16.09.2021

Die Bedin­gun­gen in AnkER-Zen­tren und Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen ver­let­zen die Rech­te von Kin­dern und ihren Fami­li­en. AnkER-Zen­tren müs­sen des­halb abge­schafft, der Auf­ent­halt in Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen auf maxi­mal vier Wochen ver­kürzt und die Geflüch­te­ten schnellst­mög­lich in Woh­nun­gen unter­ge­bracht werden.

Die­se For­de­rung rich­ten terre des hom­mes, PRO ASYL, Jugend­li­che ohne Gren­zen, die Lan­des­flücht­lings­rä­te und 100 wei­te­re Orga­ni­sa­tio­nen und Initia­ti­ven anläss­lich des Welt­kin­der­tags am 20. Sep­tem­ber an die neue Bun­des­re­gie­rung. In ver­schie­de­nen Städ­ten fin­den am Wochen­en­de Pro­test­ak­tio­nen statt.

»Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen und AnkER-Zen­tren sind kein Ort für Kin­der und kein Ort für Erwach­se­ne«, heißt es in dem gemein­sa­men Auf­ruf, in dem die rund 100 Unter­zeich­nen­den zudem for­dern: »Statt Iso­la­ti­on und Ent­rech­tung brau­chen wir fai­re Asyl­ver­fah­ren und glei­che Rech­te für alle Kin­der, die in Deutsch­land leben.«

Kein Ort für Kin­der: Kin­der erle­ben Gewalt und Abschie­bun­gen mit

»Die räum­li­che Enge in AnkER-Zen­ten und Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen, das Mit­er­le­ben von Gewalt und Abschie­bun­gen und der Man­gel an Pri­vat­sphä­re und Bil­dungs­mög­lich­kei­ten wider­spre­chen den in der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on nie­der­ge­leg­ten Kin­der­rech­ten«, erklär­te Bir­te Köt­ter, Vor­stands­spre­che­rin von terre des hom­mes. Beson­ders Frau­en, Kin­der und Fami­li­en lei­den unter die­sem Sys­tem, heißt es in der gemein­sa­men Pres­se­er­klä­rung von PRO ASYL und terre des hommes.

Die oft­mals weit abge­le­ge­nen Ein­rich­tun­gen füh­ren zur Iso­la­ti­on und Ent­rech­tung der Betrof­fe­nen. Es gibt kaum Zugän­ge zu psy­cho­so­zia­ler Ver­sor­gung für trau­ma­ti­sier­te oder psy­chisch belas­te­te Men­schen und zu regu­lä­ren Kitas und Schu­len, die für die Bil­dung von Kin­dern ele­men­tar sind. Die ein­ge­schränk­ten Mög­lich­kei­ten zur Vor­be­rei­tung der Asyl­ver­fah­ren wir­ken sich nega­tiv auf die Auf­ent­halts­chan­cen der Asyl­su­chen­den aus.

Zeit­druck, Stress, zu wenig Beratung

»Die AnkER-Zen­tren ent­rech­ten und iso­lie­ren die Men­schen. Das zer­mürbt die Schutz­su­chen­den, beson­ders Kin­der. Drei Jah­re nach Öff­nung der ers­ten AnkER-Zen­tren fällt die Bilanz düs­ter aus: Das Kon­zept ist geschei­tert – die Zen­tren gewähr­leis­ten kei­ne fai­ren Asyl­ver­fah­ren. Zu einem fai­ren Asyl­ver­fah­ren gehört, für die gesam­te Ver­fah­rens­dau­er eine behör­den­un­ab­hän­gi­ge Bera­tung zu gewäh­ren, die die Schutz­su­chen­den auch bis zu den Gerich­ten beglei­tet. Nur so kön­nen behörd­li­che Fehl­ent­schei­dun­gen effek­tiv kor­ri­giert wer­den. Zeit­druck, Stress und zu wenig Bera­tung füh­ren dazu, dass beson­ders vul­nerable Grup­pen wie Kin­der und Frau­en ihre indi­vi­du­el­len Geschich­ten und Lei­dens­we­ge oft ver­schwei­gen. Doch EU- und Völ­ker­recht garan­tie­ren gera­de vul­nerablen Per­so­nen beson­de­re Ver­fah­rens­rech­te und sozi­al­recht­li­che Ansprü­che – die aber in den AnkER-Zen­tren oft nicht beach­tet wer­den«, sag­te Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL.

Auch Afgha­ni­stan zeigt: Schutz­su­chen­de brau­chen siche­re Orte 

Wir erwar­ten von der neu­en Bun­des­re­gie­rung, dass sie die Kin­der­rech­te ernst nimmt und den Auf­ent­halt in Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen auf weni­ge Wochen ver­kürzt, so dass die Fami­li­en und Kin­der schnell auf die Kom­mu­nen ver­teilt wer­den kön­nen. »Die künf­ti­ge Bun­des­re­gie­rung hat die Mög­lich­keit, ein Auf­nah­me­sys­tem zu bil­den, das die Rech­te flüch­ten­der Men­schen in den Mit­tel­punkt stellt. Die Ereig­nis­se in Afgha­ni­stan haben in den letz­ten Wochen noch­mal deut­lich gemacht, war­um Men­schen flie­hen und dass sie siche­re Orte brau­chen – und nicht Iso­la­ti­on und Aus­gren­zung«, so Bir­te Kötter.

Aktio­nen zum Welt­kin­der­tag in vie­len Städten

»Um unse­ren For­de­run­gen Nach­druck zu ver­lei­hen, orga­ni­sie­ren wir um den Welt­kin­der­tag am 20. Sep­tem­ber die bild­star­ke Akti­on #kein­ort­fu­er­kin­der, mit der wir eine Woche vor der Bun­des­tags­wahl in zahl­rei­chen Städ­ten Deutsch­lands auf die untrag­ba­re Situa­ti­on in AnkER-Zen­tren und Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen auf­merk­sam machen.«

Eine 2020 von terre des hom­mes beauf­trag­te Recher­che zur Situa­ti­on in AnkER-Zen­tren in Baden-Würt­tem­berg, Bran­den­burg und Sach­sen kam zu dem ein­deu­ti­gen Ergeb­nis, dass Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen und AnkER-Zen­tren für Kin­der nicht geeig­net sind. Die Coro­na-Pan­de­mie ver­schärft die ohne­hin pre­kä­re Situa­ti­on zusätz­lich; an Orten ohne aus­rei­chen­den Platz und Raum sind Abstand­hal­ten und erfor­der­li­che Hygie­ne­maß­nah­men kaum möglich.

Unter­brin­gung auch ent­schei­dend für Fair­ness des Asylverfahrens

Weil die Ein­rich­tun­gen oft abge­le­gen sind und der Zugang restrik­tiv gehand­habt wird, ist es für unab­hän­gi­ge Orga­ni­sa­tio­nen nahe­zu unmög­lich, die Asyl­su­chen­den zu unter­stüt­zen. Damit wird die Art der Unter­brin­gung auch ent­schei­dend für die Fair­ness des Asyl­ver­fah­rens ins­ge­samt. Teil des AnkER-Kon­zep­tes ist eine ver­kürz­te Zeit zwi­schen Ankunft und der Anhö­rung im Asyl­ver­fah­ren. Damit Men­schen über erlit­te­ne Ver­fol­gung, Gewalt und Demü­ti­gun­gen spre­chen kön­nen, braucht es jedoch Zeit, Ver­trau­ens­auf­bau und unab­hän­gi­ge Bera­tung vor der Anhörung.
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Gemein­sa­me Pres­se­er­klä­rung von PRO ASYL und terre des hommes

Für Rück­fra­gen und Interviews:

•          terre des hom­mes: Wolf-Chris­ti­an Ramm, Tel. 01 71 / 672 97 48, E‑Mail: c.ramm@tdh.de
•          PRO ASYL – Gün­ter Burk­hardt, Tele­fon: 069 / 24 23 14 30, E‑Mail: presse@proasyl.de

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