26.01.2015
Image
Hetze und Gewalt gegen Flüchtlinge beschränken sich nicht auf Ostdeutschland. Die meisten Anschläge auf Unterkünfte ereigneten sich in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Sachsen und Bayern. Foto: flickr / (c) Andi Weiland, ohrenflimmern.de

Statistisch gesehen finden in Deutschland pro Woche fünf rassistische Kundgebungen oder Demonstrationen gegen Flüchtlinge statt. Zu Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte kommt es im Schnitt drei Mal pro Woche. Dies zeigt eine bundesweite Dokumentation der Amadeu Antonio Stiftung und PRO ASYL.

Eine Doku­men­ta­ti­on der Ama­deu Anto­nio Stif­tung und PRO ASYL illus­triert ein erschre­ckend hohes Maß an flücht­lings­feind­li­cher Het­ze und Gewalt: Im Jahr 2014 kam es in 153 Fäl­len zu Angrif­fen auf Flücht­lings­un­ter­künf­te und in 77 Fäl­len zu tät­li­chen Angrif­fen auf Flücht­lin­ge. In Fol­ge der vie­len Anschlä­ge und Über­grif­fe leben Flücht­lin­ge und Migran­ten in Deutsch­land vie­ler­orts in Angst.

Pegi­da ver­setzt Flücht­lin­ge in Sach­sen in Angst

Dies gilt ins­be­son­de­re für Sach­sen, wo es der Doku­men­ta­ti­on zufol­ge 2014 mit Abstand zu den meis­ten ras­sis­tisch moti­vier­ten Kör­per­ver­let­zun­gen gegen Flücht­lin­ge kam. Seit den Pegi­da-Demons­tra­tio­nen ist die Angst vor ras­sis­ti­schen Angrif­fen in Dres­den gestie­gen.

„Woche zu Woche wird es schlim­mer, die Atmo­sphä­re ist sehr ver­gif­tet und die Leu­te haben Angst. Mon­tag ist das Stadt­zen­trum fast zu einer No-Go-Area defi­niert wor­den und Mon­tags schi­cken vie­le ihre Kin­der nicht zur Schu­le. Und die Frau­en, die Kopf­tuch tra­gen, die trau­en sich nicht aus dem Haus“, sag­te Ali Mora­di vom Flücht­lings­rat Sach­sen im Deutsch­land­funk.

Kein Ost­deut­sches Phä­no­men: Meis­te Anschlä­ge in Nord­rhein-West­fa­len

Het­ze und Gewalt gegen Flücht­lin­ge beschrän­ken sich jedoch nicht auf Ost­deutsch­land. Die meis­ten Anschlä­ge auf Unter­künf­te ereig­ne­ten sich in Nord­rhein-West­fa­len, gefolgt von Sach­sen und Bay­ern.

Bun­des­weit doku­men­tier­ten die Ama­deu Anto­nio Stif­tung und PRO ASYL im Jahr 2014 ins­ge­samt 256 loka­le flücht­lings­feind­li­che Kund­ge­bun­gen oder Demons­tra­tio­nen. Dabei tre­ten häu­fig orga­ni­sier­te Rechts­ex­tre­me auf, gern unter dem Deck­man­tel „besorg­ter Bür­ger“. Für die Hetz­ver­an­stal­tun­gen wird meist über ent­spre­chen­de Face­book-Sei­ten mobi­li­siert, auf denen Asyl­su­chen­de als „Wirt­schafts­flücht­lin­ge“ und angeb­li­che Gefahr denun­ziert wer­den.

Flücht­lings­feindlick­eit ent­ge­gen tre­ten

Nicht immer sind die ras­sis­ti­schen Pro­tes­te wir­kungs­voll, oft fin­den sich weit mehr Gegen­de­mons­trie­ren­de ein als jene, die Flücht­lin­ge für eine Bedro­hung hal­ten, zehn­tau­sen­de set­zen wöchent­lich der Het­ze Argu­men­te ent­ge­gen und soli­da­ri­sie­ren sich mit den Flücht­lin­gen. Doch wenn sich vor Ort kaum jemand fin­det, der den ras­sis­ti­schen Vor­ur­tei­len öffent­lich wider­spricht, ent­steht schnell ein Kli­ma der Gewalt.

Die Stu­die “Die fra­gi­le Mit­te – Feind­se­li­ge Zustän­de. Rechts­ex­tre­me Ein­stel­lun­gen in Deutsch­land 2014″ der Fried­rich-Ebert-Stif­tung zeigt, dass es ein hohes Maß an Res­sen­ti­ments und grup­pen­be­zo­ge­ner Men­schen­feind­lich­keit gibt. So sehen ins­ge­samt 44 Pro­zent der Befrag­ten Asyl­be­wer­ber nega­tiv – in den neu­en Bun­des­län­dern sind es mit 53 Pro­zent sogar mehr als die Hälf­te

Ange­sichts die­ser bedroh­li­chen Ten­denz appel­lie­ren die Orga­ni­sa­tio­nen an die poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen und die Zivil­ge­sell­schaft, sich rech­ter Het­ze und ras­sis­ti­schen Vor­ur­tei­len ent­schie­den ent­ge­gen­zu­stel­len. Wenn flücht­lings­feind­li­che Res­sen­ti­ments nicht klar zurück­ge­wie­sen wer­den, bestärkt das ras­sis­ti­sche Gewalt­tä­ter in ihrem Tun.

Der „Chro­nik der Gewalt – Rech­te Het­ze gegen Flücht­lin­ge“ lie­gen Aus­wer­tun­gen von Medi­en­be­rich­ten, Aus­künf­te von loka­len Initia­ti­ven und von Ras­sis­mus betrof­fe­nen Per­so­nen, Zah­len des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes, Mit­tei­lun­gen von ört­li­chen Poli­zei­in­spek­tio­nen und Staats­an­walt­schaf­ten sowie Ergeb­nis­se par­la­men­ta­ri­scher Anfra­gen auf Bun­des- und Lan­des­ebe­ne zugrun­de.

Die Chro­nik kann hier ein­ge­se­hen wer­den »>

Ras­sis­ti­sche Gewalt gegen Flücht­lin­ge nimmt wei­ter zu (01.07.15)