10.07.2009

VG Frank­furt holt Ira­ner nach Deutsch­land zurück

Die 7. Kam­mer des Ver­wal­tungs­ge­richts Frank­furt am Main hat mit Urteil (Az. 7 K 4376/07.F.A (3)) vom 08.07.2009 fest­ge­stellt, dass im Fal­le eines ira­ni­schen Asyl­su­chen­den die Über­stel­lung nach Grie­chen­land rechts­wid­rig war. Der jun­ge Ira­ner muss­te im Jahr 2007 aus dem Iran flie­hen, wo ihm akut Ver­fol­gung droh­te. Er kam über Grie­chen­land nach Deutsch­land. Hier leben sei­ne Eltern und sei­ne Schwes­ter. Das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge erklär­te sich aller­dings für unzu­stän­dig und ord­ne­te die „Über­stel­lung“ des Ira­ners nach Grie­chen­land an, weil er dort zum ers­ten Mal das Ter­ri­to­ri­um der EU betre­ten hat.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt urteil­te nun, dass die­se Ent­schei­dung rechts­wid­rig war: Deutsch­land ist zustän­dig – die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wur­de ver­pflich­tet, die Über­stel­lung nach Grie­chen­land rück­gän­gig zu machen.

Das Gericht hat­te den betrof­fe­nen Ira­ner und sei­ne grie­chi­sche Anwäl­tin zur münd­li­chen Ver­hand­lung gela­den und bei­de umfas­send zur Situa­ti­on in Grie­chen­land befragt. Dabei ent­stand ein kata­stro­pha­les Bild des Asyl­sys­tems in Grie­chen­land: Flücht­lin­ge wer­den mit­tel­los in die Obdach­lo­sig­keit gedrängt, über­le­ben nur auf­grund von Armen­spei­sun­gen. Das Asyl­ver­fah­ren ist eine Far­ce: Die Anhö­rung erfolgt im Minu­ten­takt, statt eines Dol­met­schers müs­sen ande­re Flücht­lin­ge in gebro­che­nem Grie­chisch über­set­zen. Mit einem fai­ren und gerech­ten Ver­fah­ren – so auch das Frank­fur­ter Gericht – sind die Ver­hält­nis­se in Grie­chen­land nicht ver­ein­bar.

PRO ASYL hat­te den Fall des Ira­ners zusam­men mit sei­ner Frank­fur­ter Anwäl­tin beglei­tet und für sei­ne Rück­kehr aus Grie­chen­land gekämpft. Wie es dem jun­gen Flücht­ling in Grie­chen­land erging, doku­men­tier­te Karl Kopp, Euro­pa­re­fe­rent von PRO ASYL, mit­tels Recher­chen vor Ort.

Der Fall des Ira­ners hat­te vor rund 1 ½ Jah­ren eine Serie von Eil­ver­fah­ren aus­ge­löst, in denen die Über­stel­lung nach Grie­chen­land ver­hin­dert wur­de. In dem jetzt ent­schie­de­nen Fall stell­ten sich die dama­li­gen Argu­men­te des Bun­des­am­tes als falsch her­aus: das Bun­des­amt hat­te in dem Eil­ver­fah­ren gel­tend gemacht, dass die deut­sche Bot­schaft in Athen ein Moni­to­ring­ver­fah­ren bezüg­lich der aus Deutsch­land abge­scho­be­nen Flücht­lin­ge gewähr­leis­te. Außer­dem hat­te es die Zusi­che­rung Grie­chen­lands ein­ge­holt, dass die Rech­te des Flücht­lings beach­tet wür­den. Bei­des stell­te sich im Nach­hin­ein als falsch her­aus.

PRO ASYL kri­ti­siert seit Jah­ren die Über­stel­lun­gen von Asyl­su­chen­den nach Grie­chen­land und for­dert, dass Deutsch­land die Zustän­dig­keit für die Asyl­ver­fah­ren an sich zieht.

gez. Marei Pel­zer
Refe­ren­tin

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