13.12.2011
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Auge in Auge mit der emotionslosen Kamera. Foto: flickr / Mike Joa <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/">(CC BY-NC-ND 2.0)</a>

Der Einsatz von Video-Konferenztechnik bei der Anhörung von Asylsuchenden ist mit geltendem Recht nicht zu vereinbaren

Eine Aus­ar­bei­tung der wis­sen­schaft­li­chen Diens­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges belegt klipp und klar: Der Ein­satz von Video-Kon­fe­ren­zen bei der Anhö­rung von Asyl­su­chen­den durch das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge ist rechts­wid­rig. Der Geset­zes­wort­laut sowie die vom Gesetz­ge­ber gelie­fer­te Geset­zes­be­grün­dung gehen von einer per­sön­li­chen Anhö­rung aus. Wort­laut, His­to­rie, sys­te­ma­ti­sche und rechts­ver­glei­chen­de Aus­le­gung spre­chen ein­deu­tig dafür, dass die per­sön­li­che Anhö­rung auf die gleich­zei­ti­ge Anwe­sen­heit der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten in einem Raum ver­langt.

PRO ASYL for­dert als Kon­se­quenz die sofor­ti­ge Ein­stel­lung von Anhö­run­gen per Video-Kon­fe­renz beim Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge. Das Bun­des­amt hat­te bei der Ein­füh­rung der Tech­nik ver­wal­tungs­tech­ni­sche Aspek­te betont – etwa die gleich­mä­ßi­ge­re Aus­las­tung der Bun­des­amts-Außen­stel­len – und ver­spricht sich offen­bar Per­so­nal­kos­ten­ein­spa­run­gen. Vor­rang aber muss ein fai­res Asyl­ver­fah­ren haben. Die per­sön­li­che Anhö­rung ist deren Kern­stück. In Auf­trag gege­ben hat die Aus­ar­bei­tung der wis­sen­schaft­li­chen Diens­te im Bun­des­tag Ulla Jel­pke, innen­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Frak­ti­on Die Lin­ke.

Stu­die des Wis­sen­schaft­li­chen Diens­tes des Bun­des­ta­ges: „Ver­ein­bar­keit von Asyl­an­hö­run­gen mit­tels Video­kon­fe­renz­tech­nik mit den Bestim­mun­gen des Asyl­ver­fah­rens­ge­set­zes“ (PDF)

 Asyl­an­hö­rung per Video­kon­fe­renz (11.07.11)