14.12.2020

»Kein Regie­rungs­chef und kei­ne Regie­rungs­chefin der EU ver­tei­digt mit Nach­druck das Men­schen­recht auf Asyl«

Anläss­lich der heu­te statt­fin­den­den Tagung des Rates »Jus­tiz und Inne­res« der Euro­päi­schen Uni­on warnt PRO ASYL noch­mals vor einer Ent­rech­tung von Schutz­su­chen­den an Euro­pas Gren­zen. Ent­schei­dend wird die Vor­fil­ter­an­la­ge – in Rechts­jar­gon Scree­ning- und Grenz­ver­fah­ren – sein.

PRO ASYL befürch­tet ein rigo­ro­ses Aus­sie­ben der Anträ­ge von Schutz­be­dürf­ti­gen. Sie sol­len post­wen­dend von Euro­pas Gren­zen in Dritt­staa­ten oder Her­kunfts­staa­ten zurück­ge­schickt wer­den. Grenz­ver­fah­ren unter Haft­be­din­gun­gen an den Außen­gren­zen dro­hen, die Zukunft des Flücht­lings­schut­zes in Euro­pa zu wer­den. Durch die Prü­fung der Zuläs­sig­keit bezo­gen auf »siche­re Dritt­staa­ten« unter gleich­zei­ti­ger Her­ab­sen­kung der an »siche­re Dritt­staa­ten« anzu­le­gen­den Kri­te­ri­en könn­te der Zugang zu Asyl gänz­lich aus­ge­he­belt werden.

Gegen die­sen gra­vie­ren­den Ein­schnitt in Rechts­staat und Asyl­recht for­miert sich zuse­hends Wider­stand. PRO ASYL hat einen Appell an das Euro­pa-Par­la­ment gestar­tet, den bis dato  mehr als 130 Orga­ni­sa­tio­nen unter­schrie­ben haben, dar­un­ter Dia­ko­nie Deutsch­land, pax chris­ti, terre des hom­mes, Neue Rich­ter­ver­ei­ni­gung und vie­le mehr.  Der Appell kann wei­ter von Orga­ni­sa­tio­nen mit­ge­zeich­net wer­den, den aktu­el­len Stand (11.12.2020) fin­den Sie hier.

PRO ASYL kri­ti­siert die Bera­tun­gen zwi­schen den EU-Staa­ten auf das Schärfs­te. Die einen wol­len über­haupt kei­ne Flücht­lin­ge auf­neh­men, die ande­ren spre­chen zwar vom Flücht­lings­schutz, wol­len aber mit Abrie­ge­lung und Geset­zes­ver­schär­fun­gen den Zugang zum Asyl noch wei­ter ein­schrän­ken. »Kein Regie­rungs­chef und kei­ne Regie­rungs­chefin der EU ver­tei­digt mit Nach­druck das Men­schen­recht auf Asyl«, so Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL.

Beden­ken der Ersteinreisestaaten 

Wäh­rend Staa­ten wie Deutsch­land ver­pflich­ten­de Grenz­la­ger ein­füh­ren wol­len, wird nun bekannt, dass die haupt­säch­lich davon betrof­fe­nen Staa­ten Grie­chen­land, Mal­ta, Ita­li­en und Spa­ni­en die­se ableh­nen. Sie war­nen vor einer stan­dard­mä­ßi­gen Anwen­dung von Grenz­ver­fah­ren, wenn es bei den Vor­schlä­gen der Kom­mis­si­on bleibt. Statt­des­sen soll es ihren Vor­stel­lun­gen nach im Ermes­sen der Mit­glied­staa­ten ste­hen, wann und für wen sie Grenz­ver­fah­ren anwen­den wol­len. Ein Kern­satz in dem gele­ak­ten Schrei­ben der süd­li­chen Län­der lau­tet: »Set­ting-up lar­ge clo­sed cen­ters at the exter­nal bor­ders is not accep­ta­ble. The manage­ment of asyl­um must ful­ly respect human rights and the rights of asyl­um-see­kers, which are to be reflec­ted in the regu­la­ti­on of the rele­vant pro­ce­du­res.« Die vor­ge­schla­ge­ne Fik­ti­on der Nicht-Ein­rei­se wäh­rend der Grenz­ver­fah­ren, wird als unrea­lis­tisch und nicht pra­xis­taug­lich abge­lehnt. Dar­über hin­aus pran­gern die vier Staa­ten an, dass zwar ihre Zustän­dig­keit für die meis­ten Asyl­ver­fah­ren auf­grund des Prin­zips der Erstein­rei­se sehr expli­zit in den Vor­schlä­gen steht, die Regeln zur »Soli­da­ri­tät« zu ihrer Ent­las­tung aber vage und kom­plex seien.

Es ist para­dox, dass Grie­chen­land sich gegen Grenz­la­ger und Schnell­ver­fah­ren an der Gren­ze aus­spricht und genau dies auf Les­bos mit einem euro­päi­schen Pilot­pro­jekt bereits umsetzt, bevor die Plä­ne der EU-Kom­mis­si­on über­haupt beschlos­sen wur­den. Vor­ge­se­hen ist mit EU-Unter­stüt­zung auf Les­bos ein  kon­trol­lier­tes und geschlos­se­nes Lager mit einer Kapa­zi­tät von 5.000 Men­schen zu errichten.

Wirk­sam stop­pen kann die Vor­schlä­ge der Kom­mis­si­on nur das Euro­pa­par­la­ment. PRO ASYL ruft des­halb Orga­ni­sa­tio­nen und Ein­zel­per­so­nen in Deutsch­land zur Unter­stüt­zung des Auf­rufs auf:

Wir sagen »Nein zu einem Euro­pa der Haft- und Flüchtlingslager«!

Die Euro­päi­sche Uni­on grün­det auf Rechts­staat­lich­keit, Demo­kra­tie und Men­schen­rech­ten. Geflüch­te­te brau­chen Schutz und Zugang zum Recht auf Asyl. Statt­des­sen wer­den sie mit bru­ta­ler Gewalt von Euro­pa fern­ge­hal­ten oder sit­zen ver­zwei­felt in Elend­sla­gern fest. Die Plä­ne der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on füh­ren nun nur zu noch mehr Ent­rech­tung von Flüchtlingen. 

Wir appel­lie­ren an Sie als Abge­ord­ne­te des Euro­päi­schen Par­la­ments: Tre­ten Sie dem »New Pact on Migra­ti­on and Asyl­um« ent­ge­gen! Machen Sie nicht mit, wenn Men­schen­rech­te in Euro­pa gebro­chen wer­den. Es ist bereits 5 nach 12. Han­deln Sie jetzt! Zur Begrün­dung hat PRO ASYL die wich­tigs­ten juris­ti­schen Hür­den hier zusammengestellt. 

PRO ASYL hat die pro­ble­ma­tischs­ten Aspek­te des New Pacts in einem Über­blick hier zusammengefasst.

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