800. Die Zurück­wei­sun­gen an der grie­chi­schen Gren­ze sind eine Fol­ge des Drucks von Deutsch­land und ande­ren EU-Staa­ten auf Grie­chen­land, sei­ne Gren­zen zu schlie­ßen.

Die Tür­kei hat in enger Koope­ra­ti­on mit der EU ihrer­seits die Grenz­si­che­rung ver­stärkt. Auf der tür­ki­schen Sei­te der Gren­ze wur­den zwi­schen Janu­ar und Juli 14.559 Men­schen in teils mit EU-Mit­teln finan­zier­ten Haft­la­gern inhaf­tiert.

Ver­län­ge­rung des Abschie­be­stopps nicht aus­rei­chend

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Fried­rich hat in einem Schrei­ben  vom 28. Novem­ber 2012 die Innen­mi­nis­ter der Län­der dar­über infor­miert, dass er eine Ver­län­ge­rung des Abschie­be­stopps nach Grie­chen­land bis zum 12. Janu­ar 2014 ange­ord­net habe.  Zwar gebe es bei den „Arbei­ten zur Reform des grie­chi­schen Asyl­sys­tems Ver­bes­se­run­gen“, doch wider­spre­che „der Umgang mit Asyl­be­wer­bern in Grie­chen­land noch immer deut­lich den euro­päi­schen Stan­dards.“

Aus Sicht von PRO ASYL ist eine blo­ße Ver­län­ge­rung eines Abschie­be­stopps nicht aus­rei­chend. „Euro­pa muss end­lich ein euro­päi­sches Asyl­recht schaf­fen, das die Ach­tung der Men­schen­rech­te in den Vor­der­grund stellt“, so Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL.

Beim Rat der Jus­tiz- und Innen­mi­nis­ter der EU am 6. Dezem­ber 2012 haben sich die Minis­te­ri­en jedoch bei der Reform der Dub­lin-Ver­ord­nung dar­auf geei­nigt, das Grund­prin­zip nicht anzu­tas­ten, nach dem in der Regel jener EU-Staat für einen Flücht­ling ver­ant­wort­lich ist, der ihn ein­rei­sen lässt. Die­ses unso­li­da­ri­sche Prin­zip setzt Staa­ten an den Außen­gren­zen unter Druck, Flücht­lin­ge abzu­weh­ren und ist damit für die Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen an den Gren­zen mit ver­ant­wort­lich.

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