26.03.2014
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Zeichnung eines auf der Weihnachtsinsel inhaftierten Flüchtlingskindes. Diese und weitere hat die australische Zeitung Sydney Morning Herald in einer <a href="http://www.smh.com.au/photogallery/national/wish-we-werent-here-childrens-postcards-from-christmas-island-20140325-35eot.html?aggregate=&selectedImage=0" target="_blank">Bildergalerie</a> veröffentlicht.

Flüchtlingskinder sprechen sich mit ihren Registriernummern an. Sie beißen sich selbst und zeichnen Bilder, auf denen sie um Hilfe rufen. Nach dem Besuch eines Haftzentrums für Asylsuchende auf der Weihnachtsinsel zeigt sich die australische Menschenrechtskommission alarmiert.

Die Zahl der auf dem australischen Festland und auf den Inseln inhaftierten Kinder schätzt die australische Menschenrechtskommission auf rund 1000. Die Untersuchung ihrer Lebenssituation soll zeigen, wie sie sich die Haft auf die Gesundheit und die Entwicklung von Kindern auswirkt und ob die australische Flüchtlingspolitik mit der UN-Kinderrechtskonvention vereinbar ist. Im Zuge der im Februar gestarteten Untersuchung besuchte die Präsidentin der australischen Menschenrechtskommission, Gillian Triggs, die Weihnachtsinsel. Dort leben nach ihren Angaben 315 Kinder, die meisten seit sechs bis acht Monaten.

Laut Triggs sind die Zustände in dem Haftlager inhuman, sie führen zu schweren psychischen Störungen und Entwicklungsverzögerungen. Die Kinder erlebte sie sichtlich verstört, voller Angst und depressiv. Kinder beschrieben Triggs das Lager als „Hölle“ und baten um Hilfe, von dort wegzukommen. Andere sprachen gar nicht mehr. Teilweise würden sie ihre Betten einnässen, ihre Köpfe gegen Wände schlagen oder sich selber beißen und kratzen. Auf Zeichnungen sehen sie sich vielfach hinter Gitterstäben. Am 4. April ist eine öffentliche Anhörung der Untersuchungsergebnisse anberaumt.

Bereits 2004 hatte die australische Menschenrechtskommission die Situation von Flüchtlingskindern untersucht. Sie hatte Australien fundamentale Verstöße gegen seine menschenrechtlichen Verpflichtungen bescheinigt und vor den schwerwiegenden psychischen Schäden gewarnt, die Kinder durch die Haft erleiden können. Durch die australischen Gesetze riskieren Kinder ohne gültige Visa so lange in geschlossenen Anlagen inhaftiert zu werden, bis sie ein Visum bekommen oder abgeschoben werden.

Seit 2001 verfolgt Australien darüberhinaus die Strategie der „pazifischen Lösung“: Die völkerrechtswidrige Inhaftierung von Bootsflüchtlingen – viele aus Afghanistan oder Sri Lanka – auf Pazifikinseln wie Nauru (eigener Inselstaat), Manus (gehört zu Papua-Neuguinea) oder der rund 300 Kilometer südlich von Jakarta gelegenen Weihnachtsinsel (Australien).

 Menschenrechtsorganisationen zufolge ist die Lage der Flüchtlinge auf den Inseln desperat. Sie wissen nicht, wie lange sie inhaftiert werden, ihre Verfahren ziehen sich teilweise über Jahre hin. Sie werden nicht vor dem heiß-feuchten Klima geschützt. Ihre Lebensbedingungen sind so schlecht, dass auf Manus bezeichnenderweise Bediensteten geraten wird, das Lager nicht ohne ein Messer zu betreten, mit dem sich etwa bei Selbstmordversuchen der Strang durchtrennen lässt.

In Papua-Neuguinea gibt es Bestrebungen, die Lebensumstände der Flüchtlinge in dem von Australien auf der Insel Manus installierten Haftzentrum zu untersuchen.  

 Australien versenkt Flüchtlingsrechte im Pazifik (23.07.13)