31.08.2015

Als Reak­ti­on auf die stei­gen­den Flücht­lings­zah­len will der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter euro­pa­weit „siche­re Her­kunfts­län­der“ bestim­men. Deutsch­land, Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en wol­len dies bei einem Son­der­tref­fen der EU-Innen­mi­nis­ter durch­set­zen.

Die nicht ver­öf­fent­lich­te EASY-Sta­tis­tik vom Juli 2015, wel­che die deutsch­land­wei­ten Zugangs­zah­len aus­weist, zeigt: Es kom­men weit­aus weni­ger Flücht­lin­ge aus dem Koso­vo, Ser­bi­en, Maze­do­ni­en, Mon­te­ne­gro und Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na in Deutsch­land als öffent­lich sug­ge­riert an.

  • Wäh­rend im Febru­ar 2015 noch 16.616 Per­so­nen (42.7 % aller Zugän­ge) aus dem Koso­vo stamm­ten, ist das Koso­vo, eben­so wie Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na und Mon­te­ne­gro, im Juli 2015 nicht mehr unter den zehn wich­tigs­ten Her­kunfts­län­dern ver­tre­ten, die Quo­te lag damit unter 1,6 %. Ähn­lich ver­hält es sich mit Ser­bi­en. Hier sank die Zahl der Zugän­ge von 6,3 % auf 2,4 % (von 2.446 auf 1.867), bei Maze­do­ni­ern von 3,0% auf 2,3%.
  • Ledig­lich bei Flücht­lin­gen aus Alba­ni­en gibt es wei­ter­hin hohe Zugangs­zah­len (17.346 Per­so­nen im Juli 2015, 20,9% der Antrag­stel­ler). Berich­te aus den Tran­sit­län­dern deu­ten dar­auf hin, dass auch hier die Zah­len stark zurück­ge­hen wer­den. In Ungarn wer­den ins­ge­samt kaum noch Grenz­über­trit­te von Bal­kan-Flücht­lin­gen beob­ach­tet.
  • 53% aller Flücht­lin­ge kamen aus den Bür­ger­kriegs­län­dern Syri­en (25.794 Per­so­nen, 31,1%), Afgha­ni­stan (7.928 Per­so­nen, 9,6%), Irak (5.846 Pers., 9,6%) und Soma­lia (1.195 Pers., 1,4%) sowie der Mili­tär­dik­ta­tur Eri­trea (3.127 Pers., 3,8%), also gera­de jenen Her­kunfts­län­dern, die in Deutsch­land die höchs­ten Aner­ken­nungs­quo­ten haben.

„Die Debat­te um siche­re Her­kunfts­län­der lenkt von der wah­ren Her­aus­for­de­rung ab“, sagt Gün­ter Burk­hardt von PRO ASYL. „Hun­der­tau­sen­de Flücht­lin­ge müs­sen in Euro­pa auf­ge­nom­men und dau­er­haft inte­griert wer­den.“ Das Kon­zept der siche­ren Her­kunfts­län­der lehnt PRO ASYL ab.  Zahl­rei­che Men­schen­rechts­be­rich­te zei­gen, dass Ange­hö­ri­ge der Roma und ande­re Min­der­hei­ten in den Bal­kan­staa­ten umfas­sen­der ras­sis­ti­scher Aus­gren­zung aus­ge­setzt und von exis­ten­ti­el­ler Armut bedroht sind. Jus­tiz und Poli­zei schüt­zen sie kaum.

Statt, dem Vor­schlag des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um zu fol­gen und euro­pa­weit „siche­re Her­kunfts­län­der“ zu defi­nie­ren und Flücht­lin­ge von der Gesell­schaft zu iso­lie­ren, muss end­lich die Inte­gra­ti­on und der zügi­ge Aus­zug aus den Not­un­ter­künf­ten geför­dert wer­den.

EASY-Sta­tis­tik von Juli 2015 (xlxs-Datei)

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