01.11.2014

Newsletter Nov 2014

In einem Urteil des Euro­päi­scher Men­schen­rechts­ge­richts­hof (EGMR) vom 21. Okto­ber 2014 im Fall Shari­fi and Others v. Ita­ly and Greece ver­ur­teilt das Gericht Ita­li­en, weil des­sen Grenz­po­li­zei nach­weis­lich vier afgha­ni­sche Flücht­lin­ge ohne indi­vi­du­el­le Prü­fung und Rechts­grund­la­ge nach Grie­chen­land abge­scho­ben hat. Damit haben die ita­lie­ni­schen Behör­den die Schutz­su­chen­den den dort herr­schen­den unhalt­ba­ren Zustän­den für Asyl­su­chen­de aus­ge­setzt und unter ande­rem gegen das Ver­bot der Kol­lek­tiv­aus­wei­sung aus­län­di­scher Per­so­nen und das Ver­bots der Fol­ter oder unmensch­li­cher Behand­lung (Arti­kel 3 EMRK) ver­sto­ßen, so das Gericht. Das flücht­lings- und men­schen­rechts­wid­ri­ge Vor­ge­hen der ita­lie­ni­schen Behör­den  haben Flücht­lings­or­ga­ni­sa­tio­nen schon vor eini­gen Jah­ren ange­pran­gert. Im Som­mer 2012 ver­öf­fent­lich­ten PRO ASYL und der Grie­chi­sche Flücht­lings­rat den Bericht „Human Car­go. Arbi­tra­ry read­mis­si­on from the Ita­li­an Sea Ports to Greece“, der sys­te­ma­ti­sche völ­ker­rechts­wid­ri­ge Zurück­wei­sun­gen von Ita­li­en nach Grie­chen­land doku­men­tiert. Wie mensch­li­che Fracht behan­delt wer­den Flücht­lin­ge, die in ita­lie­ni­schen Häfen auf­ge­grif­fen wer­den, immer wie­der von ita­lie­ni­schen Grenz­po­li­zis­ten ille­gal zurück­ge­wie­sen, häu­fig beglei­tet von Miss­hand­lun­gen.

Im Urteil wird zugleich Grie­chen­land ver­ur­teilt. Auf­grund sys­te­ma­ti­scher Män­gel im grie­chi­schen Asyl­sys­tem hat­ten die Betrof­fe­nen dort kei­nen Chan­ce auf Zugang zu einem Asyl­ver­fah­ren gehabt, den Klä­gern droh­te das Risi­ko der Abschie­bung nach Afgha­ni­stan, wo die Betrof­fe­nen mit hoher Wahr­schein­lich­keit Miss­hand­lun­gen aus­ge­setzt gewe­sen wären, so der Men­schen­rechts­ge­richts­hof. Damit bekräf­tigt es sein weg­wei­sen­des Urteil von Janu­ar 2011, mit dem es Grie­chen­land zu einem unsi­che­ren Land für Asyl­su­chen­de erklär­te. Dank die­ses Urteils von 2011 hat Ita­li­en wie die meis­ten EU-Mit­glied­staa­ten Abschie­bun­gen nach Grie­chen­land offi­zi­ell aus­set­zen müs­sen. Grund­la­ge sol­cher Abschie­bun­gen war die Dub­lin-Rege­lung, wonach Asyl­su­chen­de dort ihr Asyl­ver­fah­ren druch­lau­fen müs­sen, wo sie erst­mals in die EU ein­ge­reist sind. Dass die­se Zustän­dig­keits­re­ge­lung nicht durch­ge­setzt wer­den darf, wenn in dem Ein­rei­se­staat Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen dro­hen, hat­te der EGMR 2011 klar­ge­stellt.