08.06.2012

Anläss­lich der Fuß­ball-Euro­pa­meis­ter­schaft in der Ukrai­ne wird die dor­ti­ge Men­schen­rechts­la­ge in der euro­päi­schen Öffent­lich­keit laut­stark kri­ti­siert – ins­be­son­de­re die Inhaf­tie­rung von Julia Timo­schen­ko. Kaum beach­tet wur­de hin­ge­gen, dass die Ukrai­ne die Men­schen­rech­te von Flücht­lin­gen mas­siv ver­letzt – und dass dies in Koope­ra­ti­on mit der Euro­päi­schen Uni­on geschieht.

In der Ukrai­ne wer­den Flücht­lin­ge will­kür­lich inhaf­tiert, miss­han­delt und durch ein Sys­tem all­um­fas­sen­der Kor­rup­ti­on aus­ge­beu­tet. PRO ASYL kri­ti­siert, dass die EU die­sem „Asyl­sys­tem“ durch Koope­ra­ti­on und finan­zi­el­le För­de­rung zuar­bei­tet. Die erschre­cken­den Zustän­de hat PRO ASYL in Koope­ra­ti­on mit dem Bor­der Moni­to­ring Pro­ject Ukrai­ne (BMPU) in einem Bericht umfas­send doku­men­tiert. 

Die Ukrai­ne dient den EU-Staa­ten als eine Art „Puf­fer­zo­ne“, um Flücht­lin­ge bereits außer­halb des Schen­gen­raums auf­zu­hal­ten. Im Gegen­zug hier­für erhielt die Ukrai­ne Visa-Erleich­te­run­gen für ihre eige­nen Staats­bür­ger. Die EU unter­stützt die Ukrai­ne bei der tech­ni­schen Auf­rüs­tung ihrer Grenz­schutz­trup­pen und för­der­te den Auf­bau von zwei Gefäng­nis­sen für irre­gu­lä­re Migran­ten. In die­sen kam es Anfang des Jah­res zu einem mehr­wö­chi­gen Hun­ger­streik von knapp 80 soma­li­schen Flücht­lin­gen.

Laut Amnes­ty Inter­na­tio­nal wur­den die Hun­ger­strei­ken­den Ende Janu­ar von bewaff­ne­ten Spe­zi­al­ein­hei­ten kör­per­lich miss­han­delt und teil­wei­se zum Essen gezwun­gen. Der UNHCR spricht hin­sicht­lich der Inhaf­tie­rung soma­li­scher Flücht­lin­ge von einer Ver­let­zung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on. 

Trotz der kata­stro­pha­len Situa­ti­on in der Ukrai­ne wird Flücht­lin­gen vor allem an der unga­ri­schen Ost- und damit EU-Außen­gren­ze regel­mä­ßig der Zugang zum Asyl­ver­fah­ren ver­wei­gert. Es lie­gen Fäl­le unbe­glei­te­ter Min­der­jäh­ri­ge vor, die inner­halb weni­ger Stun­den in die Ukrai­ne zurück­ge­scho­ben wur­den. Die Abge­scho­be­nen erwar­ten dort kör­per­li­che Miss­hand­lun­gen und mona­te­lan­ge Haft, ein Asyl­an­trag wird ent­we­der nicht bear­bei­tet oder abge­lehnt. 

Betrof­fen von die­sem offen­sicht­li­chen Bruch der inter­na­tio­na­len Flücht­lings­kon­ven­tio­nen sind unter ande­rem Asyl­su­chen­de, die aus Bür­ger­kriegs­re­gio­nen wie Soma­lia oder Afgha­ni­stan geflo­hen sind. 

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den sich auf der Web­site www.bordermonitoring-ukraine.eu. 

 Euro­pa finan­ziert Flücht­lings­ge­fäng­nis­se in der Ukrai­ne (17.02.15)

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