09.12.2025

Zum Inter­na­tio­na­len Tag der Men­schen­rech­te (10. Dezem­ber) for­dern mehr als 250 deut­sche Orga­ni­sa­tio­nen, dar­un­ter über 50 Bun­des­or­ga­ni­sa­tio­nen, die Bun­des­re­gie­rung auf: Men­schen­rech­te wah­ren Ver­spre­chen hal­ten! Nehmt die Schutz­su­chen­den aus Afgha­ni­stan mit Auf­nah­me­zu­sa­ge end­lich auf!

„Tun Sie jetzt alles in Ihrer macht Ste­hen­de, um die Afgha­nin­nen und Afgha­nen mit Auf­nah­me­zu­sa­ge bis Jah­res­en­de nach Deutsch­land zu holen“, heißt es in dem Offe­nen Brief, der nament­lich an die Bun­des­mi­nis­ter Alex­an­der Dob­rindt und Johann Wade­phul gerich­tet ist.

Noch immer war­ten rund 1.800 afgha­ni­sche Men­schen dar­auf, nach Deutsch­land in Sicher­heit zu kom­men. Über 70 Pro­zent von ihnen sind Frau­en und Kin­der. Die paki­sta­ni­sche Regie­rung droht ihnen mit der Abschie­bung nach Afgha­ni­stan, wenn sie nicht bis Ende Dezem­ber das Land ver­las­sen haben. „Die Zeit drängt. Es zählt buch­stäb­lich jeder Tag“, heißt es in dem Offe­nen Brief.

„Die Ret­tung aller Men­schen mit Auf­nah­me­zu­sa­ge ist der Lack­mus­test für Ver­läss­lich­keit, Glaub­wür­dig­keit und Huma­ni­tät die­ser Bun­des­re­gie­rung. Alle gege­be­nen Zusa­gen aus den ver­schie­de­nen Auf­nah­me­pro­gram­men müs­sen jetzt schnell und unbü­ro­kra­tisch ein­ge­löst wer­den“, so Helen Reze­ne, Co-Geschäfts­füh­re­rin von PRO ASYL.

Abschie­bung nach Afgha­ni­stan bedeu­tet Ver­fol­gung, Miss­hand­lung und Tod

In Afgha­ni­stan sind die Men­schen Ver­fol­gung, Miss­hand­lun­gen, Gefäng­nis und sogar dem Tod durch die Tali­ban aus­ge­setzt. Der Grund: Sie haben sich über Jah­re hin­weg für Demo­kra­tie, Rechts­staat­lich­keit, Frau­en- und Kin­der­rech­te ein­ge­setzt: für uni­ver­sel­le Wer­te also – auch im Inter­es­se Deutsch­lands. Dar­un­ter sind ehe­ma­li­ge Orts­kräf­te der Bun­des­wehr und der Gesell­schaft für Inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit (GIZ) und Mit­ar­bei­ten­de von Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen eben­so wie Journalist*innen, Richter*innen, Menschenrechtsverteidiger*innen, Ange­hö­ri­ge der LSBTIQ+ Com­mu­ni­ty sowie Kulturschaffende.

Deutsch­land muss zu men­schen­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen stehen

Die mehr als 250 bundes‑, lan­des­wei­ten und loka­len Orga­ni­sa­tio­nen appel­lie­ren kurz vor Weih­nach­ten nicht nur an Mit­mensch­lich­keit und Nächs­ten­lie­be, son­dern wei­sen Deutsch­land vor allem deut­lich auf die Ver­ant­wor­tung hin, die es für die­se Men­schen trägt: „Die men­schen­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen unse­res Lan­des dür­fen kein Lip­pen­be­kennt­nis sein – das schul­den wir jenen, die für Deutsch­land gear­bei­tet oder die sich auf uns ver­las­sen haben. Ver­trau­en ist unse­re stärks­te Wäh­rung. Wer Ver­trau­en ver­spielt, han­delt gegen Deutsch­lands Interessen.“

Um die Men­schen vor Tod und Ver­fol­gung zu schüt­zen, brau­chen sie, heißt es in dem Appell weiter:

  1. Sofor­ti­ge Eva­ku­ie­run­gen: Für alle Men­schen mit Auf­nah­me­zu­sa­ge ist die sofor­ti­ge, unbü­ro­kra­ti­sche Aus­rei­se vor Jah­res­en­de einzuleiten.
  2. Einen schnel­len Abschluss der Ver­fah­ren ohne wei­te­re Ver­zö­ge­rung: Die Sicher­heits­über­prü­fun­gen und Visa­ver­fah­ren müs­sen schnellst­mög­lich für alle Auf­nah­me­pro­gram­me – inklu­si­ve Men­schen­rechts­lis­te und Über­brü­ckungs­pro­gramm – abge­schlos­sen werden.
  3. Sicher­heit vor Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan: Die Bun­des­re­gie­rung muss im Gespräch mit der paki­sta­ni­schen Regie­rung alle Mög­lich­kei­ten nut­zen, um wei­te­re Abschie­bun­gen der Betrof­fe­nen nach Afgha­ni­stan zu ver­hin­dern und eine siche­re Unter­brin­gung bis zum Abschluss der Ver­fah­ren zu gewährleisten

Den gan­zen offe­nen Brief, den unter ande­rem Kabul Luft­brü­cke, PRO ASYL, Terre des Hom­mes, Amnes­ty Inter­na­tio­nal, Der Pari­tä­ti­sche Gesamt­ver­band, Human Rights Watch und Brot für die Welt unter­schrie­ben haben, fin­den Sie hier im Wortlaut.

Hin­ter­grund

Der­zeit befin­den sich rund 1.800 afgha­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge in Paki­stan, die eine Auf­nah­me­zu­sa­gen aus den vier ver­schie­de­nen deut­schen Auf­nah­me­pro­gram­men haben – Bun­des­auf­nah­me­pro­gramm (§ 23 Absatz 2 Auf­enthG), Orts­kräf­te­ver­fah­ren (§ 22 Satz 2 Auf­enthG), Men­schen­rechts­lis­te (§ 22 Satz 2 Auf­enthG) und Über­brü­ckungs­pro­gramm (§ 22 Satz 2 AufenthG). 

Cir­ca 250 Men­schen mit Auf­nah­me­zu­sa­ge wur­den im August 2025 bereits nach Afgha­ni­stan abge­scho­ben und war­ten in einem Safe­house auf die Fort­set­zung ihrer Ver­fah­ren. Wäh­rend die Bun­des­re­gie­rung ange­kün­digt hat, die Ver­fah­ren für Per­so­nen im Bun­des­auf­nah­me­pro­gramm und im Orts­kräf­te­ver­fah­ren wei­ter­zu­füh­ren, sind die Ver­fah­ren der Men­schen­rechts­lis­te und im Über­brü­ckungs­pro­gramm wei­ter­hin ausgesetzt.

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