07.12.2020

PRO ASYL und zahl­rei­che Orga­ni­sa­tio­nen auf Bun­des- und Lan­des­ebe­ne for­dern Abschiebungsstopps

Vor der bevor­ste­hen­den Kon­fe­renz der Innenminister*innen (IMK) vom 09. bis 11. Dezem­ber appel­liert PRO ASYL, in Zei­ten einer Pan­de­mie gene­rell auf Abschie­bung zu ver­zich­ten. Dem Appell haben sich meh­re­re Wohl­fahrts­ver­bän­de auf Lan­des­ebe­ne, Lan­des­flücht­lings­rä­te und vie­le wei­te­re Orga­ni­sa­tio­nen ange­schlos­sen. Im Appell heißt es:

»Zahl­rei­che Her­kunfts­län­der von Asyl­su­chen­den haben maro­de Gesund­heits­sys­te­me und sind nicht in der Lage, an dem Virus Erkrank­te zu ver­sor­gen. Auch Staa­ten mit einem rela­tiv gut auf­ge­stell­ten Gesund­heits­sys­tem kom­men an ihre Kapa­zi­täts­gren­ze. Die Zahl der Coro­na-Infi­zier­ten steigt welt­weit dra­ma­tisch, ganz zu schwei­gen von der rasant stei­gen­den Zahl der Toten. Den­noch wer­den Men­schen in Län­der abge­scho­ben, in denen sich die Pan­de­mie kata­stro­phal aus­wir­ken könn­te oder es bereits tut. Das Risi­ko für ihre Gesund­heit und kör­per­li­che Unver­sehrt­heit ist immens«.

Abschie­bun­gen wäh­rend der Pan­de­mie sind gene­rell unver­ant­wort­lich, gefähr­den Men­schen­le­ben und sind ange­sichts der Situa­ti­on in Deutsch­land und der Situa­ti­on in den Staa­ten, in die abge­scho­ben wird, nicht zu ver­ant­wor­ten. Die Orga­ni­sa­tio­nen for­dern einen gene­rel­len Abschie­bungs­stopp bis min­des­tens April 2021.

PRO ASYL warnt: Die Covid-19-Pan­de­mie hat nicht nur in Deutsch­land dra­ma­ti­sche öko­no­mi­sche Fol­gen. In vie­len Län­dern bre­chen Beschäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten kom­plett weg, staat­li­che Hil­fe gibt es kei­ne. Es kann nicht ange­hen, Geflüch­te­te auf Grund­la­ge ver­al­te­ter Annah­men in das Her­kunfts­land zu schi­cken, wenn sich die Situa­ti­on pan­de­mie­be­dingt rasant ändert.

Zum Appell mit allen unter­zeich­nen­den Orga­ni­sa­tio­nen geht es hier; unter­zeich­net haben unter ande­rem PRO ASYL, Arbei­ter­wohl­fahrt, meh­re­re Lan­des­flücht­lings­rä­te, Evan­ge­li­sche Jugend Deutsch­land, meh­re­re Pari­tä­ti­sche Lan­des­ver­bän­de, die Dia­ko­nie Hes­sen, Mit­tel­deutsch­land und Rhein­land-West­fa­len-Lip­pe und andere.

Syri­en

PRO ASYL kri­ti­siert aufs schärfs­te die Eröff­nung der Debat­te um Abschie­bun­gen nach Syri­en. Nie­mand darf der Fol­ter unter­wor­fen wer­den. Ange­sichts des 70-jäh­ri­gen Jubi­lä­ums der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EMRK) erwar­ten wir von den Innenminister*innen von Bund und Län­dern ein offen­si­ves Ein­tre­ten für die Men­schen­rech­te. Es ist eine gefähr­li­che Ver­schie­bung des Dis­kur­ses in der Öffent­lich­keit, wenn Innen­mi­nis­ter See­ho­fer und ande­re nun Abschie­bun­gen in den Fol­ter­staat wol­len. Das Fol­ter­ver­bot der EMRK gilt abso­lut. Recht­staat­li­che Grund­la­gen dür­fen nicht ein­ge­ris­sen werden.

PRO ASYL hat sich einem brei­ten Bünd­nis ange­schlos­sen, das gegen Abschie­bun­gen nach Syri­en appel­liert: »In Syri­en wird sys­te­ma­tisch und flä­chen­de­ckend gefol­tert. Das ist durch zahl­rei­che Berich­te der Ver­ein­ten Natio­nen und inter­na­tio­na­ler Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen umfang­reich belegt. Die Syri­en-Lage­be­rich­te des Aus­wär­ti­gen Amtes bestä­ti­gen das.« Und wei­ter: »Will­kür­li­che Ver­haf­tun­gen, Fol­ter und Ver­schwin­den­las­sen dau­ern in Syri­en bis heu­te an. Rund Hun­dert­tau­send Men­schen sind bis heu­te in Haft­ein­rich­tun­gen des Assad-Regimes ver­schwun­den.«

Die Bündnispartner*innen for­dern die Innenminister*innen des Bun­des und der Län­der auf, den Abschie­bungs­stopp für Syri­en zu ver­län­gern: »Solan­ge das Assad-Regime an der Macht ist, darf nie­mand nach Syri­en abge­scho­ben werden!«

Zum Appell geht es hier; unter­zeich­net haben neben PRO ASYL Adopt a Revo­lu­ti­on, der Pari­tä­ti­sche Gesamt­ver­band, die Lan­des­flücht­lings­rä­te, Med­ico Inter­na­tio­nal, Sea­Watch, See­brü­cke, die #Lea­ve­NoOne­Be­hind-Kam­pa­gne, der Ver­ein deutsch-syri­scher Hilfs­ver­ei­ne VDSH, Fami­lies for Free­dom, Cae­sar-Fami­lies, Syri­an Cen­ter for Legal Stu­dies & Rese­arch, Frie­dens­kreis Hal­le, Gesell­schaft für bedroh­te Völ­ker, Jugend­li­che ohne Gren­zen, Komi­tee für Grund­rech­te und Demo­kra­tie e.V., Moa­bit hilft e.V., Pro Blei­be­recht MV, See­brü­cke Ber­lin, #Syria­Not­Safe-Kam­pa­gne und The Syria Cam­paign Visions4Syria.

Afgha­ni­stan

PRO ASYL hat sich an die Innenminister*innen von Bund und Län­der gewandt und appel­liert ein­dring­lich, den für den Mit­te Dezem­ber geplan­ten Abschie­be­flug nach Afgha­ni­stan zu stoppen.

In der Stel­lung­nah­me von PRO ASYL an die IMK heißt es: »Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan sind auf Grund der kata­stro­pha­len Sicher­heits­la­ge – aber gera­de auch ange­sichts der gras­sie­ren­den Corona-Pandemie – unver­ant­wort­lich. Seit der letz­ten Sam­mel­ab­schie­bung am 11. März 2020 waren in Fol­ge der Corona-Pandemie Abschie­bun­gen auf Bit­ten der afgha­ni­schen Regie­rung aus­ge­setzt. Dabei muss es ange­sichts der beschrie­be­nen Situa­ti­on blei­ben.«

Die For­de­run­gen von PRO ASYL zur Innenminister*innenkonferenz von PRO ASYL fin­den Sie hier.

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