05.05.2017
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Für ihre Courage ausgezeichnet: Pfarrerin Doris Otminghaus aus Haßfurt (li.) und Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Pinneberg, Wolfgang Seibert. Fotos: picture alliance /Nicolas Armer/dpa (li.), Tobias Thieme

Wolfgang Seibert, Vorsitzender einer jüdischen Gemeinde, und Doris Otminghaus, evangelische Pfarrerin, erhalten den Menschrechtspreis 2017 der Stiftung PRO ASYL. Beide öffnen ihre Gotteshäuser ganz selbstverständlich für Schutzsuchende.

Von Abschie­bung bedroh­te Flücht­lin­ge fin­den Schutz in Syn­ago­ge und Kir­che: Das Asyl im Got­tes­haus ist die letz­te Chan­ce, eine huma­ni­tä­re Lösung her­bei­zu­füh­ren und nicht zu Krieg, Gewalt und Bedro­hung zurück­keh­ren zu müs­sen.

Die Stif­tung PRO ASYL ver­leiht ihren dies­jäh­ri­gen Men­schen­rechts­preis, die PRO ASYL-Hand, daher an zwei her­aus­ra­gend enga­gier­te Per­so­nen, die Schutz­su­chen­den Asyl in ihrer Syn­ago­ge bzw. ihrer Kir­che bie­ten und sie so vor Abschie­bung schüt­zen.

Wolfgang Seibert, Pinneberg

Wolf­gang Sei­bert, lang­jäh­ri­ger Vor­sit­zen­der der jüdi­schen Gemein­de Pin­ne­berg bei Ham­burg, schützt mit Rück­halt sei­ner Gemein­de über Mona­te hin­weg einen jun­gen Juden vor der Abschie­bung nach Afgha­ni­stan. »Men­schen in Not muss man hel­fen«, so Sei­berts Über­zeu­gung.

Als ers­te und bis­lang ein­zi­ge jüdi­sche Gemein­de in Deutsch­land hat die Gemein­de in Pin­ne­berg in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bereits meh­re­ren Schutz­be­dürf­ti­gen unge­ach­tet ihrer Reli­gi­on in ihren Räu­men Asyl gebo­ten. »Die jüdi­sche Geschich­te ist eine Geschich­te von Flucht und Ver­trei­bung«, sagt Sei­bert. Auch des­halb habe sich sei­ne Gemein­de »schon immer in der Flücht­lings­po­li­tik enga­giert«.

Doris Otminghaus, Haßfurt

Zur glei­chen Zeit in Bay­ern: Doris Otming­haus, evan­ge­li­sche Pfar­re­rin im frän­ki­schen Haß­furt, beher­bergt mit Unter­stüt­zung ihrer Gemein­de seit Ende 2016 meh­re­re jun­ge Flücht­lin­ge im Kir­chen­asyl, die unmit­tel­bar von Abschie­bung, unter ande­rem nach Afgha­ni­stan, bedroht sind.

Bis vor kur­zem wur­de der »Schutz­raum Kir­chen­asyl« in der Pfar­rei von Otming­haus behörd­li­cher­seits auch weit­ge­hend akzep­tiert. Hier wie auch anders­wo bot das Kir­chen­asyl Anlass,  Ein­zel­fäl­le noch ein­mal inten­siv zu über­prü­fen. Nun aber gera­ten vor allem in Bay­ern Pfarrer*innen zuneh­mend ins Visier der Behör­den, wenn sie Flücht­lin­gen Schutz bie­ten. Wegen »Bei­hil­fe zum ille­ga­len Auf­ent­halt« in meh­re­ren Fäl­len ermit­tel­te zwi­schen­zeit­lich die Staats­an­walt­schaft gegen Otming­haus und ande­re.

Der Preis­trä­ger und die Preis­trä­ge­rin erin­nern aus Sicht von PRO ASYL die gesam­te Gesell­schaft dar­an, dass Huma­ni­tät und Men­schen­rech­te Maß­stab poli­ti­schen Han­delns sein müs­sen.