25.05.2011

Mehr als 1.000 Tote hat die Bru­ta­li­tät des syri­schen Regimes gegen Oppo­si­tio­nel­le bis­her gefor­dert. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es ein Skan­dal, dass das „Abkom­men zwi­schen der Regie­rung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Regie­rung der ara­bi­schen Repu­blik Syri­en über die Rück­füh­rung von ille­gal auf­häl­ti­gen Per­so­nen“ wei­ter­hin in Kraft ist. Mor­gen debat­tiert der Bun­des­tag auf Antrag der Frak­ti­on Bünd­nis 90 / Die Grü­nen über die Aus­set­zung des Abkom­mens, einen förm­li­chen Abschie­bungs­stopp und die Not­wen­dig­keit, Erkennt­nis­se über das Schick­sal Abge­scho­be­ner bei Asy­l­ent­schei­dun­gen des Bun­des­am­tes für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge end­lich zu berück­sich­ti­gen.
 
Die mor­gi­ge Bun­des­tags­de­bat­te kann ein Anstoß für die Regie­rungs­ko­ali­ti­on sein, ihre Heu­che­lei zur Men­schen­rechts­si­tua­ti­on in Syri­en und ihre Abschie­bungs­ko­ope­ra­ti­on mit dem Des­po­ten Assad end­lich zu been­den. Falls die Bun­des­re­gie­rung kei­ne adäqua­ten Rege­lun­gen trifft, dar­un­ter den not­wen­di­gen förm­li­chen Abschie­bungs­stopp – erwar­tet PRO ASYL von den Bun­des­län­dern eine ein­deu­ti­ge Posi­tio­nie­rung im Rah­men der Juni-Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz in Frank­furt am Main.

Die bis­her ergrif­fe­nen Ad-Hoc-Maß­nah­men genü­gen kei­nes­falls. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern hat­te in einem Rund­schrei­ben an die Bun­des­län­der am 28. April 2011 einen Ent­schei­dungs­stopp beim Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge ver­kün­det und erklärt, Abschie­bun­gen nach Syri­en sei­en der­zeit nicht „rat­sam“, eine unsäg­lich unan­ge­mes­se­ne For­mu­lie­rung. Das Aus­wär­ti­ge Amt sei gebe­ten wor­den, die wei­te­re Lage­ent­wick­lung in Syri­en zu beob­ach­ten. Das bru­ta­le Vor­ge­hen der syri­schen Regie­rung gegen jed­we­de Oppo­si­ti­on ist aller­dings die ver­schärf­te Fort­set­zung ihrer lang­jäh­ri­gen Poli­tik, die schon immer geprägt war von einer Omni­prä­senz der Geheim­diens­te, will­kür­li­chen Inhaf­tie­run­gen und Fol­ter. Ein Ent­schei­dungs­stopp über Asyl­an­trä­ge ist des­halb nicht akzep­ta­bel. Eine Sta­bi­li­sie­rung der Lage ist nicht zu erwar­ten, wenn man nicht eine mög­li­che gewalt­sa­me Her­stel­lung der Fried­hofs­ru­he durch Mas­sa­ker des Assad-Regime als sol­che betrach­ten will. Des­halb brau­chen syri­sche Asyl­su­chen­de sofor­ti­gen Schutz. Dies ist das Gegen­teil der BMI-Anwei­sung, man möge beim Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge erst ein­mal die Füße hoch­le­gen.

PRO ASYL for­dert statt der wachs­wei­chen Nicht­ab­schie­be­emp­feh­lung des BMI einen förm­li­chen Abschie­bungs­stopp. Nur er gewähr­leis­tet, dass die ent­ste­hen­den Zei­ten des Auf­ent­hal­tes für die Betrof­fe­nen z.B. im Fall künf­ti­ger Blei­be­rechts­re­ge­lun­gen berück­sich­tigt wer­den.

Hin­wei­se:
 
Zah­len und Fak­ten zu Abschie­bun­gen nach Syri­en und dem Vor­ge­hen der syri­schen Sicher­heits­kräf­te gegen Demons­trie­ren­de hat­te die Bun­des­re­gie­rung bereits in der Beant­wor­tung einer Bun­des­tags­an­fra­ge der Frak­ti­on DIE LINKE am 29. April 2011 (BT-Druck­sa­che 17/5679) genannt. Allein im Jahr 2011 wur­den 160 Men­schen für eine Abschie­bung nach Syri­en ange­mel­det und 10 Abschie­bun­gen voll­zo­gen.

PRO ASYL hat zum Rück­über­nah­me­ab­kom­men früh­zei­tig gewarnt: Hier wur­de ein Ver­trag mit einem noto­ri­schen Fol­ter­re­gime geschlos­sen. Schon im Jahr 2009 wur­den Fäl­le bekannt, in denen nach Syri­en Abge­scho­be­ne sofort nach Ankunft in Haft ohne Kon­takt zur Außen­welt gerie­ten.

Kon­takt:
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 Bespit­ze­lung der Exil­sy­rer wur­de bis­her baga­tel­li­siert (08.02.12)

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