14.11.2011
Image
Demonstration für soziale Recht von Roma in Paris. Foto: flickr / philippe leroyer (Lizenz <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/deed.de">CC-BY-NC-ND.0</a>).jpg

Ein Bericht des Europarates verurteilt Frankreich für die Sammelabschiebungen von Roma nach Rumänien und Bulgarien.

Im Som­mer 2010 hat­te Frank­reichs Prä­si­dent Nico­las Sar­ko­zy der „Kri­mi­na­li­tät den Krieg“ erklärt. Im Zuge des­sen ließ er Roma-Sied­lun­gen in Frank­reich zer­stö­ren und die Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner nach Bul­ga­ri­en und Rumä­ni­en abschie­ben. Die popu­lis­ti­sche Maß­nah­me bedien­te ras­sis­ti­sche Ste­reo­ty­pe gegen Roma, sie ver­wei­ger­te den bul­ga­ri­schen und rumä­ni­schen Roma, die schließ­lich EU-Bür­ger sind, auf­grund ihrer Zuge­hö­rig­keit zu einer ohne­hin der­zeit bei­spiel­los dis­kri­mi­nier­ten Min­der­heit das Recht auf Frei­zü­gig­keit und setz­te die Abge­scho­be­nen oft auch unwür­di­gen Lebens­be­din­gun­gen aus.

Dar­über wur­de nun auf Initia­ti­ve des Minis­ter­ko­mi­tees am Don­ners­tag im Euro­pa­rat ein Bericht des Aus­schus­ses für Sozia­le Rech­te ver­öf­fent­licht, der über die Ein­hal­tung der Euro­päi­schen Sozi­al­char­ta wacht. Der Bericht kommt zum Schluss, dass die Zwangs­räu­mun­gen der Roma-Sied­lun­gen und die Zwangs­ab­schie­bun­gen nach Rumä­ni­en und Bul­ga­ri­en ins­be­son­de­re Arti­kel E der Char­ta ver­let­zen, der ein Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot ent­hält, sowie Arti­kel 31, der Wohn­rech­te betrifft. Ins­ge­samt wer­tet der Bericht die Zwangs­räu­mun­gen und Abschie­bun­gen als „schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zung“.

Allein im Jahr 2010 wur­den rund 9.500 Roma aus Frank­reich abge­scho­ben – in den ers­ten drei Mona­ten die­ses Jah­res kamen nach Infor­ma­tio­nen von AFP 4.700 Abge­scho­be­ne hin­zu. Schon im Som­mer 2010 hat­te die EU-Kom­mis­si­on und ins­be­son­de­re die Rechts­kom­mis­sa­rin Vivia­ne Reding die fran­zö­si­sche Abschie­be­pra­xis kri­ti­siert, doch schließ­lich ver­zich­te­te die EU-Kom­mis­si­on dar­auf, das Vor­ge­hen Frank­reichs zu sank­tio­nie­ren.

Frank­reich hat­te stets damit argu­men­tiert, die Abschie­bun­gen sei­en „frei­wil­lig“ erfolgt – de fac­to wur­den die Betrof­fe­nen oft vor die Wahl gestellt, ent­we­der sofort ihrer Aus­rei­se zuzu­stim­men oder der Zer­stö­rung ihres Hab und Guts zuzu­se­hen und danach obdach­los auf der Stra­ße zu sit­zen. Der Euro­pa­rat stell­te nun fest, dass von Frei­wil­lig­keit kei­ne Rede sein kön­ne: „Die soge­nann­te frei­wil­li­ge Rück­kehr waren in Wirk­lich­keit getarn­te Zwangs­rück­füh­run­gen in Form kol­lek­ti­ver Abschie­bun­gen.“

Bericht von AFP (engl.)

Bericht von Alja­ze­e­ra (engl.)

Bericht von „Die Pres­se“ (dt.)

 Miss­brauchs­de­bat­te schürt Ras­sis­mus (15.10.12)

 Wie die EU Bei­tritts­kan­di­da­ten zur Men­schen­rechts­ver­let­zung drängt (23.11.11)