02.06.2022

PRO ASYL, Bun­des­fach­ver­band UMF, Jugend­li­che ohne Gren­zen, Baye­ri­scher Flücht­lings­rat und Würz­bur­ger Flücht­lings­rat haben heu­te im Rah­men einer Pres­se­kon­fe­renz gefor­dert: „Blei­be­recht und Auf­nah­me jetzt!“

Gut inte­grier­te Geflüch­te­te wer­den von den Landesinnenminister*innen und ‑senator*innen abge­scho­ben, obwohl für sie zeit­nah ein Blei­be­recht in Aus­sicht steht. Tau­sen­de Men­schen in Afgha­ni­stan, die sich für Demo­kra­tie und west­li­che Wer­te ein­ge­setzt haben, ban­gen seit vie­len Mona­ten um ihr Leben und eine Auf­nah­me nach Deutsch­land. Zu die­sen Miss­stän­den haben heu­te die Orga­ni­sa­tio­nen PRO ASYL, Bun­des­fach­ver­band unbe­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge (BumF), Jugend­li­che ohne Gren­zen (JoG), Baye­ri­scher Flücht­lings­rat und Würz­bur­ger Flücht­lings­rat For­de­run­gen an die Innenminister*innen-Konferenz gestellt.

#Blei­be­recht­Jetzt und Abschie­be­stopp erlassen

242.000 geflüch­te­te Men­schen leben in Deutsch­land mit dem unsi­che­ren Sta­tus der Dul­dung, der Groß­teil von ihnen schon seit vie­len Jah­ren. Die meis­ten sind aus dem Irak, Afgha­ni­stan, Nige­ria, dem Iran oder aus rus­si­schen Teil­re­pu­bli­ken wie Tsche­tsche­ni­en geflo­hen und kön­nen auf abseh­ba­re Zeit nicht in ihr Her­kunfts­land zurück. Ihr All­tag ist geprägt von Per­spek­tiv­lo­sig­keit, Angst vor einer Abschie­bung und der Ein­schrän­kung sozia­ler Rechte.

Wieb­ke Judith, Team­lei­tung Recht & Advo­cacy bei PRO ASYL, mahn­te: „Die im Koali­ti­ons­ver­trag ange­kün­dig­ten Ver­bes­se­run­gen beim Blei­be­recht, gera­de das Chan­cen-Auf­ent­halts­recht, wären ein Ret­tungs­an­ker für vie­le Men­schen, die stän­dig mit der Angst vor Abschie­bung leben müs­sen. Doch aktu­ell wer­den von den Bun­des­län­dern wei­ter­hin Men­schen abge­scho­ben, die zeit­nah unter die­se Blei­be­rechts­re­ge­lung fal­len wür­den. Das muss ein Ende haben – zunächst durch ein ent­spre­chen­des Abschie­bungs­ver­bot oder Vor­griffs­er­las­se und dann durch zügi­ge Umset­zung der Vor­ha­ben auf Bundesebene.“

PRO ASYL hat die Kam­pa­gne #Recht­Auf­Zu­kunft ins Leben geru­fen mit der For­de­rung, dass die­je­ni­gen, die nach den Wün­schen der Regie­rung von den neu­en Rege­lun­gen pro­fi­tie­ren sol­len, nicht jetzt noch abge­scho­ben wer­den, solan­ge kein ent­spre­chen­des Gesetz erlas­sen wurde.

Lenn­art Scholz vom BumF berich­te­te von dem All­tag der Jugend­li­chen: „Wir ken­nen vie­le Kin­der, Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne, die oft über Jah­re in einem Schwe­be­zu­stand gehal­ten wer­den, mit stän­di­ger Angst vor der Abschie­bung. Hier muss eine Kehrt­wen­de voll­zo­gen wer­den. Wir brau­chen eine zeit­na­he, groß­zü­gi­ge und unbü­ro­kra­ti­sche Umset­zung der ange­kün­dig­ten Ände­run­gen der Blei­be­rechts­re­ge­lun­gen. Dabei müs­sen wir gene­rell weg­kom­men von der engen Vor­stel­lung einer ‚guten Inte­gra­ti­on‘. Aner­kannt wird bis­her meist nur Erfolg in der Schu­le und Lohn­ar­beit – um jeden Preis. Wir for­dern die Aner­ken­nung von viel­fäl­ti­gen Arten, in die­ser Gesell­schaft anzu­kom­men, sich zu enga­gie­ren und einzubringen.“

Johan­na Böhm, Spre­che­rin des Baye­ri­schen Flücht­lings­rats, kri­ti­sier­te ins­be­son­de­re die Ver­su­che des baye­ri­schen Innen­mi­nis­te­ri­ums, die Blei­be­rechts­re­ge­lung zu unter­lau­fen: „Seit Mona­ten dis­kre­di­tiert Bay­erns Innen­mi­nis­ter die geplan­ten Ver­bes­se­run­gen beim Blei­be­recht als För­der­pro­gramm für ille­ga­le Migra­ti­on und wei­gert sich, einen Abschie­be­stopp anzu­ord­nen. Statt­des­sen for­ciert Bay­ern die Abschie­bung von Geflüch­te­ten mit Ein­zel- und Sam­mel­ab­schie­bun­gen in nahe­zu alle Kriegs- und Kri­sen­re­gio­nen die­ser Welt. Zudem ver­wei­gern die baye­ri­schen Aus­län­der­be­hör­den immer häu­fi­ger die Ertei­lung der bereits jetzt schon bestehen­den Blei­be­rech­te. Auch der Vor­sit­zen­de der Innneminister*innenkonferenz muss sol­che Ver­fah­ren­stricks in sei­nem Bun­des­land abstel­len, da sonst alle Ver­bes­se­run­gen ins Lee­re lau­fen würden! “

#DontF­or­ge­tAf­gha­ni­stan: schnel­le Auf­nah­me, jetzt!

Seit der Macht­über­nah­me der Tali­ban in Afgha­ni­stan im August 2021 sind dort wei­ter­hin Men­schen, die zum Bei­spiel für deut­sche Orga­ni­sa­tio­nen oder die Bun­des­wehr gear­bei­tet haben und des­we­gen von den Tali­ban ver­folgt wer­den, in Lebens­ge­fahr. Die ver­spro­che­ne Auf­nah­me durch die alte und neue Bun­des­re­gie­rung geht zu lang­sam vor­an und zu vie­le gefähr­de­te Per­so­nen fal­len nicht unter die eng gesteck­ten Kriterien.

Robi­na Kari­mi, Spre­che­rin bei JoG, for­der­te des­halb: „Es braucht funk­tio­nie­ren­de und unbü­ro­kra­ti­sche Bun­des- und Lan­des­auf­nah­me­pro­gram­me, die schnel­le Auf­nah­me beson­ders gefähr­de­ter Afghan*innen, eine Reform und Beschleu­ni­gung des Orts­kräf­te­ver­fah­rens und die Berück­sich­ti­gung aller gefähr­de­ter Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ger bei der Auf­nah­me. Jede Sekun­de die wir hier ver­lie­ren, ver­brin­gen die Men­schen in Afgha­ni­stan in Todes­angst. Für man­che bedeu­tet es den Tod. Men­schen in Afgha­ni­stan dür­fen nicht im Stich gelas­sen werden.“

Demons­tra­ti­on in Würzburg

Am heu­ti­gen Nach­mit­tag wird zudem eine Demons­tra­ti­on am Würz­bur­ger Hbf um 16:30 Uhr star­ten, zu der ein brei­tes Bünd­nis aus Geflüch­te­ten- und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen auf­ge­ru­fen hat. Sie for­dern „Blei­be­recht und Auf­nah­me jetzt!“ und erklä­ren: „Wir ste­hen an der Sei­te aller Men­schen, die bedroht sind – egal ob sie aus der Ukrai­ne oder aus ande­ren Kri­sen­re­gio­nen der Welt vor Krieg, Not und Ver­fol­gung flie­hen. Wir sagen: Es darf kei­ne Geflüch­te­ten ers­ter und zwei­ter Klas­se geben. Von den Innenminister*innen, die in Würz­burg tagen, for­dern wir daher: Ver­gesst die Men­schen aus Afgha­ni­stan und ande­ren Län­dern nicht!“

Für Rück­fra­gen und Inter­view­wün­sche wen­den Sie sich bit­te an:

Johan­na Böhm | Baye­ri­scher Flücht­lings­rat | 0179–1398117 | boehm@fluechtlingsrat-bayern.de
Jibran Kha­lil | Jugend­li­che ohne Gren­zen | 0176–2451 9228 | presse@jogspace.net
Lenn­art Scholz | BumF | l.scholz@b‑umf.de
Jür­gen Heß | Würz­bur­ger Flücht­lings­rat | 0175–2182164 | info@wuerzburger-fluechtlingsrat.de
Pres­se­team | Pro Asyl | (0)69 – 24 23 14–30 | presse@proasyl.de

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