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Am 21. April protestierten in Budapest Zehntausende gegen Viktor Orbán und seine Pläne. Foto: Reuters / Bernadett Szabo

Die ungarische Zivilgesellschaft steht massiv unter Druck. Mit Hetzkampagnen und restriktiven Gesetzespaketen versucht die Regierung Orbán die Arbeit von NGOs im Flüchtlingsbereich unterbinden. Das Ungarische Helsinki Komitee (HHC) stellt sich dieser zunehmenden Repression entgegen. Dafür zeichnet PRO ASYL sie nun mit dem Menschenrechtspreis aus.

Durch die mas­si­ven Asyl­rechts­ver­schär­fun­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re schafft der unga­ri­sche Minis­ter­prä­si­dent Vik­tor Orbán das Asyl­recht fak­tisch ab. Der Zugang zum Asyl­ver­fah­ren wird in Ungarn sys­te­ma­tisch ver­hin­dert: In den zwei »Tran­sit­zo­nen« an der unga­risch-ser­bi­schen Gren­ze wird maxi­mal zehn Asyl­su­chen­den pro Woche Ein­lass gewährt. Es gibt unzäh­li­ge Fäl­le von Push-Backs nach Ser­bi­en. Asyl­su­chen­de wer­den inhaf­tiert und haben nur ver­schwin­dend gerin­ge Chan­cen, Schutz zu bekom­men.

Arbeit von Menschen- & Bürgerrechtsorganisationen existentiell bedroht

Auch die Situa­ti­on inner­halb Ungarns wird für Geflüch­te­te und ihre Unter­stüt­zer immer fata­ler. Mit anti­se­mi­ti­scher Het­ze und dem soge­nann­ten »Stop-Soros«-Gesetz soll zivil­ge­sell­schaft­li­ches Enga­ge­ment kri­mi­na­li­siert wer­den. Eine Bera­tung des Geset­zes im unga­ri­schen Par­la­ment steht unmit­tel­bar bevor. Wenn die Plä­ne Wirk­lich­keit wer­den, wäre die Arbeit von Men­schen- und Bür­ger­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen exis­ten­ti­ell bedroht. Auch das Unga­ri­sche Hel­sin­ki Komi­tee (Hun­ga­ri­an Hel­sin­ki Com­mit­tee, HHC), das sich mit sei­ner Arbeit ent­schie­den gegen die Unter­drü­ckung durch Orbáns Regie­rung wehrt, wäre betrof­fen.

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Már­ta Par­da­vi und András Kádár vom Hun­ga­ri­an Hel­sin­ki Com­mit­tee. Fotos: HHC

Auszeichnung für die HHC-Vorsitzenden

Um die­se wich­ti­ge Arbeit in schwe­ren Zei­ten zu unter­stüt­zen, zeich­net die Stif­tung PRO ASYL in die­sem Jahr die bei­den Vor­sit­zen­den des HHC, Már­ta Par­da­vi und András Kádár, mit ihrem Men­schen­rechts­preis aus.

»Stel­len Sie sich der Orba­ni­sie­rung Euro­pas ent­ge­gen. Men­schen-, Bür­ger- und Flücht­lings­rech­te müs­sen wei­ter gel­ten, kri­ti­sche Stim­men dür­fen nicht zum Schwei­gen gebracht wer­den!«

Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL, appel­liert an die Uni­on

Die­se Aus­zeich­nung setzt ein sicht­ba­res Signal: Menschenrechtsverteidiger*innen in Ungarn brau­chen die Soli­da­ri­tät ande­rer euro­päi­scher Län­der. Auch die deut­sche Regie­rung darf nicht wei­ter taten­los zuse­hen, wie euro­päi­sche Wer­te in Ungarn unter­gra­ben wer­den. Orbán muss ent­schie­de­nen Wider­spruch aus der Euro­päi­schen Volks­par­tei (EVP), dem Zusam­men­schluss kon­ser­va­ti­ver und christ­de­mo­kra­ti­scher Par­tei­en in Euro­pa, in dem auch CDU und CSU Mit­glied sind, bekom­men.

Unabhängige Rechtsberatung für tausende Asylsuchende

Das Hun­ga­ri­an Hel­sin­ki Com­mit­tee ist eine der wich­tigs­ten Bür­ger­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen, die sich in Ungarn für Flücht­lings- und Men­schen­rech­te, sowie für rechts­staat­li­che Struk­tu­ren ein­set­zen. Das HHC bie­tet unter ande­rem als ein­zi­ge Orga­ni­sa­ti­on in Ungarn tau­sen­den Asyl­su­chen­den eine unab­hän­gi­ge, kos­ten­lo­se Rechts­be­ra­tung, vor allem in Sam­mel­un­ter­künf­ten und den »Tran­sit­zo­nen«, an und unter­stützt Kla­gen vor dem Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te (EGMR).

Der Preis der Stif­tung PRO ASYL ist mit 5.000€ dotiert. Die Preis­ver­lei­hung fin­det am 8. Sep­tem­ber in Frank­furt am Main statt.

(akr / tz)