09.01.2012
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Mehrere Demonstrierende wurden von der Polizei verletzt, einer von ihnen musste bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Bei der Gedenkdemonstration zum Tod von Oury Jalloh, der 2005 in einer Dessauer Polizeizelle an Händen und Füssen gefesselt verbrannte, wurden mehrere Menschen teils schwer verletzt.

Am Sams­tag, den 7. Janu­ar demons­trier­ten in Des­sau rund 300 Men­schen, um an den Tod von Oury Jal­loh zu erin­nern und die Auf­klä­rung sei­ner Todes­um­stän­de zu for­dern. Nach Berich­ten der Liga für Men­schen­rech­te, The Voice und der Initia­ti­ve in Geden­ken an Oury Jal­loh wur­den dabei meh­re­re Men­schen durch Poli­zei­ge­walt ver­letzt: Mouc­tar Bah, Grün­der der Initia­ti­ve in Geden­ken an Oury Jal­loh, wur­de meh­re­ren Berich­ten zufol­ge mehr­fach von der Poli­zei geschla­gen, wor­auf­hin er bewusst­los ins Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert wer­den muss­te. Auch ande­re Demons­tran­tin­nen und Demons­tran­ten wur­den durch Pfef­fer­spray und Schlä­ge von Poli­zis­ten ver­letzt.

Nach Anga­ben der Liga für Men­schen­rech­te hat­te die Poli­zei Mouc­tar Bah schon im Vor­feld der Demons­tra­ti­on in sei­nem Laden auf­ge­sucht, um ihm mit­zu­tei­len, dass Slo­gans und Trans­pa­ren­te mit der Auf­schrift „Oury Jal­loh – das war Mord“ auf der Demons­tra­ti­on nicht gestat­tet sein wür­den. Bei Zuwi­der­hand­lung wur­de ihm mit Straf­ver­fol­gung gedroht. Bei den Demons­tra­tio­nen der ver­gan­ge­nen Jah­re habe es sei­tens der Poli­zei kei­ne ver­gleich­ba­ren Bean­stan­dun­gen gege­ben. Auch in den schrift­li­chen Demons­tra­ti­ons­auf­la­gen sei von einem Ver­bot die­ser Paro­le kei­ne Rede. 

Dies zeigt, dass die Poli­zei offen­sicht­lich einen Vor­wand gesucht hat, um Mouc­tar Bah ein­zu­schüch­tern und die Demons­tra­ti­on zu kri­mi­na­li­sie­ren. Mit dem Grund­recht auf Mei­nungs- und Ver­samm­lungs­frei­heit ist dies nicht zu ver­ein­ba­ren.

Den­noch war der Slo­gan, den die Poli­zei nach Aus­künf­ten der Poli­zei Des­sau als „üble Nach­re­de“ wer­tet, der Poli­zei auf der Demons­tra­ti­on am Sams­tag dann offen­bar Anlass genug, um Mouc­tar Bah ins Kran­ken­haus zu prü­geln und auch die zwei ande­ren Vor­stands­mit­glie­der der Initia­ti­ve in Geden­ken an Oury Jal­loh zu ver­let­zen. Zuvor hat­te die Poli­zei die Betrof­fe­nen im Des­sau­er Haupt­bahn­hof einer Per­so­nen­kon­trol­le unter­zo­gen.

Man soll­te mei­nen, dass die Poli­zei ange­sichts des Anlie­gens, dem in einer Des­sau­er Poli­zei­zel­le auf grau­en­vol­le Wei­se gestor­be­nen Oury Jal­loh zu geden­ken, den Demons­trie­ren­den sen­si­bel und zurück­hal­tend begeg­nen soll­te. Doch statt­des­sen scheint sich die Poli­zei Des­sau offen­bar im Sin­ne des poli­zei­li­chen Korps­geis­tes dazu gemü­ßigt gese­hen zu haben, ihnen mit exzes­si­ver Gewalt zu begeg­nen.

Inzwi­schen kün­dig­te Innen­mi­nis­ter Uwe Stahl­knecht „lücken­lo­se Auf­klä­rung“ über die Vor­fäl­le vom Sams­tag an. Doch selbst wenn die Ver­ant­wort­li­chen ermit­telt und bestraft wer­den soll­ten, blie­be die  Poli­zei­ge­walt bei der Gedenk­de­mons­tra­ti­on für Oury Jal­loh ein wei­te­rer Skan­dal bei der Des­sau­er Poli­zei.

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