23.10.2017

Aku­te Sicher­heits­war­nung vor Rake­ten­an­grif­fen auf dem Kabu­ler Flug­ha­fen

PRO ASYL und der Baye­ri­sche Flücht­lings­rat for­dern ein Mora­to­ri­um für Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan. Abschie­bun­gen sind unver­ant­wort­lich, es gibt kei­ne dau­er­haft siche­ren Gebie­te.

Die mor­gi­ge Abschie­bung nach Afgha­ni­stan ist auch für Flug­per­so­nal und Bun­des­po­li­zei gefähr­lich. Aktu­ell warnt die Bun­des­re­gie­rung für alle aus Deutsch­land Kabul anflie­gen­den Flü­ge vor Rake­ten­an­grif­fen und »geziel­ten Flug­ab­wehr-Atta­cken« auf allen Flug­hä­fen in Afgha­ni­stan: »The Federal Repu­blic of Ger­ma­ny advi­ses all Ger­man ope­ra­tors not to plan and con­duct flights wit­hin FIR Kabul (OAKX) below FL330 inclu­ding take off and lan­dings at all air­ports due to poten­ti­al risk to avia­ti­on from dedi­ca­ted anti-avia­ti­on and ground to ground wea­pon­ry and ground attacks on aero­dro­me infra­st­ruc­tu­re.« (Warn­hin­weis im Ori­gi­nal)  Erst am 27. Sep­tem­ber schlu­gen unmit­tel­bar nach der Lan­dung des NATO-Gene­ral­se­kre­tärs und der US-ame­ri­ka­ni­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ters in Kabul Rake­ten und Mör­ser­ge­schos­se auf dem Kabu­ler Flug­ha­fen ein.

»Bund und Län­der müs­sen die trau­ri­ge Rea­li­tät im Kriegs- und Kri­sen­ge­biet zur Kennt­nis neh­men und den für Diens­tag geplan­ten Abschie­be­flug absa­gen. Dass aus­ge­rech­net am Tag der Kon­sti­tu­ie­rung des Bun­des­ta­ges in das Kri­sen­ge­biet abge­scho­ben wer­den soll, ist eine ver­ant­wor­tungs­lo­se Ver­nei­gung vor Rechts­po­pu­lis­ten«, sag­te Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL.

»Auf die­se Art schließt die CSU nicht die rech­te Flan­ke, son­dern öff­net sie weit in Rich­tung AfD und Co. Bay­ern  igno­riert wei­ter­hin die Gefah­ren, die Rück­keh­rern in Afgha­ni­stan dro­hen«, warn­te Ste­phan Dünn­wald, Spre­cher des baye­ri­schen Flücht­lings­ra­tes.

In den letz­ten Tagen for­der­ten Anschlä­ge in Mosche­en erst wie­der mehr als 50 zivi­le Opfer, zusätz­lich zu zahl­rei­chen Angrif­fen der Tali­ban in ver­schie­de­nen Lan­des­tei­len. Die Flücht­lings­or­ga­ni­sa­tio­nen for­dern vom Aus­wär­ti­gen Amt den jähr­li­chen »Bericht über die asyl- und abschie­bungs­re­le­van­te Lage« zügig vor­zu­le­gen. Der letz­te regu­lä­re Bericht ist mehr als ein Jahr alt und ver­al­tet. Die Bun­des­re­gie­rung muss die asyl­recht­lich rele­van­ten Fak­ten zur »Zumut­bar­keit und Erreich­bar­keit« von angeb­lich siche­ren Gebie­ten ver­öf­fent­lich­ten.

Nach dem ver­hee­ren­den Bom­ben­an­schlag am 31. Mai 2017, bei dem die deut­sche Bot­schaft in Kabul teil­wei­se zer­stört wor­den war, hat­ten Bund und Län­der sich dar­auf ver­stän­digt: Abge­scho­ben wer­den nur »Straf­tä­ter, Gefähr­der und hart­nä­cki­ge Iden­ti­täts­ver­wei­ge­rer«.

Bay­ern wird sich nach Infor­ma­tio­nen des baye­ri­schen Flücht­lings­ra­tes wohl nicht an die­se Rege­lung hal­ten.

»Nach unse­rem Erkennt­nis­stand bricht Bay­ern die im Bund ver­ein­bar­te Ein­schrän­kung bei Abschie­bun­gen auf Straf­tä­ter, Gefähr­der und Iden­ti­täts­ver­wei­ge­rer«, so Dünn­wald. »Meh­re­re der jetzt von Bay­ern in Abschie­be­haft genom­me­nen Afgha­nen fal­len aus die­sen Kate­go­ri­en her­aus. Nur zum Teil han­delt es sich um Straf­tä­ter. Bei den dem Flücht­lings­rat bekann­ten Straf­tä­tern han­delt es sich um Per­so­nen, denen mehr­heit­lich Baga­tell­de­lik­te zur Last gelegt wer­den. Erst in der Sum­me über­schrei­ten die­se Straf­ta­ten die Baga­tell­gren­ze von 50 Tages­sät­zen. In einem Fall ist die Per­son psy­chisch krank, und braucht medi­zi­ni­sche Hil­fe statt einer Abschie­bung«.

Aus ande­ren Bun­des­län­dern lie­gen noch kei­ne Infor­ma­tio­nen vor. Dehn­bar ist der Begriff der »Aus­rei­se­pflich­ti­gen, die hart­nä­ckig ihre Mit­wir­kung an der Iden­ti­täts­fest­stel­lung ver­wei­gern«.  Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Begrif­fe »Straf­tä­ter« oder »Gefähr­der« von den Län­dern höchst unter­schied­lich aus­ge­legt wer­den. PRO ASYL weist dar­auf­hin, dass die­se Begrif­fe unbe­stimmt sind und man zudem regel­mä­ßig Asyl­su­chen­den unter­stellt, ihre Iden­ti­tät getäuscht zu haben. Nie­mand bei PRO ASYL hat Sym­pa­thi­en für Men­schen, die schwer kri­mi­nell sind. Straf­ta­ten muss mit den Mit­teln des Straf­rechts begeg­net wer­den. Wer Straf­ta­ten begeht, gehört vor Gericht gestellt und nach Ver­ur­tei­lung in Haft. Das öffent­li­che Her­aus­stel­len von Straf­tä­tern und deren Straf­ta­ten wie beim letz­ten Flug soll offen­bar gene­rel­le Akzep­tanz für Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan schaf­fen, die auf­grund der Sicher­heits­la­ge und der eska­lie­ren­den Kriegs­si­tua­ti­on unver­ant­wort­lich sind.

Hin­weis: PRO ASYL hat in einer umfang­rei­chen Stel­lung­nah­me zu den Lage­be­rich­ten des AA deren man­geln­de fach­li­che Qua­li­tät belegt.

 

 

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