17.11.2009

OSZE-Bericht bestä­tigt: Abge­scho­be­ne fal­len ins Nichts
PRO ASYL for­dert Kon­se­quen­zen

Ein aktu­el­ler Bericht der Orga­ni­sa­ti­on für Sicher­heit und Zusam­men­ar­beit in Euro­pa (OSZE) zur Umset­zung der Stra­te­gie zur Reinte­gra­ti­on von repa­tri­ier­ten Per­so­nen in den koso­va­ri­schen Gemein­den bestä­tigt: Alles, was in Stra­te­gie­pa­pie­ren ver­spro­chen wur­de, exis­tiert nicht. Ob „frei­wil­li­ge“ Rück­kehr oder Abschie­bung – die Betrof­fe­nen lan­den im Nichts.

Im Okto­ber 2007 hat­te die koso­va­ri­sche Regie­rung eine Rück­kehr­stra­te­gie ange­nom­men und im April 2008 einen Akti­ons­plan ver­kün­det. Die Ergeb­nis­se hat der OSZE-Bericht jetzt unter­sucht.

Im Bericht heißt es, „nur weni­ge Schrit­te sei­en unter­nom­men wor­den, um die Zie­le der Stra­te­gie auf loka­ler Ebe­ne umzu­set­zen“. Die not­wen­di­gen Geld­mit­tel, um Rück­keh­rern Hil­fe gewäh­ren zu kön­nen, sei­en den Kom­mu­nen nicht zur Ver­fü­gung gestellt wor­den. Die pro­pa­gier­te Stra­te­gie sei den Kom­mu­nen noch nicht ein­mal ver­mit­telt wor­den. „Als Ergeb­nis blei­ben repa­tri­ier­te Per­so­nen oft ohne jede Hil­fe, ohne Infor­ma­ti­on über den Zugang zu Dienst­leis­tun­gen oder zu ande­ren Reinte­gra­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen bei ihrer Ankunft im Koso­vo“. Die­ser Man­gel an Hil­fe betref­fe u.a. die wich­ti­gen Sek­to­ren Unter­brin­gung, Beschu­lung und öko­no­mi­sche Chan­cen – ins­be­son­de­re bei Men­schen, die zu Min­der­hei­ten gehö­ren.

Die­ses ver­hee­ren­de Zeug­nis für die Rück­kehr­po­li­tik der koso­va­ri­schen Regie­rung wird zu einem Zeit­punkt aus­ge­stellt, zu dem Deutsch­land mit der Abschie­bung von Roma begon­nen hat. In den ers­ten neun Mona­ten des Jah­res 2009 waren unter 2.144 in den Koso­vo abge­scho­be­nen Per­so­nen nur 130 Ange­hö­ri­ge von Min­der­hei­ten, die nach Auf­fas­sung des UNHCR wei­ter­hin inter­na­tio­na­len Schutz brau­chen. Erklär­te Absicht der Bun­des­re­gie­rung ist es, dies zu ändern und gegen die Emp­feh­lun­gen inter­na­tio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen künf­tig auch Roma und Ser­ben in grö­ße­rer Zahl abzu­schie­ben.

PRO ASYL for­dert die Innen­mi­nis­ter des Bun­des und der Län­der auf, aus dem Bericht die Kon­se­quen­zen zu zie­hen und auf Abschie­bun­gen zu ver­zich­ten. Es muss end­lich Schluss sein mit den Ver­su­chen, die ein­deu­ti­gen Berich­te des EU-Men­schen­rechts­kom­mis­sars Tho­mas Hammar­berg, des UNHCR und jetzt der OSZE gar nicht oder selek­tiv zur Kennt­nis zu neh­men.

Kon­takt
Tele­fon: 069 / 23 06 95 e-mail: presse@proasyl.de

Hin­weis: Ein im Okto­ber ver­öf­fent­lich­ter PRO ASYL-Bericht “Zur Lebens­si­tua­ti­on von aus Deutsch­land abge­scho­be­nen Roma, Ash­ka­li und Ange­hö­ri­gen der Ägyp­ter-Min­der­heit im Koso­vo” bestä­tigt vie­le der im OSZE-Bericht erwähn­ten Aspek­te.
Den OSZE-Bericht fin­den Sie hier zum Down­load ».

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