25.10.2012

Nur einen Tag nach der Ein­wei­hung des Denk­mals für die ermor­de­ten Sin­ti und Roma setzt Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Fried­rich sei­ne popu­lis­ti­sche Kam­pa­gne gegen Roma aus den Bal­kan­staa­ten fort. Fried­rich for­dert Medi­en­be­rich­ten zufol­ge schär­fe­re Regeln für Asyl­be­wer­ber aus Ser­bi­en und Maze­do­ni­en und abge­senk­te Bar­leis­tun­gen.

PRO ASYL sieht dar­in einen Angriff Fried­richs auf das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, des­sen Urteil zum Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz die Regie­rungs­ko­ali­ti­on bei der anste­hen­den Neu­fas­sung offen­bar ger­ne unter­lau­fen wür­de.

Das Gericht hat­te am 18. Juli 2012 in sei­ner Urteils­be­grün­dung zum Asyl­be­wer­ber-leis­tungs­ge­setz her­vor­ge­ho­ben: „Die Men­schen­wür­de ist migra­ti­ons­po­li­tisch nicht zu rela­ti­vie­ren.“ Die gewähr­ten Sozi­al­leis­tun­gen sichern das unters­te Exis­tenz­mi­ni­mum, das ein Leben in Wür­de ermög­licht.

Der Vor­stoß des Bun­des­in­nen­mi­nis­ters ist eine kla­re Dis­kri­mi­nie­rung von Roma aus Ser­bi­en und Maze­do­ni­en, die vor dem Hin­ter­grund des Urteils als ver­fas­sungs­wid­rig betrach­tet wer­den muss.

Pro Asyl weist erneut dar­auf hin, dass Roma in Bal­kan­staa­ten mas­si­ver ras­sis­ti­scher Dis­kri­mi­nie­rung aus­ge­setzt sind, sodass ihnen ein men­schen­wür­di­ges Leben kaum mög­lich ist. Obdach­lo­sig­keit, Arbeits­lo­sig­keit, Ver­trei­bung, kei­ne Regis­trie­rung als Staats­bür­ger, kei­ne Gesund­heits­ver­sor­gung, Aus­gren­zung von Kin­dern aus dem Schul­sys­tem – dies ist die von Dis­kri­mi­nie­rung gepräg­te Lebens­wirk­lich­keit vie­ler Roma in Ser­bi­en und Maze­do­ni­en.

PRO ASYL, Zu den Vor­schlä­gen des Bun­des­in­nen­mi­nis­ters zum Umgang mit
Asyl­su­chen­den aus Ser­bi­en und Maze­do­ni­en

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