03.12.2015

Anläss­lich der bevor­ste­hen­den Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz (IMK) am 3. und 4. Dezem­ber war­nen PRO ASYL, Jugend­li­che ohne Gren­zen und der Arbeits­kreis Asyl Rhein­land-Pfalz vor inte­gra­ti­ons­po­li­ti­schen Fehl­ent­schei­dun­gen.

Statt kon­tra­pro­duk­ti­ver Maß­nah­men, die das ohne­hin über­las­te­te Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF) voll­ends lahm­le­gen wür­den, sind fai­re und zügi­ge Asyl­ver­fah­ren und eine Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung der Ver­fah­ren drin­gend gebo­ten. Allein in mehr als 75.000 Fäl­len war­ten Asyl­su­chen­de län­ger als ein Jahr auf eine Ent­schei­dung des BAMF. Für die­se Men­schen for­dern die drei Orga­ni­sa­tio­nen eine Alt­fall­re­ge­lung und einen siche­ren Auf­ent­halts­sta­tus, was das BAMF deut­lich ent­las­ten wür­de.

Das Vor­ha­ben von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter de Mai­ziè­re, wie­der Ein­zel­fall­prü­fun­gen für Schutz­su­chen­de aus Syri­en ein­zu­füh­ren, ist falsch und inte­gra­ti­ons­po­li­tisch kon­tra­pro­duk­tiv. Von die­ser Rege­lung wären bis zu 200.000 Men­schen, die bis Okto­ber ein­ge­reist sind, betrof­fen. Ange­sichts der fast 330.000 unbe­ar­bei­te­ten Asyl­an­trä­ge im BAMF ein wider­sin­ni­ger büro­kra­ti­scher Akt. Das Schrift­ver­fah­ren für Syrer hat sich bis­lang bewährt, ihre Asyl­ge­su­che wur­den im 3. Quar­tal zu fast 100 Pro­zent aner­kannt. Der Umstieg auf Ein­zel­fall­prü­fun­gen und Anhö­run­gen wür­de zu deut­lich län­ge­ren War­te­zei­ten als bis­her füh­ren. Inte­gra­ti­on wird so erschwert und der Fami­li­en­nach­zug auf Jah­re hin­aus ver­zö­gert.

Auch die vor­ge­se­he­ne Wie­der­ein­füh­rung von Dub­lin-Ver­fah­ren für syri­sche Flücht­lin­ge wird zu wei­te­ren Rück­staus beim BAMF füh­ren. Zehn­tau­sen­de Syrer, Afgha­nen oder Ira­ker nach Ungarn oder Kroa­ti­en zu über­stel­len, ist dabei weder admi­nis­tra­tiv mög­lich noch huma­ni­tär ver­tret­bar – das BAMF soll­te sei­ne Kräf­te statt­des­sen auf schnel­le und fai­re Asyl­ver­fah­ren fokus­sie­ren. „Alles ande­re führt zum Kol­laps und bedeu­tet eine mona­te­lan­ges und ner­venz­er­mür­ben­des War­ten für Flücht­lin­ge“, warnt Gün­ter Burk­hardt von PRO ASYL.

Die Plä­ne der Bun­des­re­gie­rung, Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan zu for­cie­ren, leh­nen die drei Orga­ni­sa­tio­nen ent­schie­den ab. Die Situa­ti­on am Hin­du­kusch ist dra­ma­tisch wie noch nie: Das Risi­ko, Opfer einer Ent­füh­rung, eines Atten­tats oder einer Gewalt­tat zu wer­den, ist im gan­zen Land wei­ter gestie­gen – so auch das Aus­wär­ti­ges Amt in sei­nem jüngs­ten Lage­be­richt. Afgha­ni­sche Schutz­su­chen­de zurück­zu­füh­ren wür­de sie der Gewalt- und Not­si­tua­ti­on aus­lie­fern, der sie ent­flo­hen sind. „In Afgha­ni­stan erwar­ten uns Ent­füh­run­gen, Kämp­fe und Gewalt. Hier in Deutsch­land kann ich bald eine Aus­bil­dung begin­nen, doch jetzt habe ich wie­der gro­ße Angst“, erklärt Ali Ahma­di von Jugend­li­che ohne Gren­zen. JoG,  PRO ASYL und der Arbeits­kreis Asyl Rhein­land-Pfalz for­dern einen siche­ren Auf­ent­halts­ti­tel und Inte­gra­ti­ons­per­spek­ti­ven für afgha­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge.

 BAMF-Büro­kra­tie: Beschleu­nig­ter Kol­laps statt beschleu­nig­ter Ver­fah­ren  (07.12.15)

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