20.01.2014
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Spuren von Handfesselungen. Bild: PRO ASYL

Dies gab die griechische Regierung bekannt. Die von PRO ASYL dokumentierten völkerrechtswidrigen Zurückweisungen von Flüchtlingen an den griechisch-türkischen Land- und Seegrenzen durch die griechische Küstenwache waren international scharf kritisiert worden.

Nun zei­gen der PRO-ASYL-Bericht „Pushed Back“ und die Berich­te ande­rer Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen über die schwe­ren Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen gegen Flücht­lin­ge und Ver­let­zun­gen des Völ­ker­rechts in der Ägais und im Evros-Gebiet offen­bar Wir­kung. Im Dezem­ber 2013 hat­te der Men­schen­rechts­kom­mis­sar des Euro­pa­rats, Nils Muiž­nieks, die grie­chi­sche Regie­rung schrift­lich dazu auf­ge­for­dert, alle doku­men­tier­ten Push-Back-Ope­ra­tio­nen  gründ­lich zu unter­su­chen.

„Ange­mes­se­ne“ Straf- und Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men 

Am 10. Janu­ar ant­wor­te­te der grie­chi­sche  Minis­ter für öffent­li­che Ord­nung und Bür­ger­schutz, Nikos Den­di­as, dass jeder Fall sorg­fäl­tig durch die grie­chi­sche Poli­zei und nöti­gen­falls durch die Jus­tiz­be­hör­den unter­sucht wür­de. Zudem kün­dig­te der Minis­ter ange­mes­se­ne Straf- und Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men, sofern bei Abschluss der lau­fen­den Ermitt­lun­gen sub­stan­ti­el­le Bewei­se gefun­den wür­den. Die Ant­wort der grie­chi­schen Regie­rung, die auch ein Schrei­ben des grie­chi­schen Minis­ters für Han­dels­schiff­fahrt an Muiž­nieks beinhal­tet, hat­te der Men­schen­rechts­kom­mis­sar des Euro­pa­ra­tes am 14. Janu­ar ver­öf­fent­licht.

PRO ASYL hat­te die sys­te­ma­ti­schen Push-Back-Ope­ra­tio­nen durch die grie­chi­sche Küs­ten­wa­che und Fron­tex im Novem­ber 2013 im Bericht „Pushed-Back“ doku­men­tiert. Dem­nach sind min­des­tens 2000 Flücht­lin­ge Opfer von Push-Backs gewor­den. Aus den Inter­views mit Betrof­fe­nen geht her­vor, dass Spe­zi­al­kräf­te der grie­chi­schen Küs­ten­wa­che Flücht­lin­ge unter schwers­ten Miss­hand­lun­gen ver­haf­ten und auf grie­chi­schem Ter­ri­to­ri­um fest­hal­ten, ohne sie zu regis­trie­ren, um sie schließ­lich auf offe­nem Meer in tür­ki­schen Gewäs­sern aus­zu­set­zen. Unter den Betrof­fe­nen sind auch Bür­ger­kriegs­flücht­lin­ge aus Syri­en.

Euro­päi­sche Mit­ver­ant­wor­tung für ille­ga­le Push-Backs

Da die von PRO ASYL doku­men­tier­ten Push-Backs im Ope­ra­ti­ons­ge­biet der euro­päi­schen Grenz­schutz­agen­tur Fron­tex durch­ge­führt wur­den, stellt sich die Fra­ge nach der euro­päi­schen Mit­ver­ant­wor­tung für die völ­ker­rechts­wid­ri­gen Zurück­wei­sun­gen von Flücht­lin­gen.   

Am 25. Novem­ber hat­te ein grie­chi­sches Mari­ne­ge­richt zwei Beam­te der grie­chi­schen Küs­ten­wa­che wegen Fol­te­run­gen an einem Asyl­su­chen­den ver­ur­teilt. Den Fall hat­te PRO ASYL im Jahr 2007 im Bericht  The truth may be bit­ter, but it must be told doku­men­tiert.

Kurz­be­richt: Pushed Back – Sys­te­ma­ti­sche Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen an den grie­chi­schen See- und Land­gren­zen

Aus­führ­li­cher Bericht (engl.): Pushed Back – sys­te­ma­tic human rights vio­la­ti­ons against refu­gees in the aege­an sea and the greek-tur­kish land bor­der

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