31.08.2017

PRO ASYL: Bun­des­in­nen­mi­nis­ter de Mai­ziè­re will Des­in­te­gra­ti­ons­po­li­tik fort­set­zen

»Vor zwei Jah­ren for­mu­lier­te Kanz­le­rin Mer­kel den Satz „Wir schaf­fen das“, der von Flücht­lin­gen und ihren Unter­stüt­ze­rIn­nen als Ermu­ti­gung ver­stan­den wur­de. Kurz dar­auf durf­te der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter einen Fall­strick nach dem ande­ren span­nen, um die Inte­gra­ti­on zu erschwe­ren«, erin­nert PRO ASYL-Geschäfts­füh­rer Gün­ter Burk­hardt. Zu die­sen Maß­nah­men gehör­te die Ver­hin­de­rung des Fami­li­en­nach­zugs zu Men­schen mit sub­si­diä­rem Schutz. Jetzt hat sich de Mai­ziè­re dazu bekannt, die­se Bar­rie­re nach der Wahl auf­recht­erhal­ten zu wol­len.

Die­se Absichts­er­klä­rung ist mit dem Grund­ge­setz nicht ver­ein­bar, nicht ein­mal mit dem Wahl­pro­gramm von CDU/CSU. Das Grund­ge­setz schützt nicht nur deut­sche Fami­li­en. CDU/CSU wer­ben mit Fami­li­en­freund­lich­keit – fort­ge­setzt wird die gegen­tei­li­ge Poli­tik gegen­über Flücht­lin­gen.

Die Aus­set­zung des Fami­li­en­nach­zugs für Kriegs­flücht­lin­ge, vor allem aus Syri­en, ist inte­gra­ti­ons­feind­lich und muss unmit­tel­bar nach der Bun­des­tags­wahl been­det wer­den, for­dert PRO ASYL. Solan­ge die Betrof­fe­nen in Angst um ihre Ange­hö­ri­gen leben, die im Her­kunfts­staat oder Erst­auf­nah­me­staa­ten unter schwie­ri­gen und gefähr­li­chen Umstän­den leben, fällt es vie­len schwer, Deutsch zu ler­nen, eine Aus­bil­dung zu absol­vie­ren, sich Arbeit suchen.

Zwei Jah­re nach Mer­kels »Wir schaf­fen das« steht auch ein gro­ßer Teil der afgha­ni­schen Flücht­lin­ge ohne einen Schutz in Deutsch­land da. Die Schutz­quo­te beim Bun­des­amt sank von rund 80% in 2015 auf nun­mehr unter 50% in 2017 – trotz ver­schärf­ter Kon­flikt­si­tua­ti­on im Her­kunfts­land. Die Andro­hung der Abschie­bung und die jah­re­lan­ge Unsi­cher­heit über den Auf­ent­halts­sta­tus sind von der Regie­rung mit­ver­schul­de­te Inte­gra­ti­ons­hür­den.

PRO ASYL wür­digt das enga­gier­te Han­deln von Tau­sen­den von Men­schen in zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen, Schu­len, Betrie­ben, Ver­ei­nen, aber auch in Kom­mu­nen. Die von der Bun­des­re­gie­rung errich­te­ten Inte­gra­ti­ons­bar­rie­ren, wozu auch der Auschluss von Sprach­kur­sen für Schutz­su­chen­de angeb­lich »ohne Bleibe­per­spek­ti­ve«, die Unter­brin­gung in Groß­la­gern sowie die spä­te Ver­tei­lung auf Kom­mu­nen gehört, erschwe­ren jedoch das Ankom­men von Flücht­lin­gen.

PRO ASYL for­dert, die in den letz­ten bei­den Jah­ren von Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag beschlos­se­nen Aus­gren­zungs­maß­nah­men zu revi­die­ren. Wenn auf den letz­ten Metern des Wahl­kamp­fes For­de­run­gen nach einer flücht­lings­feind­li­chen Poli­tik pro­pa­giert wer­den, scha­det dies der gesam­ten Gesell­schaft. Denn es ist nicht zu erwar­ten, dass in abseh­ba­rer Zeit zehn­tau­sen­de in Deutsch­land leben­de Flücht­lin­ge etwa nach Afgha­ni­stan oder nach Syri­en zurück­keh­ren kön­nen.

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