29.01.2013
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2011, Somalia: Extreme Dürre und die dadurch bedingte Hungersnot treiben Hunderttausende Menschen in Flüchtlingslager bei Mogadishu. Foto: Christoph Püschner/Brot für die Welt

Die durch den Klimawandel ausgelöste Migration wird in kommenden Jahrzehnten für alle Staaten eine riesige Herausforderung darstellen. Sieben Nichtregierungsorganisationen skizzieren diese Herausforderung nun in einem gemeinsamen Bericht. Sie fordern eine solidarische Klimamigrationspolitik.

Schon heu­te zwingt der Kima­wan­del Men­schen dazu, ihre bis­he­ri­ge Lebens­grund­la­ge auf­zu­ge­ben. Die pazi­fi­schen Insel­staa­ten und ande­re Staa­ten, deren Ter­ri­to­ri­um sich kaum über den Mee­res­spie­gel erhebt, ver­lie­ren infol­ge des Mee­res­spie­gel­an­stiegs Tag für Tag Land. Allein die­ser Pro­zess gefähr­det die Exis­tenz meh­re­rer hun­dert Mil­lio­nen Men­schen. Durch das Tau­en des Per­ma­frost­bo­dens im ark­ti­schen Nor­den droht die Sied­lungs­ge­schich­te gan­zer Regio­nen in Kür­ze zu Ende zu gehen. Mit mil­lio­nen­fa­cher Bin­nen­wan­de­rung aus kli­ma­be­ding­ten Grün­den, Umsied­lungs­pro­jek­ten und grenz­über­schrei­ten­der Flucht befin­det sich die Welt mit­ten in einem Pro­zess, der die nächs­ten Jahr­zehn­te prä­gen wird.

Die Ergeb­nis­se der letz­ten Kli­ma­kon­fe­ren­zen sind ernüch­ternd. Allein für eine wirk­sa­me Fol­gen­be­gren­zung des Kli­ma­wan­dels bleibt nur noch wenig Zeit. Umso drin­gen­der ist eine Dis­kus­si­on über den Schutz jener Men­schen, die vor den Fol­gen des Kli­ma­wan­dels flie­hen wer­den müs­sen. PRO ASYL, amnes­ty inter­na­tio­nal, Brot für die Welt, Die Deut­sche Gesell­schaft für die Ver­ein­ten Natio­nen (DGVN), Ger­man­watch, med­ico inter­na­tio­nal und Oxfam legen in einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Papier eine Beschrei­bung der zu lösen­den Auf­ga­ben dar und for­dern die Ent­wick­lung einer soli­da­ri­schen Kli­ma­mi­gra­ti­ons­po­li­tik.

„Es geht um nicht weni­ger, als die inter­na­tio­na­le Staa­ten­ge­mein­schaft dahin zu bewe­gen, im Umgang mit dem Phä­no­men Kli­ma­flucht soli­da­ri­sche Maß­nah­men im Sin­ne der Betrof­fe­nen  zu ent­wi­ckeln“, so die Autoren des Papiers. Doch bis­lang besteht für den größ­ten Teil der durch den Kli­ma­wan­del ver­trie­be­nen Men­schen kein juris­ti­sches Schutz­in­stru­ment. Es fehlt ein Kon­sens über eine Defi­ni­ti­on von Kli­ma­flucht, die die Basis für einen mög­li­chen Rechts­sta­tus der Betrof­fe­nen sein könn­te.

Die Indus­trie­staa­ten, die die Haupt­ver­ant­wor­tung für den Kli­ma­wan­del tra­gen, sehen das Pro­blem der Kli­ma­flücht­lin­ge vor­ran­gig als Bedro­hungs­sze­na­rio. Doch die Idee, man kön­ne Men­schen, die den Fol­gen des Kli­ma­wan­dels aus­wei­chen müs­sen, durch eine schär­fe­re Über­wa­chung der Außen­gren­zen auf­hal­ten, ist illu­so­risch.

Die Orga­ni­sa­tio­nen for­dern des­halb die EU auf, sich der Ver­ant­wor­tung gegen­über kli­ma­be­ding­ter Flucht und Migra­ti­on auf drei Ebe­nen zu stel­len: Durch einen ambi­tio­nier­ten Kli­ma­schutz und die Unter­stüt­zung von Anpas­sungs­maß­nah­men welt­weit; durch migra­ti­ons­po­li­ti­sche Mecha­nis­men und inter­na­tio­na­le Instru­men­te, die die Ille­ga­li­sie­rung und Kri­mi­na­li­sie­rung von Men­schen ver­hin­dern, die auf­grund von Kli­ma­wan­del­fol­gen migrie­ren bzw. flüch­ten müs­sen; durch Refor­men der inter­na­tio­na­len Han­dels­be­zie­hun­gen und der EU-Agrar-Sub­ven­tio­nie­rung, denn der Kli­ma­wan­del ver­stärkt die hier­aus resul­tie­ren­den struk­tu­rel­len Ungleich­hei­ten.

Im Sin­ne einer soli­da­ri­schen Kli­ma­mi­gra­ti­ons­po­li­tik bedarf es drin­gend eine Dis­kus­sio­nen über hand­hab­ba­re Defi­ni­tio­nen der „kli­ma­be­ding­ten Migra­ti­on“ und der „Kli­ma­flücht­lin­ge“. Auch die Bun­des­re­gie­rung ist auf­ge­for­dert, sich im Rah­men der EU mit Vor­schlä­gen für ein nor­ma­ti­ves inter­na­tio­na­les Regel­werk für kli­ma­be­ding­te Flucht und Migra­ti­on zu betei­li­gen.

Zum Bericht „Auf der Flucht vor dem Kli­ma“ (PDF)

Druck­ver­si­on bestel­len

 Tagung: Flucht und Migra­ti­on durch Kli­ma­wan­del (07.09.10)

 Kli­ma­wan­del schafft Kli­ma­flücht­lin­ge (18.12.09)