04.04.2018
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Sicherheit sucht man in Afghanistan vergebens - in fast allen Provinzen kommt es zu Kämpfen und Vertreibungen. Dieses Bild zeigt eine Szene aus der Region Helmand. Foto: Flickr / DVIDSHUB / cc-by-2.0

Das Europäische Unterstützungsbüros für Asylfragen (European Asylum Support Office, EASO) hat Erkenntnisse aus verschiedensten Quellen zusammengestellt. Der Bericht liefert vor allem ausführliche Informationen zur Situation in allen Provinzen Afghanistans. Wir haben das englische Original aus dem Dezember 2017 übersetzt.

»Die Zahl der Sicher­heits­vor­fäl­le hat sich im Zeit­raum 2008 – 2017 mehr als ver­fünf­facht«: Die­ser Satz aus dem EASO-Bericht (eng­li­sches Ori­gi­nal; deut­sche Über­set­zung) ver­deut­licht die Lage im Land. Die­ser Kon­flikt ist dabei, so EASO, »nicht so vor­der­grün­dig wie in Syri­en«, 2017 star­ben den­noch fast 3.500 Zivi­lis­ten bei Aus­ein­an­der­set­zun­gen und Anschlä­gen, wei­te­re 7.000 wur­den ver­letzt. Vor allem die Haupt­stadt Kabul, mit 290 pro­to­kol­lier­ten Sicher­heits­vor­fäl­len von Sep­tem­ber 2016 bis Mai 2017, wird dabei zu einem Haupt­ziel für Anschlä­ge.

Der Krieg ist nicht das einzige Problem

Dazu stellt EASO fest, dass rund 10 Mil­lio­nen Men­schen in Afgha­ni­stan »begrenz­ten oder kei­nen Zugang zur grund­le­gen­den Gesund­heits­ver­sor­gung« haben; 3,5 Mil­lio­nen Kin­der die Schu­le nicht besu­chen und fast 2 Mil­lio­nen Afghan*innen »stark mit Ernäh­rungs­un­si­cher­heit« kon­fron­tiert sind.

In fast allen Pro­vin­zen (30 von 34) kam es im ver­gan­ge­nen Jahr zu Ver­trei­bun­gen, min­des­tens 360.000 neue Bin­nen­ver­trie­be­ne wur­den regis­triert. Gesamt­zah­len dazu fin­den sich kaum noch, es dürf­ten aber mitt­ler­wei­le auf­grund der vola­ti­len Lage deut­lich über 2 Mil­lio­nen Men­schen betrof­fen sein, denn auch 2018 ist bereits die Rede von über 50.000 wei­te­ren Bin­nen­flücht­lin­gen. Und in die­se Situa­ti­on hin­ein keh­ren nun zuneh­mend wei­te­re Afghan*innen (zumeist zwangs­wei­se) zurück – aus Paki­stan, dem Iran und Euro­pa.

»Im Juli 2017 schätz­te IOM, dass 73.850 Rück­keh­rer in Zel­ten oder in den Boden gegra­be­nen Löcher leb­ten, die mit Pla­nen abge­deckt waren. Vie­le ande­re leben in halb zer­stör­ten und ver­las­se­nen Häu­sern.«

EASO-Bericht

Wo sind die sicheren Gebiete?

Mehr als ein Vier­tel des Lan­des wird von UNOCHA als »stark von Kon­flik­ten betrof­fen« klas­si­fi­ziert, die zivi­len Opfer­zah­len sind ledig­lich in der Regi­on »Cen­tral High­lands« gering. Bloß: Die Stra­ßen in die­se Regi­on sind »beson­ders unsi­cher«, wie EASO beschreibt. Die Regi­on ist daher recht iso­liert und gehört auch des­halb zu den »am stärks­ten unter­ver­sorg­ten und unter­ent­wi­ckel­ten Regio­nen des Lan­des«.

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Ergeb­nis­se einer BBC-Recher­che: In allen Lan­des­tei­len droht Gefahr. Je dunk­ler, des­to höher ist die Dich­te der Tali­ban-Atta­cken. Gra­fik: BBC

Allein das zeigt bereits, wie zwei­fel­haft es ist, wenn die Bun­des­re­gie­rung bestimm­te Gebie­te des Lan­des pau­schal als »sicher« und als »inlän­di­sche Flucht­al­ter­na­ti­ve« bezeich­net. Der EASO-Bericht lie­fert aber nun zu allen 34 Pro­vin­zen sowie dem Bereich Kabul-Stadt eine eige­ne Auf­lis­tung von Sicher­heits­vor­fäl­len und Ein­ord­nun­gen. Gera­de für Rechtsanwält*innen und Berater*innen, die mit Ein­zel­fäl­len betraut sind, emp­fiehlt sich ein Blick in die­sen detail­lier­ten Teil des Berich­tes!

(mk)