15.06.2011
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Füllen dicke Bände: Die Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Foto: flickr / ex_libris_gul

Erst­ma­lig ent­schei­det der EGMR die Zurück­wei­sun­gen von Schutz­su­chen­den auf Hoher See. Die Fra­ge der exter­ri­to­ria­len Gel­tung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EMRK), ins­be­son­de­re des Zurück­wei­sungs­ver­bo­tes nach Art. 3 EMRK, wird seit län­ge­rem dis­ku­tiert. Die ver­stärk­ten FRON­TEX-Ein­sät­ze im Mit­tel­meer sowie das im Jahr 2009 geschlos­se­ne Rück­über­nah­me­ab­kom­men zwi­schen Ita­li­en und Liby­en haben den Streit um die Beach­tung der Men­schen­rech­te

Erst­ma­lig ent­schei­det der EGMR die Zurück­wei­sun­gen von Schutz­su­chen­den auf Hoher See. Die Fra­ge der exter­ri­to­ria­len Gel­tung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EMRK), ins­be­son­de­re des Zurück­wei­sungs­ver­bo­tes nach Art. 3 EMRK, wird seit län­ge­rem dis­ku­tiert. Die ver­stärk­ten FRON­TEX-Ein­sät­ze im Mit­tel­meer sowie das im Jahr 2009 geschlos­se­ne Rück­über­nah­me­ab­kom­men zwi­schen Ita­li­en und Liby­en haben den Streit um die Beach­tung der Men­schen­rech­te – auch auf Hoher See – wei­te­re Nah­rung gege­ben.

Hirsi und die ande­ren Beschwer­de­füh­rer machen nun gel­tend, dass die ita­lie­ni­sche Regie­rung mit ihrer Ver­brin­gung nach Liby­en gegen Art 3 EMRK ver­sto­ßen haben: „Nie­mand darf der Fol­ter oder unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe unter­wor­fen wer­den“. In liby­schen Auf­fang­la­gern waren Flücht­lin­ge 2009 Fol­ter, Ver­ge­wal­ti­gun­gen und ande­ren Miss­hand­lun­gen aus­ge­setzt; Abschie­bun­gen in die Her­kunfts­staa­ten droh­ten.

Gegen­über der ita­lie­ni­schen Pres­se ließ der ita­lie­ni­sche Pre­mier­mi­nis­ter Sil­vio Ber­lus­co­ni 2009 ver­lau­ten, auf „die­sen Boo­ten“ sei „nor­ma­ler­wei­se nie­mand in der Lage, Asyl zu bean­tra­gen“. Die­ser Recht­fer­ti­gungs­ver­such geht indes fehl. 2008 haben etwa 75 Pro­zent der auf dem See­weg nach Ita­li­en ein­ge­reis­ten Per­so­nen einen Asyl­an­trag gestellt, und 50 Pro­zent von ihnen wur­den als Flücht­ling aner­kannt.

Zum aus­führ­li­chen Bericht der WOZ über die ers­te Anhö­rung

Zur Ver­hand­lungs­an­kün­di­gung des EGMR:
http://www.echr.coe.int/ECHR/homepage_en

PRO ASYL (Hrsg. u.a.), Rechts­gut­ach­ten „Men­schen- und flücht­lings­recht­li­che Anfor­de­run­gen an Maß­nah­men der Grenz­kon­trol­le auf See“, von Prof. Dr. Fischer-Lesca­no/Dr. Till­mann Löhr, ECCHR

 Ankünf­te in Ita­li­en: Deutsch­land muss Flücht­lin­ge auf­neh­men (14.04.14)

 Men­schen­rechts­ge­richts­hof ver­ur­teilt ita­lie­ni­sche Zurück­wei­sungs­po­li­tik nach Liby­en (23.02.12)