21.12.2017
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Jedes Jahr begleiten wir etliche verfolgte Menschen in ihren Asylverfahren. Das PRO ASYL-Team hat 2017 tausende Beratungsgespräche geführt, über 700 Flüchtlingen standen wir mit Mitteln aus dem Rechtshilfefonds zur Seite. Zum Beispiel Amin Ishmaiil*, der vor den Terroristen von Al Shabaab fliehen musste.

Muba­rak, Soma­lia, Herbst 2014: Die Ter­ror­trup­pe Al Shaba­ab über­nimmt in dem Hei­mat­ort Amin Ish­maiils die Macht. Mehr­mals suchen deren Ver­tre­ter den Schü­ler auf und ver­lan­gen von ihm, bei ihnen mit­zu­ma­chen. Weil er sich wei­gert, kommt es immer wie­der zu Bedro­hun­gen. Als Regie­rungs­trup­pen und Sol­da­ten der AMISOM (Mis­si­on der Afri­ka­ni­schen Uni­on in Soma­lia, eine Frie­dens­trup­pe der Afri­ka­ni­schen Uni­on) die Ter­ro­ris­ten aus dem Ort ver­trei­ben, scheint zunächst Ruhe ein­zu­keh­ren. Nach wie vor ist die Al Shaba­ab jedoch rund um die Stadt aktiv.

Auf der Suche nach Amin tref­fen die Isla­mis­ten auf sei­nen Vater, den sie vor sei­ner Haus­tür erschie­ßen.

Die Rückkehr der Terroristen

Die Al Shaba­ab plant einen Spreng­stoff­an­schlag auf die im Ort sta­tio­nier­ten Regie­rungs­trup­pen und kon­tak­tiert Amin Ish­maiil erneut. Sie wol­len, dass er sich an dem Anschlag betei­ligt und dro­hen damit, ihn zu erhän­gen, falls er sich wei­gert. Um ihrer Dro­hung Nach­druck zu ver­lei­hen, über­sen­den sie ihm per Han­dy zehn Dol­lar, von denen er sich schon mal »sein Toten­hemd kau­fen« kön­ne. Kurz dar­auf ver­lässt die AMISOM die Stadt, wor­auf­hin die Al Shaba­ab erneut gewalt­sam die Macht über­nimmt. Für Amin Ish­maiil gibt es kei­nen Schutz mehr. Er flieht umge­hend. Auf der Suche nach ihm tref­fen die Isla­mis­ten auf sei­nen Vater, den sie vor sei­ner Haus­tür erschie­ßen.

»Ich habe das Dorf verlassen. Aber die Al-Shabaab hat mich gesucht«

Amin Ish­maiil schafft es bis nach Moga­di­schu, wo er Unter­schlupf bei einer Tan­te fin­det. Als die bei­den dort von dem Schick­sal des Vaters erfah­ren, schickt die ver­ängs­tig­te Tan­te den jun­gen Mann fort. Er hat kei­ne Wahl und flieht wei­ter. Mit einem LKW erreicht er Äthio­pi­en. Von dort führt sein Flucht­weg über den Sudan durch die Saha­ra nach Liby­en, dann wei­ter mit einem Flücht­lings­boot nach Ita­li­en. Mona­te­lang ist er unter­wegs, bis er im Okto­ber 2015 Deutsch­land erreicht, wo er einen Asyl­an­trag stellt.

Mai 2017: Das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge lehnt den Asyl­an­trag Amin Ish­maiils ab und kün­digt sei­ne Abschie­bung an.

Mai 2017: Das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge lehnt den Asyl­an­trag Amin Ish­maiils ab und kün­digt sei­ne Abschie­bung an.

Was wir tun

PRO ASYL setzt sich nun im Kla­ge­ver­fah­ren für den jun­gen Soma­li­er ein – so wie für vie­le ande­re Schutz­su­chen­de im ver­gan­ge­nen Jahr. Die Men­schen sind häu­fig ver­zwei­felt, weil ihnen Behör­den und Gerich­te den drin­gend nöti­gen Schutz ver­sa­gen. Flucht­grün­de wer­den infra­ge gestellt, Berich­te von Fol­ter und Ver­ge­wal­ti­gung wer­den igno­riert.

Um Schutz­su­chen­den wie Amin Ish­maiil zur Sei­te zu ste­hen, sind wir auf Ihre Unter­stüt­zung ange­wie­sen!

Immer wie­der erle­ben wir, dass unse­re Inter­ven­ti­on eine Wen­de bewirkt: Ver­fah­ren enden mit unse­rer Unter­stüt­zung für die Betrof­fe­nen häu­fig erfolg­reich. Mög­lich ist dies nur auf­grund der groß­zü­gi­gen Hil­fe unse­rer Mit­glie­der, Spen­de­rin­nen und Spen­der. Bit­te enga­gie­ren Sie sich des­halb zusam­men mit uns: Um Schutz­su­chen­den wie Amin Ish­maiil zur Sei­te zu ste­hen, sind wir auf Ihre Unter­stüt­zung ange­wie­sen.

*Name geändert