14.07.2016

PRO ASYL: Poli­tisch for­cier­te Ent­schei­dungs­pra­xis des BAMF ver­hin­dert, dass Tau­sen­de ihre Fami­li­en legal nach­ho­len kön­nen

Immer mehr syri­schen Flücht­lin­gen wird nur noch sub­si­diä­rer Schutz zuge­spro­chen. Ihre Zahl ist im Juni 2016 mas­siv nach oben geschnellt: In rund 10.250 Fäl­len – das ist mit ca. 46% fast die Hälf­te aller inhalt­li­chen Ent­schei­dun­gen – wur­de syri­schen Asyl­an­trag­stel­le­rIn­nen ledig­lich sub­si­diä­rer Schutz gewährt. Wie exor­bi­tant die­ser Anstieg ist, zeigt ein Ver­gleich zum Jahr 2014, als der Anteil sub­si­di­är Geschütz­ter  gemes­sen an allen syri­schen Antrag­stel­le­rIn­nen 13,6%  betrug.  (Im Jahr 2015 wur­den Anträ­ge von Syre­rIn­nen in einem beschleu­nig­ten Schrift­ver­fah­ren ent­schie­den, in dem sie fast aus­schließ­lich Schutz nach der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on zuge­spro­chen beka­men. Wir haben das Jahr 2015 des­halb nicht zum Ver­gleich her­an­ge­zo­gen.)

Für syri­sche Flücht­lin­ge hat die Ertei­lung nur des sub­si­diä­ren Schut­zes gra­vie­ren­de Fol­gen. Durch das Asyl­pa­ket II wur­de der Fami­li­en­nach­zug für sub­si­di­är Schutz­be­rech­tig­te nach § 104 Abs. 13 Auf­ent­halts­ge­setz für zwei Jah­re aus­ge­setzt. Das heißt kon­kret: Alle Asyl­an­trag­stel­le­rIn­nen, die nach dem 17. März 2016 den sub­si­diä­ren Schutz zuer­kannt bekom­men haben, kön­nen erst ab 16. März 2018 (!) einen Antrag auf Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung zu stel­len. Bei den  gra­vie­ren­den Pro­ble­men beim Fami­li­en­nach­zug für syri­sche Ange­hö­ri­ge wird die Ent­schei­dungs­pra­xis des BAMF dafür sor­gen, dass Fami­li­en sub­si­di­är geschütz­ter Syre­rIn­nen auf Jah­re hin­aus getrennt blei­ben.

Dass die Asyl­pra­xis ein Aus­druck poli­ti­scher Ein­fluss­nah­me auf das BAMF ist, zeigt sich dar­an, dass bereits im April 2016 – unmit­tel­bar nach dem oben genann­ten Stich­da­tum 17. März 2016 – die Zahl von sub­si­diä­ren Schutz­ent­schei­dun­gen bei Syre­rIn­nen signi­fi­kant anstieg:  Von den knapp 21.000 Ent­schei­dun­gen, die im April zu Syre­rIn­nen getrof­fen wur­den, beka­men knapp 3.500 sub­si­diä­ren Schutz – das ent­spricht einem Anteil von rund 16 Pro­zent. Seit­dem ist ihr Anteil kon­ti­nu­ier­lich gestie­gen, im Juni auf fast der Hälf­te aller inhalt­li­chen Ent­schei­dun­gen.  PRO ASYL hat­te vor dem Anstieg der Zah­len gewarnt  und die neue Asyl­pra­xis in einem Posi­ti­ons­pa­pier scharf kri­ti­siert.

Die Pro­gno­se, dass von der Ertei­lung des sub­si­diä­ren Schut­zes und der damit ver­bun­de­nen Aus­set­zung des Fami­li­en­nach­zugs nur weni­ge Syre­rIn­nen betrof­fen sein wür­den, wie die SPD noch wäh­rend der Ver­hand­lun­gen zum Asyl­pa­ket II beton­te, hat sich als schlicht falsch her­aus­ge­stellt. Die jet­zi­ge Asyl­pra­xis zeigt: Der Trend geht in die ande­re Rich­tung.

Die Schlech­ter­stel­lung syri­scher Asyl­su­chen­der beim gewähr­ten Schutz­sta­tus ent­behrt jeg­li­cher recht­li­chen Grund­la­ge und ist allein Aus­druck poli­ti­schen Wil­lens. Die Situa­ti­on für die Zivil­be­völ­ke­rung in Syri­en ist seit Jah­ren unver­än­dert kata­stro­phal.  Noch im ver­gan­ge­nen Novem­ber 2015 hat das UN-Flücht­lings­hilfs­werk dar­ge­stellt, war­um bei syri­schen Flücht­lin­gen die Aner­ken­nung als GFK-Flücht­ling ange­sichts der Situa­ti­on im Land nur adäquat ist.

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