13.10.2014
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Aktivisten beim Bekanntmachen des Alarm-Phones beim <a href="http://thevoiceforum.org/node/3759">Jubiläum 20 Jahre The Voice Refugee Forum in Jena</a>. Foto: <a href="http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/foto3/041014the_voice_html/index.htm">Umbruch-Bildarchiv</a>

Am 11. Oktober 2013 ertranken 260 Flüchtlinge vor Lampedusa. Alle hätten gerettet werden können, wenn die Behörden sofort die Rettung veranlasst hätten. Was wäre gewesen, wenn die Flüchtlinge eine Notrufnummer gehabt hätten, über die AktivistInnen Druck auf die Behörden hätten ausüben können? Watch the Med hat jetzt ein „Alarm Phone“ für Boat People eingerichtet.

Das von PRO ASYL geförderte Projekt Watch the Med hat ein Notruf-Telefon eingerichtet, das Flüchtlinge in Seenot anrufen können, wenn Seenotrettungsdienste nach Notrufen nicht tätig werden. Die zuständigen Teams alarmieren die zuständigen Seenotrettungsbehörden, fordern von Ihnen sofortige Rettungsaktionen ein und dokumentieren die Vorgänge. Das Telefon wird rund um die Uhr besetzt sein, mit einem multilingualen Team in Bereitschaft, getragen von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten von beiden Seiten des Mittelmeeres.

Alarm Phone for Boatpeople in Distress at Sea: + 334 86 51 71 61

Bislang war Watch the Med ein Monitoring-Projekt, das auf einer interaktiven Karte des Mittelmeeres basiert Daten über Seenotrettungszonen, Einsatzgebiete von Küstenwachen und Frontex sowie Informationen zu Windbewegungen und Strömungen anzeigt. Verknüpft mit Satellitenfotos, Notrufaufzeichnungen, Handydaten und Zeugenaussagen von Flüchtlingen lassen sich so Bewegungsbilder von Flüchtlingsbooten erstellen und gegebenenfalls unterlassene Hilfeleistung nachweisen und vor Gericht bringen. Ein Beispiel: Die Recherchen von Watch the Med zur Katastrophe vom 11. Oktober 2013 vor Lampedusa.

Mit ihrem jetzt eingerichteten Notruftelefon setzt die Initiative darauf, dass ihre Zeugenschaft die Seenotrettungs-Behörden akut unter Druck setzen kann, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Denn immer wieder haben Seenotrettungsbehörden die Verantwortung für schiffbrüchige Flüchtlinge so lange hin- und hergeschoben, bis zahlreiche Flüchtlinge ertrunken oder, wie etwa im Falle einer gut dokumentierten Katastrophe von April 2011, auf ihrem Tage lang driftenden Boot verdurstet waren. Auch gegen völkerrechtswidrige Zurückweisungen, sogenannte Push Backs, soll die Notrufnummer und die Zeugenschaft der Telefon-Teams von Watch the Med helfen.

Keine Lösung, sondern Intervention im Notfall

Eigene Rettungsaktionen kann das Projekt nicht ausführen, so betont die Initiative. Das „Alarm Phone“ kann nur die Rettungspflichten europäischer Staaten einklagen. „Unser Projekt ist keine Lösung, sondern Intervention im Notfall“, so die Initiative.

Angesichts der über 3.000 Todesfälle in diesem Jahr und den 25000 Toten an den EU-Außengrenzen seit dem Jahr 2000 muss die Europäische Union endlich ein gemeinsames effektives System zur Seenotrettung von Flüchtlingen etablieren. PRO ASYL fordert daher den sofortigen Aufbau eines europäischen Seenotrettungsdienstes.

Um das Sterben von Flüchtlingen an den EU-Außengrenzen zu beenden gibt es letztlich nur eine sichere Option: Die Öffnung legaler und gefahrenfreier Wege für Schutzsuchende. Solange diese nicht existieren, werden Initiativen wie das Alarmtelefon eine traurige und dringende Notwendigkeit bleiben.

FAQ zum Projekt