11.12.2017
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Jedes Jahr begleiten wir etliche verfolgte Menschen in ihren Asylverfahren. Das PRO ASYL-Team hat 2017 tausende Beratungsgespräche geführt, über 700 Flüchtlingen standen wir mit Mitteln aus dem Rechtshilfefonds zur Seite. Zum Beispiel Elnaz Ramahi*, die in Afghanistan wegen ihres Berufes massiv bedroht wurde.

Kabul, Afghanistan, 2010: Bei einem Granatenanschlag der Taliban auf ihr Wohnhaus wird die zweijährige Tochter von Elnaz Ramahi getötet. Der Verlust ihres kleinen Kindes ist der Anfang einer langen Reihe traumatischer Erlebnisse von Verfolgung und Gewalt, denen die junge Frau ausgesetzt ist. Zwei Jahre später stürmen die Taliban das Haus der Familie. Sie entführen den Ehemann und den Schwiegervater von Frau Ramahi.

Die Islamisten suchen nach dem Bruder des Ehemannes, der auf Seiten der Mudschaheddin kämpft. Sie wollen die beiden Männer zwingen, den Verwandten zu verraten. Nach mehreren Stunden kehren die Entführten nach Hause zurück – schwer verletzt. Zwei Tage später verliert Frau Ramahi im siebten Monat der Schwangerschaft ihr Kind. Daraufhin erkrankt sie psychisch.

»Ich lebte in ständiger Angst. Es war ein Alptraum«

Nach einer erneuten Schwangerschaft und Geburt einer Tochter sucht Elnaz Ramahi dringend eine Arbeit. Ihr inniger Wunsch, nach dem Abitur Jura zu studieren, war ihr aufgrund ihrer Heirat verwehrt worden. Mit Hilfe eines Onkels findet sie Ende 2014 schließlich eine Stelle als Lehrerin für Englisch und Mathematik – allerdings in einem Außenbezirk Kabuls, in dem viele Anhänger der Taliban wohnen. Ihren Arbeitsplatz erreicht sie nur unter dem Schutz des Onkels, der sie mit seinem Auto bringt und abholt.

Auf dem Weg zur Arbeit ist sie häufig massiven Drohungen und Beschimpfungen ausgesetzt: »Die Einwohner […] waren dagegen, dass ich als Frau unterrichte – besonders, dass ich auch noch Englisch unterrichte. Sie haben mich ständig als Ungläubige bezeichnet und mich auch als Hure beschimpft […] einerseits waren die Taliban gegen mich, auf der anderen Seite auch schon die einfache Bevölkerung.«

Elnaz Ramahi ist schwanger, als sie erfährt, dass sie mit ihrer Familie nach Afghanistan abgeschoben werden soll.

Nach nur einem Monat: Asylantrag abgelehnt

Die Bedrohung nimmt zu. Elnaz Ramahis Angst wird größer und größer. Eines Tages warten auf dem Weg zur Schule vermummte Personen, die sie unmissverständlich auffordern, nicht mehr als Lehrerin zu arbeiten. Tage später erhält sie zuhause einen Drohbrief: Sollte sie nicht aufhören zu unterrichten, würde man sie umbringen. Daraufhin entschließt sie sich zur Flucht.

November 2015: Frau Ramahi erreicht zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter Deutschland. Im Mai 2016 stellt sie einen Antrag auf Asyl, der bereits einen Monat später abgelehnt wird. Elnaz Ramahi ist schwanger, als sie erfährt, dass sie mit ihrer Familie nach Afghanistan abgeschoben werden soll.

Was wir tun

PRO ASYL unterstützt Frau Ramahi bei ihrer Klage gegen die Ablehnung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) – so wie viele andere Schutzsuchende. Die Menschen sind häufig verzweifelt, weil ihnen Behörden und Gerichte den dringend nötigen Schutz versagen. Fluchtgründe werden infrage gestellt, Berichte von Folter und Vergewaltigung werden ignoriert.

Um Schutzsuchenden wie Elnaz Ramahi zur Seite zu stehen, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen.

Immer wieder erleben wir, dass unsere Intervention eine Wende bewirkt: Verfahren enden mit unserer Unterstützung für die Betroffenen häufig erfolgreich. Möglich ist dies nur aufgrund der großzügigen Hilfe unserer Mitglieder, Spenderinnen und Spender. Bitte engagieren Sie sich deshalb zusammen mit uns: Um Schutzsuchenden wie Elnaz Ramahi zur Seite zu stehen, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen.

*Name geändert