15.03.2011

Flücht­lin­ge – sowohl asyl­su­chen­de, als auch sol­che, die einen Schutz­sta­tus bereits erhal­ten haben, leben in Ita­li­en gro­ßen­teils im abso­lu­ten Elend und in Obdach­lo­sig­keit. Die meis­ten wer­den nach spä­tes­tens sechs Mona­ten vom rudi­men­tä­ren ita­lie­ni­schen Sys­tem zur Unter­brin­gung aus­ge­spien und lan­den ohne jede Hil­fe im Nichts. Dies belegt ein heu­te von PRO ASYL ver­öf­fent­lich­ter Bericht „Zur Situa­ti­on von Flücht­lin­gen in Ita­li­en“.

Die Auto­ren, Maria Beth­ke und Domi­nik Ben­der, haben im Herbst letz­ten Jah­res die Zustän­de unter­sucht – ins­be­son­de­re in Rom. Sie spra­chen mit Flücht­lin­gen, die in Abbruch­häu­sern und auf Brach­flä­chen am Ran­de der Stadt leb­ten sowie mit Ver­tre­tern von UNHCR, den Kir­chen und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen. Das Ergeb­nis: Die Zustän­de sind gro­ßen­teils men­schen­un­wür­dig. Betrof­fen sind auch vie­le, denen Ita­li­en irgend­ei­ne Form von Schutz und ein Auf­ent­halts­recht gewährt. Die Knapp­heit an Auf­nah­me­plät­zen führt dazu, dass selbst die­se Schutz­be­rech­tig­ten in aller Regel sich selbst über­las­sen blei­ben. Ohne Anspruch auf Wohn­raum oder die Siche­rung eines Exis­tenz­mi­ni­mums fin­den sie sich in einem über vie­le Jah­re hin­weg wäh­ren­den Über­le­bens­kampf wie­der.

PRO ASYL sieht die poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen in Ita­li­en in der Pflicht, end­lich eine aus­rei­chen­de Zahl an men­schen­wür­di­gen Unter­brin­gungs- und Inte­gra­ti­ons­plät­zen zu schaf­fen. Bis dahin soll­te Deutsch­land dar­auf ver­zich­ten, Flücht­lin­ge, für deren Ver­fah­ren eigent­lich Ita­li­en zustän­dig wäre, im Rah­men der sog. Dub­lin II-Ver­ord­nung nach Ita­li­en zurück­zu­schi­cken. 88 % der aus ande­ren EU-Mit­glied­staa­ten auf die­ser Basis nach Ita­li­en Abge­scho­be­nen lan­de­ten in den Jah­re 2008 und 2009 nach offi­zi­el­len Anga­ben in der Obdach­lo­sig­keit. In der Fol­ge blie­ben gera­de beson­ders schutz­be­dürf­ti­ge Per­so­nen, dar­un­ter Frau­en mit Klein­kin­dern, Jugend­li­che und Kran­ke nach ihrer Über­stel­lung man­gels Geld­mit­teln ohne Papie­re.

Eini­ge deut­sche Ver­wal­tungs­ge­rich­te sowie der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te haben bereits Abschie­bun­gen im Rah­men des Dub­lin-Sys­tems nach Ita­li­en aus­ge­setzt. Der aktu­el­le Bericht belegt, wie drin­gend nötig die­se Ent­schei­dun­gen waren. Und die Not­wen­dig­keit für sol­che Ent­schei­dun­gen wird wei­ter zuneh­men, wenn man bedenkt, dass sich die Lage in die­sem Jahr noch dra­ma­tisch ver­schär­fen wird, weil allein bis zum heu­ti­gen Tage schon mehr Flücht­lin­ge in Ita­li­en ange­kom­men sind als im gesam­ten Jahr 2010.

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