19.11.2009

Kon­tro­ver­se über Flücht­lings­kin­der: eine schier unend­li­che Geschich­te poli­ti­schen Ver­sa­gens

Anläss­lich des 20. Jah­res­ta­ges der Ver­ab­schie­dung der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on am 20. Novem­ber for­dert die Bun­des­wei­te Arbeits­ge­mein­schaft für Flücht­lin­ge PRO ASYL die Bun­des­re­gie­rung und die Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges mit Nach­druck auf, die deut­sche Vor­be­halts­er­klä­rung end­lich zurück­zu­neh­men und das Aus­län­der- und Asyl­recht an die Bestim­mun­gen der Kon­ven­ti­on anzu­pas­sen.

„Durch die Vor­be­halts­er­klä­rung wer­den die Rech­te von Flücht­lings­kin­dern seit 20 Jah­ren von vorn­her­ein ein­ge­schränkt, ihre Schutz­be­dürf­tig­keit und das Kin­des­wohl nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt und inter­na­tio­na­le Völ­ker­rechts­stan­dards ver­letzt“, so Hei­ko Kauff­mann, Vor­stands­mit­glied von PRO ASYL.

Aus­gren­zungs­er­fah­run­gen bei Schu­le, Stu­di­um und Zugang zum Arbeits­markt, restrik­ti­ve Lebens­be­din­gun­gen, häu­fig unzu­rei­chen­de För­der- und Betreu­ungs­an­ge­bo­te sowie ein­ge­schränk­te medi­zi­ni­sche, psy­cho­lo­gi­sche und sozia­le Ver­sor­gung sei­en weit­ge­hend die Fol­ge der Rati­fi­ka­ti­ons­er­klä­rung zur Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on, mit der sich Deutsch­land das Recht vor­be­hal­ten hat, Unter­schie­de zwi­schen Inlän­dern und Aus­län­dern zu machen.

Seit der Rati­fi­zie­rung 1992 hat der Deut­sche Bun­des­tag Dut­zen­de Anfra­gen der Par­tei­en zur Umset­zung der Kon­ven­ti­on und 12 Ent­schlie­ßungs­an­trä­ge zur Rück­nah­me der Vor­be­halts­er­klä­rung behan­delt.

Sechs­mal for­der­te der Deut­sche Bun­des­tag mehr­heit­lich die Bun­des­re­gie­rung zur Rück­nah­me der Erklä­rung auf – aber jedes Mal ver­wei­ger­te der zustän­di­ge Innen­mi­nis­ter die Umset­zung die­ser Beschlüs­se.

„Die Aus­ein­an­der­set­zung über die Rech­te von Flücht­lings­kin­dern in Deutsch­land ist eine schier unend­li­che Geschich­te poli­ti­schen Ver­sa­gens, nicht ein­ge­lös­ter Ver­spre­chen, des nach­läs­si­gen Umgangs mit inter­na­tio­na­lem Recht und der Miss­ach­tung von Par­la­ments­be­schlüs­sen“, so Kauff­mann.

PRO ASYL begrüßt die Absichts­er­klä­rung der Regie­rungs-Koali­ti­on in ihrem Koali­ti­ons­ver­trag, die Vor­be­halts­er­klä­rung zur UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on zurück­zu­neh­men. Der Ankün­di­gung müs­sen nun Taten fol­gen. Immer­hin hat sich mit der Unter­schrift unter den Koali­ti­ons­ver­trag die Uni­on als die letz­te der im Bun­des­tag ver­tre­te­nen Par­tei­en posi­tiv zur Rück­nah­me der Erklä­rung geäu­ßert. Damit ist im Prin­zip der Weg frei, um mit der Rück­nah­me der Vor­be­hal­te ein glaub­wür­di­ges Signal für die Inte­gra­ti­ons­be­reit­schaft und Kin­der­freund­lich­keit der deut­schen Gesell­schaft zu set­zen.

Kon­takt

Tele­fon: 069 / 23 06 95

e-mail: presse@proasyl.de

Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen:

Dr. Erich Peter „Eine schier unend­li­che Geschich­te – Die deut­sche Rati­fi­ka­ti­ons­er­klä­rung zur UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on im Dis­kurs. Doku­men­ta­ti­on der rechts­po­li­ti­schen Kon­tro­ver­se um eine Rück­nah­me der deut­schen Rati­fi­ka­ti­ons­er­klä­rung“. Als Down­load auf der Home­page von PRO ASYL.

Falt­blatt „Flücht­lings­kin­der in Deutsch­land – poli­ti­scher und gesell­schaft­li­cher Hand­lungs­be­darf in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode“, erhält­lich bei PRO ASYL oder als Down­load auf der Home­page von PRO ASYL.

Hin­weis:

Am 19. und 20. Novem­ber 2009 ver­an­stal­tet der Arbeits­kreis Jun­ge Flücht­lin­ge des Flücht­lings­ra­tes Ber­lin ein Sym­po­si­um zur Situa­ti­on unbe­glei­te­ter min­der­jäh­ri­ger Flücht­lin­ge in Ber­lin „Flücht­lings­schutz gewäh­ren – Jugend­hil­fe garan­tie­ren!“.

Es fin­det statt in der Werk­statt der Kul­tu­ren der Welt, Wiss­mann­stra­ße 32, 12049 Ber­lin.

 Über­fäl­lig: UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on ohne Vor­be­hal­te (29.03.10)

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