13.09.2013
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Berlin, Marzahn-Hellersdorf: Bürgerinnen und Bürger stellen sich rassistischen Protesten gegen eine dort eingerichtete Flüchtlingsnotunterkunft entgegen. Foto: Flickr - ekvidi.

Mit einem Aufruf fordern Vertreterinnen und Vertreter von Religionsgemeinschaften, Bildungseinrichtungen, Verbänden und Menschenrechtsorganisationen eine Politik, die Flüchtlinge schützt und nicht zur Zielscheibe rassistischer Hetze werden lässt.

Anlass für den Auf­ruf, der von Akti­on Süh­ne­zei­chen Frie­dens­diens­te, der Ama­deu Anto­nio Stif­tung, Pro Asyl und der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Kir­che und Rechts­ex­tre­mis­mus heu­te ver­öf­fent­licht wird, sind die zuneh­men­den aggres­si­ven Pro­tes­te bis hin zu Gewalt­ta­ten gegen Flücht­lin­ge, Asyl­su­chen­de und neue Heim­stand­or­te in Ost- und West­deutsch­land sowie poli­ti­sche Dis­kur­se, in denen Flücht­lin­ge als „nicht anpas­sungs­fä­hig“ abge­wer­tet und Flücht­lings­zah­len als „alar­mie­rend“ bezeich­net wer­den, obwohl die­se bei­spiels­wei­se im Ver­gleich mit der hohen Zahl der Flücht­lin­ge in den Nach­bar­län­dern Syri­ens äußerst gering sind.

Die Erst­un­ter­zeich­ne­rin­nen und ‑unter­zeich­ner des Appells for­dern daher: „Die Aus­gren­zung von Flücht­lin­gen und Asyl­su­chen­den muss been­det wer­den. Wir wol­len ein gesell­schaft­li­ches Kli­ma des Will­kom­mens schaf­fen, anstatt Flücht­lin­ge zum Pro­blem zu erklä­ren und ras­sis­ti­sche Kam­pa­gnen auf dem Rücken von Schutz­su­chen­den zu füh­ren. Von Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­kern aller demo­kra­ti­schen Par­tei­en erwar­ten wir, dass sie sich für fai­re und zügi­ge Asyl­ver­fah­ren, den Zugang von Asyl­su­chen­den zu Deutsch- und Inte­gra­ti­ons­kur­sen und zum Arbeits­markt ein­set­zen statt ras­sis­ti­schen Vor­ur­tei­len oder rechts­po­pu­lis­ti­schen Kam­pa­gnen Vor­schub zu leis­ten. Ziel muss es sein, die Betrof­fe­nen zu inte­grie­ren statt auszugrenzen.“

Kon­kret for­dern die Unter­zeich­nen­den ein Recht auf dezen­tra­le Unter­brin­gung für Asyl­su­chen­de in men­schen­wür­di­gen Woh­nun­gen statt Mas­sen­un­ter­künf­ten in Bara­cken und Con­tai­nern, die Abschaf­fung der Resi­denz­pflicht und ein Recht auf Bewe­gungs­frei­heit von Asyl­su­chen­den in Deutsch­land und die Abschaf­fung der Benach­tei­li­gun­gen für Asyl­su­chen­de beim Zugang zu Bil­dung, Beschäf­ti­gung und Sozi­al­leis­tun­gen. „Unab­hän­gig vom Auf­ent­halts­sta­tus muss Asyl­su­chen­den schnellst­mög­lich ein gleich­ran­gi­ger Zugang zu beruf­li­cher Aus­bil­dung und Beschäf­ti­gung gewährt wer­den. Das sog. Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz muss abge­schafft wer­den“, so der Aufruf.

Alle müss­ten Sor­ge dafür tra­gen, dass poli­ti­sche Debat­ten wie in den frü­hen 1990 Jah­ren mit „Das-Boot-ist-voll“-Rhetorik und einer Wel­le ras­sis­ti­scher und neo­na­zis­ti­scher Gewalt nicht wie­der­keh­ren. In Fol­ge die­ser Gewalt­wel­le und Debat­ten wur­den über 150 Men­schen getö­tet und cir­ca zehn­tau­send Men­schen zum Teil dau­er­haft verletzt.

Zu den Unter­zeich­nen­den zäh­len unter vie­len ande­ren 13 lei­ten­de Geist­li­che Evan­ge­li­scher Kir­chen in Deutsch­land – dar­un­ter die Bischö­fin­nen und Bischö­fe von Sach­sen, Ber­lin-Bran­den­burg und schle­si­sche Ober­lau­sitz, Baden, der Evan­ge­li­schen Kir­che in Mit­tel­deutsch­land und Han­no­ver –, drei Bun­des­tags-Vize­prä­si­den­tin­nen und ‑prä­si­den­ten, DGB-Bun­des­vor­stands­mit­glied Anne­lie Bun­ten­bach sowie Gesi­ne Schwan, Bea­tri­ce von Weiz­sä­cker, die Schau­spie­le­rin Iris Ber­ben und zahl­rei­che Theo­lo­gIn­nen, zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen und WissenschaftlerInnen.

Zum Auf­ruf im Wortlaut

Bericht zum Auf­ruf in der Süd­deut­schen Zeitung