17.04.2014
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Fahrradfahren macht unabhängiger und mobiler. Bild: WochenKurier/Keil

Rechte Scharfmacher machen mobil gegen Flüchtlinge und Migrant_innen, "besorgte Bürger" protestieren gegen Unterkünfte für Asylsuchende. Aber vielerorts gibt es Menschen, die rassistische und rechtsextremistische Hetze bekämpfen und Flüchtlinge unterstützen. Lesen Sie Teil 5 unserer News-Serie über gelebte Willkommenskultur.

Der Ruhe­ständ­ler Jür­gen Gun­kel orga­ni­siert in Dres­den Sport­kur­se für Migran­tin­nen und zeigt damit, wie man sich vor Ort für ihre Inter­es­sen und Wün­sche enga­gie­ren kann. Gun­kel ist seit 2011 ehren­amt­lich in der Sport­för­de­rung für Kin­der und Jugend­li­che tätig. Sport bringt für ihn nicht nur Bewe­gung und Spaß, son­dern kann auch ganz wesent­lich zu gegen­sei­ti­ger Aner­ken­nung und zur Über­win­dung von Sprach­hemm­nis­sen bei­tra­gen. Er ist über­zeugt: „Nir­gend­wo ist Inte­gra­ti­on leich­ter zu begin­nen als beim Sport.“

Sein Wunsch, etwas in Dres­den zu bewe­gen, führ­te Gun­kel auch zum „Aus­län­der­rat Dres­den“. Hier stell­te sich in Gesprä­chen mit den Lei­te­rin­nen des „Frau­en­treffs“ her­aus, dass die migran­ti­schen Mäd­chen und Frau­en nicht nur nach Mög­lich­kei­ten such­ten, sich sport­lich zu betä­ti­gen, son­dern auch ein ganz geziel­tes Anlie­gen hat­ten: Sie woll­ten Fahr­rad­fah­ren ler­nen. Und Gun­kel fing an zu orga­ni­sie­ren, nach­zu­fra­gen und Kon­tak­te zu knüp­fen.

Fahr­rad­kurs für Frau­en

Das Ergeb­nis über­traf alle Erwar­tun­gen, denn es gelang, ganz ver­schie­de­ne Akteu­re der Stadt Dres­den in den Fahr­rad­kurs ein­zu­bin­den. Die Ver­kehrs­wacht stell­te das Übungs­ge­län­de, der Fach­dienst „Prä­ven­ti­on“ der Dresd­ner Poli­zei half bei der Theo­rie und der „Dol­met­scher­dienst Dres­den“ sorg­te für den Abbau von Sprach­bar­rie­ren. Und nicht nur das: Über Spen­den konn­te jeder Teil­neh­me­rin zum Abschluss der Kur­se ein Fahr­rad und ein Helm zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Auf die­sem Wege haben die Frau­en ein gan­zes Stück an Selbst­si­cher­heit und Mobi­li­tät gewon­nen. Sie nut­zen das Fahr­rad für die Wege zur Arbeit, zum Super­markt oder auch, um die Gegend ken­nen­zu­ler­nen.

Für den Erfolg der Fahr­rad­kur­se wur­de Jür­gen Gun­kel 2012 stell­ver­tre­tend mit dem Säch­si­schen Inte­gra­ti­ons­preis aus­ge­zeich­net. Und er ist wei­ter­hin enga­giert. Die Nach­fra­ge bei den Migran­tin­nen ist nach wie vor groß und in der Zwi­schen­zeit hat Gun­kel auch einen Schwimm­kurs für mus­li­mi­sche Frau­en auf den Weg gebracht. Ähn­lich wie bei den Fahr­rad­kur­sen eröff­nen sich ihnen dadurch neue Mög­lich­kei­ten, etwa die Teil­nah­me an den sport­li­chen Akti­vi­tä­ten ihrer Kin­der. Und auch Dres­den ver­än­dert sich: Durch die Sport­kur­se wer­den gera­de migran­ti­sche Frau­en im Stadt­bild sicht­ba­rer.

Für Men­schen, die sich auf ähn­li­che Wei­se enga­gie­ren wol­len, hat Gun­kel vor allem einen Tipp: „Am wich­tigs­ten ist es, zunächst bei den ört­li­chen Migrant/innenorganisationen das Inter­es­se und den Bedarf abzu­fra­gen.“

Kris­tin Wit­te

Den Text haben wir der von PRO ASYL und der Ama­deu-Anto­nio-Stif­tung gemein­sam her­aus­ge­ge­be­nen Bro­schü­re Refu­gees Wel­co­me – Gemein­sam Will­kom­mens­kul­tur gestal­ten ent­nom­men.  

Gemein­sam gegen Ras­sis­mus! 

PRO ASYL ruft dazu auf, ras­sis­ti­schen Vor­ur­tei­len ent­schie­den zu wider­spre­chen, Flücht­lin­ge will­kom­men zu hei­ßen und sich rech­ten Het­zern in den Weg zu stel­len.

Bit­te infor­mie­ren Sie sich unter fol­gen­den Links:

 Gemein­sam gegen Ras­sis­mus! (20.03.14)

 Will­kom­mens­kul­tur sel­ber machen! (05.03.14)

 Neue Bro­schü­re klärt über rech­te Het­ze auf (04.03.14)

 Neue Bro­schü­re: Fak­ten und Argu­men­te gegen Vor­ur­tei­le (04.03.14)