23.05.2014

PRO ASYL und dem Flücht­lings­rat Nie­der­sach­sen lie­gen Berich­te von syri­schen Flücht­lin­gen vor, die sehr detail­liert ernied­ri­gen­de Behand­lung und schwe­re Miss­hand­lun­gen bei ihrem Auf­ent­halt in bul­ga­ri­schen Flücht­lings- und Haft­la­gern beschrei­ben. Aus­zü­ge der Berich­te fin­den Sie im Anhang.

Die Aus­sa­gen bezeu­gen mehr­tä­gi­ge Inhaf­tie­rung von Fami­li­en ohne Schutz vor Käl­te, teils mit sys­te­ma­ti­schem Nah­rungs- und Flüs­sig­keits­ent­zug. Sie berich­ten von Poli­zei­ge­walt und ernied­ri­gen­der Behand­lung, von über­füll­ten Flücht­lings­un­ter­künf­ten, in denen Nah­rungs­man­gel gras­siert, in denen kata­stro­pha­le hygie­ni­sche Bedin­gun­gen herr­schen und in denen sich bul­ga­ri­sches Lager­per­so­nal durch Kor­rup­ti­on an der Not der Flücht­lin­ge berei­chert. Sie berich­ten über man­geln­de medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung und Fäl­le unter­las­se­ner Hil­fe­leis­tung mit Todes­fol­ge. Sie berich­ten, dass Flücht­lin­ge unter den Augen von bul­ga­ri­schen Poli­zis­ten Opfer  von ras­sis­ti­schen Angrif­fen wer­den.

Die Bun­des­re­gie­rung berei­tet der­zeit eine hohe Zahl von Abschie­bun­gen nach Bul­ga­ri­en vor. So wur­den im ers­ten Quar­tal 2014 629 Über­stel­lungs­ge­su­che an Bul­ga­ri­en gestellt, um von Bul­ga­ri­en nach Deutsch­land wei­ter­ge­flo­he­ne Schutz­su­chen­de im Rah­men der Dub­lin-III-Ver­ord­nung rück­über­stel­len zu kön­nen. Die­se Abschie­bun­gen dür­fen nicht voll­zo­gen wer­den. Der Flücht­lings­rat Nie­der­sach­sen und PRO ASYL for­dern einen sofor­ti­gen Abschie­bungs­stopp nach Bul­ga­ri­en.

Über 2500 Asyl­su­chen­de und Flücht­lin­ge habe seit Ende 2013 Bul­ga­ri­en ver­las­sen um in ande­ren EU-Staa­ten Schutz zu suchen. Laut Human Rights Watch waren in Bul­ga­ri­en Mit­te Dezem­ber 2013 9.247 Asyl­su­chen­de und aner­kann­te Flücht­lin­ge regis­triert, am 19. März 2014 waren es nur noch 6.832.

In Bul­ga­ri­en wer­den alle irre­gu­lär ein­rei­sen­den Schutz­su­chen­den sys­te­ma­tisch inhaf­tiert. Fami­li­en und Ein­zel­per­so­nen müs­sen in über­füll­ten Hal­len leben, die kei­ner­lei Pri­vat­sphä­re bie­ten, teil­wei­se mit man­geln­dem Heiz­sys­tem und kaum elek­tri­scher Ver­sor­gung. Aus­rei­chend sani­tä­re Ein­rich­tun­gen feh­len. Die Ver­sor­gung von Babys und Klein­kin­dern ist nicht gewähr­leis­tet. Die­se Män­gel doku­men­tie­ren auch UNHCR und amnes­ty inter­na­tio­nal.

Nach Anga­ben des Bul­ga­ri­schen Hel­sin­ki-Komi­tees fin­den auch Schutz­su­chen­den, denen in Bul­ga­ri­en ein Schutz­sta­tus gewährt wur­de, prak­tisch kei­nen Schutz: Sie erhal­ten kei­ne Unter­stüt­zung bei der Woh­nungs­su­che, beim Sprach­er­werb oder bei der Suche nach Arbeit.

Seit Novem­ber 2013 hat der bul­ga­ri­sche Grenz­schutz die Abrie­ge­lung der bul­ga­risch-tür­ki­schen Gren­ze mit zusätz­lich rund 1.500 Poli­zei­be­am­ten ver­stärkt. Ende 2013 wur­de mit dem Bau eines 30 Kilo­me­ter lan­gen Grenz­zau­nes begon­nen. Kamen im Herbst letz­ten Jah­res noch fast 8.000 Men­schen über die tür­kisch-bul­ga­ri­sche Gren­ze, waren es von Janu­ar bis März 2014 nur gut 370. Bei die­ser Form der „Grenz­si­che­rung“ schre­cken die Bul­ga­ri­schen Grenz­schüt­zer auch nicht vor ille­ga­len „Push-Backs“ zurück. Durch sol­che Zurück­wei­sun­gen wird der Zugang zu einem Asyl­ver­fah­ren völ­ker­rechts­wid­rig ver­hin­dert. UNHCR berich­tet von Fäl­len von Flücht­lin­gen aus Syri­en, Afgha­ni­stan dem Sudan, die an der Gren­ze zurück­ge­wie­sen wur­den.

Aus­sa­gen von syri­schen Flücht­lin­gen

 Flücht­lin­ge in Bul­ga­ri­en: miss­han­delt, ernied­rigt, im Stich gelas­sen (23.05.14)

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