21.04.2017
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Gabriele Del Grande im Jahr 2010, als er den Menschenrechtspreis der Stiftung PRO ASYL verliehen bekam. Foto: Gustavo Alabiso

Am 9. April 2017 wurde der Journalist und Menschenrechtsaktivist in der Türkei festgenommen – ohne Angabe von Gründen. Er hatte in der Nähe der syrisch-türkischen Grenze recherchiert und Flüchtlinge interviewt. Gegen seine Inhaftierung protestiert der Menschenrechtspreisträger der Stiftung PRO ASYL nun mit einem Hungerstreik.

UPDATE: Gabrie­le Del Gran­de ist nach Anga­ben des ita­lie­ni­schen Außen­mi­nis­ters frei­ge­las­sen wor­den und auf dem Weg nach Ita­li­en. (24.04.2017)

In der Süd­ost­tür­kei woll­te Gabrie­le Del Gran­de für sein neu­es­tes Pro­jekt mit syri­schen Flücht­lin­gen spre­chen und wur­de offen­bar des­halb fest­ge­nom­men. »Mei­ne Ver­haf­tung hängt mit dem Inhalt mei­ner Arbeit zusam­men«, sag­te er im ers­ten Tele­fo­nat, das der Jour­na­list nach über einer Woche Haft mit sei­ner Fami­lie füh­ren durf­te. Die tele­fo­ni­sche Nach­richt vom 18. April 2017, die über die Face­book­sei­te sei­nes Doku­men­tar­films Film »Io sto con la spo­sa« (dt.: »An der Sei­te der Braut«) ver­brei­tet wur­de, hat der Frei­tag unge­kürzt über­setzt und doku­men­tiert.

»Mei­ne Doku­men­te sind in Ord­nung, aber es ist mir weder erlaubt, einen Anwalt zu benen­nen, noch wur­de mir mit­ge­teilt, wann die Haft been­det sein wird. […] ich darf nicht tele­fo­nie­ren; mein Tele­fon und mei­ne Sachen wur­den beschlag­nahmt, obwohl mir kei­ne Straf­tat zur Last gelegt wird.«

Gabrie­le Del Gran­de

Del Gran­de befin­det sich in Iso­la­ti­ons­haft. Gegen sei­ne Behand­lung durch die tür­ki­schen Behör­den pro­tes­tiert der Men­schen­rechts­ak­ti­vist nun mit einem Hun­ger­streik und bit­tet um Soli­da­ri­tät.

»Ab heu­te Abend wer­de ich in Hun­ger­streik tre­ten und ich rufe alle dazu auf, sich dafür ein­zu­set­zen, dass mei­ne Rech­te respek­tiert wer­den.«

Gabrie­le Del Gran­de

Tausende setzen sich für die Freilassung ein

Gabrie­les Appell hat die Öffent­lich­keit auf­ge­rüt­telt. Die ita­lie­ni­sche Regie­rung und tau­sen­de Freund*innen in Ita­li­en und Euro­pa for­dern Frei­heit für Gabrie­le del Gran­de, eine ent­spre­chen­de Peti­ti­on wur­de schon von über 38.000 Men­schen unter­zeich­net und unter dem Hash­tag #ios­to­con­g­a­brie­le bekun­den etli­che ihre Soli­da­ri­tät. Auch der Prä­si­dent des Euro­päi­schen Par­la­ments, Anto­nio Taja­ni, for­der­te die »sofor­ti­ge Frei­las­sung« Del Gran­des »und aller unge­recht­fer­tigt in der Tür­kei inhaf­tier­ten Jour­na­lis­ten«.

Unermüdlicher Kämpfer für Flüchtlingsrechte

PRO ASYL arbei­tet seit vie­len Jah­ren mit Gabrie­le del Gran­de zusam­men. Sein Blog »Fort­ress Euro­pe« ist zu einer der wich­tigs­ten Doku­men­ta­ti­ons­stel­len gegen die euro­päi­sche Abschot­tung gewor­den. 2010 hat Stif­tung PRO ASYL ihm ihren Men­schen­rechts­preis ver­lie­hen und damit sei­ne jah­re­lan­ge Doku­men­ta­ti­on von Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen an Euro­pas Gren­zen gewür­digt.

Auch in den Jah­ren danach beschäf­tig­te sich der Jour­na­list immer wie­der mit dem The­ma Flucht und Migra­ti­on – etwa in sei­nem Film »Io sto con la spo­sa«. Zu sei­nen Moti­ven, die­sen Film zu machen und damit syri­sche Flücht­lin­ge aus Ita­li­en nach Schwe­den zu gelei­ten, sag­te Gabrie­le del Gran­de damals: »[Am Mai­län­der Haupt­bahn­hof] haben wir Abdal­lah, einen jun­gen Stu­den­ten aus Damas­kus, ken­nen­ge­lernt, wir sind Freun­de gewor­den, wir saßen oft zusam­men und rede­ten über sei­ne Plä­ne, nach Schwe­den zu kom­men. Die Idee, eine Hoch­zeit zu insze­nie­ren [und mit die­ser Tar­nung nach Schwe­den zu rei­sen], kam eines Abends nach einem gemein­sa­men Essen«.

Freiheit für die inhaftierten Journalisten in der Türkei!

Wir for­dern, dass Gabrie­le del Gran­de unver­züg­lich frei kommt – und mit ihm die über 150 wei­te­ren Jour­na­lis­ten, die aktu­ell wegen der Aus­übung ihres Beru­fes in der Tür­kei inhaf­tiert sind, dar­un­ter auch der groß­ar­ti­ge WELT-Kor­re­spon­dent Deniz Yücel.