29.04.2010

PRO ASYL unter­stützt Ver­fah­ren vor dem Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te

Das Anti-Fol­ter-Komi­tee des Euro­pa­ra­tes hat in einem aktu­el­len Bericht bestä­tigt, was Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen seit lan­gem kri­ti­sie­ren: Ita­li­ens Umgang mit Flücht­lin­gen auf hoher See ver­stößt gegen die Men­schen­rech­te und die Grund­sät­ze des Flücht­lings­schut­zes.

Ita­li­ens Pra­xis, auf hoher See auf­ge­brach­te Flücht­lings­boo­te umge­hend u.a. nach Liby­en zurück­zu­schi­cken, ohne Asyl­an­trä­ge zu prü­fen, ist eine beson­ders skru­pel­lo­se und für die Betrof­fe­nen höchst gefähr­li­che Vari­an­te euro­päi­scher Prak­ti­ken, die die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on unter­lau­fen. PRO ASYL unter­stützt des­halb aus sei­nem Rechts­hil­fe­fonds die Kla­ge von 24 Men­schen aus Soma­lia und Eri­trea, die die ita­lie­ni­sche Küs­ten­wa­che am 6. Mai 2009 auf­ge­grif­fen und umge­hend nach Liby­en zurück­ge­schickt hat­te. Zum ers­ten Mal wird sich der EGMR im Fall Hirsi v. Ita­ly mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen müs­sen, ob die Zurück­schie­bungs­pra­xis ein Ver­stoß gegen Arti­kel 3 der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ist. Die­ser ver­bie­tet Fol­ter oder inhu­ma­ne oder ernied­ri­gen­de Behand­lung. Bei der Über­stel­lung nach Liby­en gera­ten Betrof­fe­ne immer wie­der in Haft­zen­tren, wo unmensch­li­che Bedin­gun­gen herr­schen. Auch sind mehr­fach Flücht­lin­ge von Liby­en in ihre Her­kunfts­staa­ten und damit in die Ver­fol­gung depor­tiert wor­den.

PRO ASYL kri­ti­siert, dass die ita­lie­ni­schen Prak­ti­ken bis­her von den EU-Mit­glied­staa­ten nicht ernst­haft kri­ti­siert wor­den sind. „Die Ein­hal­tung der Men­schen­rech­te ist nicht nur Auf­ga­be der ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten, son­dern Pflicht­pro­gramm der Gesamt-EU,“ so PRO ASYL-Euro­pa­re­fe­rent Karl Kopp.

„Men­schen- und flücht­lings­recht­li­che Anfor­de­run­gen an Maß­nah­men der Grenz­kon­trol­le auf See“ waren bereits Gegen­stand eines Gut­ach­tens, das das Euro­pean Cen­ter for Con­sti­tu­tio­nal and Human Rights im Auf­trag der Stif­tung PRO ASYL, Amnes­ty Inter­na­tio­nal und des Forums Men­schen­rech­te im Sep­tem­ber 2007 erstellt hat. Dar­in heißt es u.a.: „Als Kon­se­quenz aus die­ser Zusam­men­schau flücht­lings-, men­schen- und see­recht­li­cher Nor­men ergibt sich, dass Staa­ten die flücht­lings- und men­schen­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht dadurch umge­hen kön­nen, dass Grenz­kon­troll­maß­nah­men – d.h. Abfan­gen, Zurück­wei­sen, Umlei­ten etc. von Flücht­lings­boo­ten – als Ret­tungs­maß­nah­men dekla­riert wer­den.“ Genau dies hat Ita­li­en in sei­ner Ant­wort auf die Vor­wür­fe des Anti-Fol­ter-Komi­tees erneut ver­sucht.

Ita­li­ens Ant­wort ist ein Kon­zen­trat aus Aus­re­den und Schutz­be­haup­tun­gen. So heißt es dar­in: Zum Alter und zur Staats­an­ge­hö­rig­keit der nach Liby­en ver­brach­ten Migran­ten kön­ne man kei­ne Aus­kunft geben, weil es in der Natur der Sache sol­cher „Ret­tungs­ope­ra­tio­nen“ lie­ge, Ent­spre­chen­des nicht in Erfah­rung brin­gen zu kön­nen.

Kon­takt:

Tel.: 069 23 06 95

E-Mail: presse@proasyl.de

 Men­schen­rechts­ge­richts­hof ver­ur­teilt ita­lie­ni­sche Zurück­wei­sungs­po­li­tik nach Liby­en (23.02.12)

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