25.07.2011

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Fried­rich hat­te ange­kün­digt, Mal­ta durch die Auf­nah­me von 150 Flücht­lin­gen zu ent­las­ten, da die Insel mit der Auf­nah­me von Flücht­lin­gen über­for­dert sei. Den­noch soll­te der soma­li­sche Flücht­ling Abdi­lahi Abdi­rah­man Moha­med heu­te Mor­gen vom Frank­fur­ter Flug­ha­fen aus nach Mal­ta abge­scho­ben wer­den.

Auf Mal­ta hat­te er sich 2008 nach einer trau­ma­ti­sie­ren­den Über­fahrt über das Mit­tel­meer ein Jahr lang unter kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen in Haft befun­den. Abdi­lahi Abdi­rah­man Moha­med droh­te nun, dass er durch die Abschie­bung nach Mal­ta erneut völ­li­ger Per­spek­tiv­lo­sig­keit und Ver­elen­dung aus­ge­lie­fert wird. Er wei­ger­te sich des­halb, das Flug­zeug zu betre­ten und ver­hin­der­te damit in letz­ter Minu­te sei­ne Abschie­bung. Zudem fand eine Demons­tra­ti­on im Flug­ha­fen statt, die auf die anste­hen­de Abschie­bung auf­merk­sam mach­te. Die Gefahr eines zwei­ten Abschie­bungs­ver­suchs besteht noch bis zum 2. August fort. Dann läuft die Über­stel­lungs­frist nach dem Dub­lin-Ver­fah­ren aus.

PRO ASYL for­dert, kei­nen wei­te­ren Abschie­be­ver­such zu unter­neh­men, son­dern Abdi­lahi Abdi­rah­man Moha­med in Deutsch­land Zugang zum Asyl­ver­fah­ren zu gewäh­ren. Dass der klei­ne Insel­staat Mal­ta mit der Durch­füh­rung von Asyl­ver­fah­ren und der ange­mes­sen Ver­sor­gung von Schutz­su­chen­den über­for­dert ist und die Men­schen­rech­te von Flücht­lin­gen auf Mal­ta sys­te­ma­tisch miss­ach­tet wer­den, bele­gen zahl­rei­che Berich­te von Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen.

Die Abschie­bung von Abdi­lahi Abdi­rah­man Moha­med wur­de ange­ord­net, da das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge gemäß der Dub­lin II-Ver­ord­nung die Zustän­dig­keit Mal­tas fest­ge­stellt hat­te. Abschie­bun­gen nach Mal­ta könn­ten jedoch ver­hin­dert wer­den, wenn Deutsch­land die Zustän­dig­keit für die­se Ver­fah­ren frei­wil­lig über­näh­me. In ver­gleich­ba­ren Fäl­len, bei denen es etwa um Abschie­bun­gen nach Grie­chen­land geht, wird dies durch­gän­gig so gehand­habt.

Der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter hat­te zum dies­jäh­ri­gen Tag des Flücht­lings am 20. Juni erklärt, dass Deutsch­land 150 aner­kann­te Flücht­lin­ge aus Mal­ta über­neh­men wer­de und dabei auf die Über­las­tung Mal­tas ver­wie­sen. „Flücht­lin­ge aus Mal­ta nach Deutsch­land zu holen und gleich­zei­tig ande­re dort­hin abzu­schie­ben, ist abso­lut wider­sprüch­lich“, kom­men­tiert Marei Pel­zer, rechts­po­li­ti­sche Refe­ren­tin von PRO ASYL.

Abdi­lahi Abdi­rah­man Moha­med kam im Novem­ber 2008 auf Mal­ta an, nach­dem er in einem klei­nen Boot mit ca. 70 ande­ren Flücht­lin­gen eine dra­ma­ti­sche Über­fahrt übers Mit­tel­meer erlebt hat­te, bei der er mit anse­hen muss­te, wie ein guter Freund von ihm ertrank. Die über­le­ben­den Flücht­lin­ge wur­den in letz­ter Minu­te von einem rus­si­schen Schiff geret­tet und nach Mal­ta gebracht. Dort wur­de er 12 Mona­te lang inhaf­tiert. Aber auch als er spä­ter in einem offe­nen Lager unter­ge­bracht wur­de, litt er unter Man­gel­ver­sor­gung, Käl­te und unzu­mut­ba­ren hygie­ni­schen Zustän­den.

Ange­sichts Tau­sen­der neu ankom­men­der Flücht­lin­ge aus Nord­afri­ka hat sich die Situa­ti­on auf Mal­ta erneut zuge­spitzt. Der vor Ort für Flücht­lin­ge täti­ge Jesui­ten­flücht­lings­dienst hat­te in einem Spen­den­auf­ruf dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es am Nötigs­ten wie Bet­ten und Decken feh­le.

„Mit tech­no­kra­ti­schen Zustän­dig­keits­re­ge­lun­gen wei­ter­hin Abschie­bun­gen nach Mal­ta zu recht­fer­ti­gen, ist unver­ant­wort­lich. Die Men­schen­rech­te der Flücht­lin­ge müs­sen Vor­rang haben“, sag­te Marei Pel­zer von PRO ASYL.

 Mal­ta: kein siche­rer Ort für Flücht­lin­ge (28.07.11)

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