17.02.2014

Nach Medi­en­be­rich­ten soll bei der nächs­ten Sit­zung der Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz über einen Abschie­bungsstopp nach Afgha­ni­stan ent­schie­den wer­den. PRO ASYL begrüßt die­se Ent­schei­dung als längst über­fäl­lig und for­dert die Innen­mi­nis­ter der Län­der auf, im Vor­griff auf die zu erwar­ten­de Rege­lung sofort auf den Voll­zug von Abschie­bun­gen zu ver­zich­ten.

Vor dem Hin­ter­grund der sich ver­schlech­tern­den Sicher­heits­la­ge in Afgha­ni­stan, die sich mit fort­schrei­ten­dem Trup­pen­ab­zug noch pro­ble­ma­ti­scher ent­wi­ckeln könn­te, ver­bie­ten sich Abschie­bun­gen in die­se Unge­wiss­heit hin­ein. Ende 2012 leb­ten hier­zu­lan­de 1350 afgha­ni­sche Flücht­lin­ge auf­ent­halts­recht­lich unge­si­chert ledig­lich mit einer Dul­dung. In den letz­ten Mona­ten gab es meh­re­re Fäl­le, in denen Afgha­ni­stan-Abschie­bun­gen erst nach Peti­tio­nen, anwalt­li­chen Bemü­hun­gen und Pro­tes­ten in letz­ter Minu­te gestoppt wer­den konn­ten.

Der jüngs­te Fort­schritts­be­richt Afgha­ni­stan zur Unter­rich­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges vom Janu­ar 2014 spricht euphe­mis­tisch von einer „aus­rei­chend kon­trol­lier­ba­ren Sicher­heits­la­ge“, die aller­dings nur in den Bevöl­ke­rungs­zen­tren ent­lang der bedeut­sa­men Ver­kehrs­in­fra­struk­tur zu gewähr­leis­ten sei. Die­se lokal begrenz­te und pre­kä­re Sicher­heit wur­de, so der Fort­schritts­be­richt, mit einer Ver­dop­pe­lung der Ver­lus­te der afgha­ni­schen Sicher­heits­kräf­te in den ers­ten elf Mona­ten 2013 im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum auf rund 4.600 Tote bezahlt. Im Klar­text: Es herrscht Krieg.

Das Abschie­bungs­ri­si­ko kon­zen­triert sich seit eini­ger Zeit auf allein­ste­hen­de Män­ner. Wäh­rend Ver­wal­tungs­ge­rich­te bei Fami­li­en mit Kin­dern, Frau­en und ande­ren Per­so­nen­grup­pen Abschie­bungs­hin­der­nis­se sehen, attes­tie­ren sie allein­ste­hen­den Män­nern, sie könn­ten zumin­dest im angeb­lich rela­tiv siche­ren Kabul Arbeit fin­den oder dort auf Groß­fa­mi­li­en­struk­tu­ren zurück­grei­fen. Die­se Idee wur­de mit der Rea­li­tät häu­fig nur unzu­rei­chend abge­gli­chen.

Im Groß­raum Kabul leben Zehn­tau­sen­de in Behelfs­un­ter­künf­ten oder auf der Stra­ße und buch­stäb­lich von der Hand in den Mund. Die Zahl der Bin­nen­ver­trie­be­nen in Afgha­ni­stan stieg im Lau­fe des Jah­res 2013 auf einen neu­en Höchst­stand von 590.000 Per­so­nen bzw. 92.000 Fami­li­en (Fort­schritts­be­richt, S. 10).

 Afgha­ni­stan: Sofort auf Abschie­bun­gen ver­zich­ten! (17.02.14)

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