14.04.2014

Die bun­des­wei­te Arbeits­ge­mein­schaft PRO ASYL for­dert eine grund­le­gen­de Reform der Euro­päi­schen Zustän­dig­keits­ver­ord­nung Dub­lin III. „Die Auf­nah­me der aus See­not geret­te­ten Flücht­lin­ge ist nicht allein Auf­ga­be Ita­li­ens“, sag­te Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL.

PRO ASYL appel­liert an die Bun­des­re­gie­rung und an die ande­ren euro­päi­schen Staa­ten, Flücht­lin­ge aus den Grenz­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on wie Ita­li­en auf­zu­neh­men. PRO ASYL for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf, Flücht­lin­ge aus Ita­li­en zu über­neh­men, ins­be­son­de­re wenn Anknüp­fungs­punk­te in Deutsch­land bestehen. Zahl­rei­che Syre­rin­nen und Syrer ver­su­chen über Ita­li­en nach Deutsch­land zu ihren Ver­wand­ten zu kom­men.

Die For­de­rung des AfD-Spre­chers Lucke, ille­gal ein­ge­reis­te Flücht­lin­ge in ein „siche­res afri­ka­ni­sches Land zu brin­gen“, ist nach Auf­fas­sung von PRO ASYL absurd. Lucke stellt sich damit außer­halb der Grund­rech­te und der Men­schen­rech­te und for­dert zum Bruch der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on auf. „Wer so redet, will eine ande­re Gesell­schaft, die nicht mehr auf den Men­schen­rech­ten basiert“, sag­te Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL. Nie­mand dür­fe in eine Situa­ti­on zurück­ge­scho­ben wer­den, in der ihm Gefahr für Leib und Leben dro­he. Des­halb müss­ten die auf dem Meer auf­ge­grif­fe­nen Flücht­lin­ge nach Euro­pa gebracht und ihre Schutz­be­dürf­tig­keit hier geprüft wer­den.

PRO ASYL ver­ur­teilt die Äuße­rung des CSU-Gene­ral­se­kre­tärs Scheu­er, das The­ma Asyl­po­li­tik im Euro­pa­wahl­kampf nach vor­ne zu stel­len. Dies sei Was­ser auf die Müh­len der Rechts­po­pu­lis­ten, sag­te Burk­hardt. Scheu­er hat­te for­mu­liert, wer in Ita­li­en lan­de, wol­le Asyl in Deutsch­land. „Wir kön­nen nicht das Leid der gan­zen Welt auf unse­ren Schul­tern tra­gen“. Nach Auf­fas­sung von PRO ASYL ist die­se Pole­mik jen­seits der Rea­li­tät. Über 80 Pro­zent der Flücht­lin­ge welt­weit leben in Ent­wick­lungs­län­dern. Die über 2,5 Mil­lio­nen Flücht­lin­ge aus Syri­en hal­ten sich in den Nach­bar­staa­ten auf. In Deutsch­land sind zwi­schen Anfang 2011 und Ende 2013 ledig­lich rund 30.000 Asyl­su­chen­de aus Syri­en ange­kom­men.

PRO ASYL erin­nert den CSU-Gene­ral­se­kre­tär an den Koali­ti­ons­ver­trag: Dar­in hat­te die Bun­des­re­gie­rung for­mu­liert: „Die Län­der an den Außen­gren­zen der EU sind mit einer gro­ßen Zahl von Flücht­lin­gen kon­fron­tiert. Bei der EU-Flücht­lings­po­li­tik for­dern wir mehr Soli­da­ri­tät unter den EU-Mit­glied­staa­ten… Der Grund­satz der Nicht-Zurück­wei­sung und die Pflicht zur See­not­ret­tung müs­sen umfas­send geach­tet wer­den.“ (S. 109)

Die Mehr­zahl der in Ita­li­en ankom­men­den Flücht­lin­ge sind nach Anga­ben von UNHCR Syrer (11.300 von ca. 43.000 2013). PRO ASYL weist dar­auf hin, dass die Schlie­ßung der bul­ga­risch-tür­ki­schen und der grie­chisch-tür­ki­schen Gren­zen zu einer Ver­la­ge­rung der Flucht­rou­ten geführt hat.

Nach Bul­ga­ri­en kamen im Herbst 2013 mehr als 8000 Flücht­lin­ge über die tür­kisch-bul­ga­ri­sche Gren­ze. Im Janu­ar und Febru­ar 2014 fiel die­se Zahl dras­tisch auf 139 bzw. 124 Flücht­lin­ge.

Die grie­chisch-tür­ki­sche Land­gren­ze konn­ten im Jahr 2011 noch 55.000 Flücht­lin­ge über­schrei­ten, 2012 waren es 30.438. Im Jahr 2013 waren es ledig­lich 1122 Schutz­su­chen­de. Im Jahr 2013 erreich­ten 10.995 Schutz­su­chen­de die grie­chi­schen Inseln. Die dort sys­te­ma­tisch durch­ge­führ­ten Push-Back-Aktio­nen und die völ­ker­rechts­wid­ri­ge Zurück­wei­sung von Flücht­lin­gen aus Syri­en, Afgha­ni­stan, Soma­lia und Eri­trea führ­te dazu, dass nun Schutz­su­chen­de ver­mehrt den Weg über das zen­tra­le Mit­tel­meer wäh­len und in Ita­li­en ankom­men.

Memo­ran­dum: Flücht­lings­auf­nah­me in der Euro­päi­schen Uni­on – Für ein gerech­tes und soli­da­ri­sches Sys­tem der Ver­ant­wort­lich­keit

UNHCR zur Situa­ti­on der Boots­flücht­lin­ge im Mit­tel­meer

 Ankünf­te in Ita­li­en: Deutsch­land muss Flücht­lin­ge auf­neh­men (14.04.14)

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